Neue Aktienrente Generationenkapital: Ist der große Wurf gelungen?

Nun ist es raus: Die Aktienrente hat einen neuen Namen. Generationenkapital soll das gute Stück heißen. Wie sehr habe ich mich darüber gefreut, dass die Ampel-Koalition endlich (zumindest teilweise) in die Kapitaldeckung der dysfunktionalen Deutschen Rente einsteigen möchte. Bisher war die Rente ja mehr oder weniger ein riesiges Ponzi-Schema, welches nur durch jährlich steigende Bundeszuschüsse am Leben erhalten wird.

Große Hoffnungen meinerseits waren damit verbunden, dass endlich die ganzen Versprechen an vor allem die junge Generation nun auch zumindest teilweise kapitalgedeckt und somit „real“ ist. Welche Kriterien die Aktienrente erfüllen müsste, um wirklich für mich als der „Große Wurf“ zu gelten, habe ich in diesem Artikel damals schon erläutert. Leider wurde nahezu kein Punkt davon umgesetzt, so viel schonmal vorab.

Vorstellung Generationenkapital

Nun hat das Finanzministerium unter Christian Lindner am 13.01.2023 endlich die Pläne zur neuen Aktienrente für Deutschland vorgestellt.

Ist das Generationenkapital nun der große Wurf geworden, der die Gesetzliche Rentenversicherung entlastet, für mehr Rendite bei gleichzeitig mehr Gerechtigkeit sorgt, auch privat Vorsorgenden offen steht und unter Schonung der Steuermittel stattfindet?

Leider nein. Alles andere hätte mich ehrlich gesagt aber auch gewundert. Das veröffentliche Konzept ist ein Flickwerk aus lauter Kompromissen und wie auch die Presse an mancher Stelle verlautbart ein absoluter Minimalkonsens.

Es macht mir den Eindruck, dass Herr Lindner als Liberaler selbst eigentlich nicht wirklich selbst hinter dem ausgehandelten Kompromiss stehen kann.

Der Druck durch die beiden Koalitionspartner war wohl dann doch zu groß. Insbesondere die versicherungswirtschaftsfreundliche SPD rund um ihren ehemaligen vergesslichen Bundesfinanzminister und heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz dürfte hier deutlich interveniert haben, um ihre Lobby zu schützen.

Ach übrigens, kleiner aktueller Exkurs zum Thema Scholz:

Kniefall vor der Versicherungslobby

Ein sehr problematischer Punkt ist nämlich, dass der geplante „Staatsfonds“ nur begrenzten Zugang bietet. Eine Altersvorsorge über die 3. Schicht ist aktuell nicht geplant, um den Versicherungsunternehmen nicht das Geschäft mit privaten Lebens- und Rentenversicherungen zu vermiesen.

Ergo: Du kannst nicht z.B. flexibel per Sparplan in dein eigenes Rentenkonto zusätzlich einzahlen, um zielgerichtet deine Rentenlücke zu schließen und deinem Geld beim Wachsen zuzusehen, wie es in schwedischen Modell der Fall gewesen wäre. Dadurch fehlt der individuelle Sparanreiz fast völlig:

„Bei der ursprünglich so viel beworbenen Aktienrente nach Schwedenvorbild dagegen wäre das Vermehrungsrisiko zulasten der privaten Einzahler gegangen. Denn beim Schwedenmodell wird jedem Einzahler für die 2,5 Prozent, die er vom Bruttoeinkommen in den Aktienspartopf zahlt, ein individueller Wertpapierstapel zugeschrieben. Jeder kann also genau sagen, wie hoch sein Anteil an der Zusatzrente ist und wie er sich entwickelt. Zahlt er darüber hinaus noch zusätzlich Geld ein, wird es entsprechend mehr.

Diese individuelle Zurechenbarkeit bedeutet einerseits: Es motiviert Bürger, wenn sie dem Geld in den jährlichen Standmitteilungen beim Wachsen zusehen können. Aber sie brauchen auch Nerven, wenn mal eine negative Mitteilung kommt. Im Gegensatz dazu aber wird der deutsche Rentenfonds eine Blackbox sein.“

Quelle: Capital.de

Dass du für die private Vorsorge nicht einfach einen (geförderten) Sparplan auf diesen Staatsfonds starten kannst, kann indes daher nur als Kniefall vor der Versicherungslobby gewertet werden.

Schade! Ein simples geschütztes Depot, von mir aus auch bei dieser Stiftung geführt, mit jederzeit flexibler Einzahlungsmöglichkeit und jederzeit transparent ersichtlichen Stückzahlen von Fondsanteilen wäre hier definitiv der bessere Weg gewesen.

Generationenkapital: So umgesetzt, wird sie ein Flop

Die auf der Homepage des Finanzministeriums vorgestellte Lösung sieht zusammenfassend Folgendes vor (Quelle):       

  • Das Neue Konstrukt soll „Generationenkapital“ heißen (um ja nicht das teufelsgleiche Wort „Aktien“ zu beinhalten)
  • Der Bund baut aus öffentlichen Mitteln (also Steuereinnahmen) einen Kapitalstock auf, der das Umlageverfahren ergänzt (nicht ersetzt!)
  • Es wird international in Aktien und weitere Assetklassen breit gestreut investiert. Die eigentlichen Anlageentscheidungen trifft der „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ (Kenfo). Das ist Deutschlands erster Staatsfonds, welcher 2017 gegründet wurde und zur Finanzierung der Atommülllentsorgung eingerichtet wurde. Nähere Infos: Homepage Kenfo.
  • Ab ca. 2038 werden aus dem angesammelten Kapital dann Erträge an diejenigen ausgezahlt, die ab diesem Stichtag in Rente gehen (oder wahrscheinlich schon in Rente sind)
  • Es wird eine Zweckbindung der Erträge des Kapitalstocks zugunsten der gesetzlichen Rentenversicherung gesetzlich verankert. Will heißen: Das Geld darf nicht für andere Zwecke angetastet werden

Der Kenfo übernimmt die Investments

  • Verwaltet wird der dauerhafte Fonds von der „öffentlich-rechtlichen Stiftung Generationenkapital“. Um die Geldanlage und Investition der Gelder kümmmert sich der Kenfo. Ursprünglich war die Deutsche Bundesbank im Gespräch. Kann der Kenfo das besser als die ursprünglich favorisierte Deutsche Bundesbank? Zumindest bislang kann sich die Rendite des Kenfo durchaus sehen lassen. Von daher vermutlich eine richtige und fachlich gute Entscheidung.
  • Erstinvestition 2023: 10 Mrd. Euro. Diese Mittel stammen aus Steuermitteln des Bundes und sollen aufgrund der empirisch belegten guten Performance von breit gestreuten Aktieninvestitionen die Kreditfinanzierung egalisieren. Will heißen: Es werden hierfür neue Schulden aufgenommen, die durch die Erträge aber irgendwann ausgeglichen werden sollen (sog. Renditedifferenzial)
  • Angesiedelt ist das Generationenkapital in der ersten Säule der Altersversorgung (wie auch die Gesetzliche Rente und Rürup). Für andere Schichten soll es zunächst nicht zur Verfügung stehen (Betriebsrenten, private Altersvorsorge – Fehlanzeige)
  • Freiwillige Einzahlungen durch Privatpersonen (oder Selbstständige, Beamte etc.) sind bislang in den Plänen ebenso nicht vorgesehen (z.B. im Rahmen der 2. oder 3. Schicht der Altersvorsorge). Aber immerhin deutet Lindner im Interview an, dass so etwas langfristig geplant ist.

Mein vorläufiges Fazit zum „Generationenkapital“:

Auf mich macht die geplante Aktienrente den Eindruck, dass dies nur ein erster Fuß in die Türe der Kapitaldeckung darstellt. Frei nach dem Motto: Hauptsache es geht irgendetwas in diese Richtung, egal wie schlecht es unter dem Strich aufgrund der vielen Kompromisse letztendlich praktisch ausfällt. Man kann es ja später „reparieren“.

Wie mir scheint, erfüllt das neue Generationenkapital in dieser vorgestellten Form zunächst auch nur den Zweck, dass die defizitären Entwicklungen der umlagefinanzierten Rente nicht mehr ausschließlich durch Einzahlungen aus Steuermitteln gefördert werden (Bundeszuschüsse in 2022: 100 Mrd. Euro!!!), sondern gleichzeitig aus den Erträgen des Generationenkapitals gespeist werden sollen, was wiederum die Steuerzahler dann entlasten soll (perspektivisch durch Wegfall der Bundeszuschüsse). Dies aber auch nur wenn die Bundeszuschüsse tatsächlich wegfallen.

Wegfall Bundeszuschüsse

Bildlich gesprochen ist das in der aktuellen Planung so, wie wenn man einem Motor, der stetig Öl verliert (Gesetzliche Rente) immer wieder frisches Öl (Erträge des Generationenkapital) nachkippt, anstatt den Motor einmal komplett zu reparieren und abzudichten.

Diese Regelung finde ich daher kritisch. An der Dysfunktionalität der Gesetzlichen Rente und dem Problem „Demografischer Wandel“ ändert das Generationenkapital in dieser Konstruktion dadurch nichts. Durch die Alterung der Gesellschaft steigt der Finanzbedarf der umlagefinanzierten Rente stetig weiter an. Die Erträge des Generationenkapitals sollen dann dazu dienen, diesen stetig steigenden Finanzbedarf zu decken.

Problematisch daran ist aber, dass man dadurch dem Generationenkapital gar nicht erst die notwendige Zeit einräumt, den Zinseszinseffekt effektiv zu nutzen, weil immer größere Erträge direkt in den Ausgleich des defizitären Umlagesystems wandern. Also linke Tasche, rechte Tasche.

Nur wenn man den Zinseszinseffekt wirken ließe, wie es in Schweden und Norwegen erfolgreich seit Jahrzehnten praktiziert wird, wären die Finanzprobleme der Rente perspektivisch endgültig vom Tisch und der Motor dicht.

Verbesserungsvorschläge

Nun möchte ich mich nicht nur in Kritik üben, sondern mal ganz allgemein Ideen vorbringen, wie man das vorgestellte Modell perspektivisch „verbessern“ kann, damit es am Ende vielleicht doch noch ein Erfolg wird:

  • Der „Staatsfonds“ sollte transparent aufgebaut sein und die einzelnen Anteile pro Bundesbürger auch transparent in der jährlichen Renteninformation darstellen (zum Beispiel: Sehr geehrter Bürger X, sie halten derzeit 12,875 Stücke am Staatsfonds. Der aktuelle Wert eines Anteils zum Stichtag X beträgt XXX Euro. Somit steht Ihnen ein aktuelles Rentenkapital in Höhe von xxx Euro zu. Rechnerisch entspräche dies einer aktuellen Zusatzrente von XXX Euro pro Monat).
  • Öffnung der Aktienrente: Anstatt dass die Politik Kredite für den Grundstock aufnimmt, kann man dies auch, wie in der Versicherungsbranche üblich, über eine Öffnung des Fonds erreichen. Will heißen, die Bürger können jederzeit auch freiwillig einzahlen. Unter der Prämisse eben, dass sie erst nach Ablauf von mindestens 15 Jahren (2038) die Früchte ernten dürfen. Dies wäre dann eine glasklare Alternative zu einer ETF-Rürup, die ebenfalls gewissen Einschränkungen unterliegt.

Mehr Gerechtigkeit – bitte!

  • Das Generationenkapital sollte generell auch für die private Altersvorsorge in der zweiten und dritten Schicht verfügbar sein. Ebenso für Selbstständige, Beamte und von mir aus sogar Arbeitslose. Jeder Cent der in den Fonds hineinfließt sorgt für Ansprüche des Einzahlenden und mehrt das Kapital aller. Der Status des Einzahlenden sollte hierbei keine Rolle spielen. Dies wäre gerecht und transparent. Und wenn ein Millionär durch Einzahlungen in Millionenhöhe gleichzeitig auch einen Rentenanspruch von zehntausenden Euro monatlich erwirbt, so ist auch dies völlig in Ordnung. Sein Geld trug im Vorfeld ja auch zur Mehrung des Vermögens aller Bürger bei. Eine Deckelung nach oben bräuchte es nicht.
  • Der Staatsfonds sollte strikt nach wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen investieren, fernab jeglicher Ideologie, Parteizugehörigkeit oder politischen Einstellung. Kein Greenwashing, keine halbgaren ESG-Kriterien und kein Lobbyismus. Global in Aktien diversifizieren und das Risiko ggf. durch einen Anleihen-Anteil reduzieren. Mehr braucht es nicht. Dies scheint das Konzept bislang zu gewährleisten, da auch der Kenfo auf diese Art und Weise erfolgreich verwaltet wird. Lediglich ESG-Kriterien werden als Muss angesehen (strittig aber wohl hinnehmbar!)

Dann doch lieber ETF-Sparplan

Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. Zusammenfassend kann ich aktuell nur die Schlussfolgerung ziehen, dass das Generationenkapital in der vorgestellten Form noch deutlich ausbaubar ist und in der geplanten Form nicht zum Schluss der Rentenlücke taugt.

Als Optimist gehe ich in gewisser Weise schon davon aus, dass es hier noch zu zahlreichen Nachbesserungen über die Jahre und Jahrzehnte kommt. So wäre eine Öffnung dieses Teils der Gesetzlichen Rente für Beamte und Selbstständige sehr einfach umsetzbar. Diese oftmals auch finanzstarken Gruppen könnten dann auch den Bedarf an kreditfinanzierten Zuschüssen abmildern. Ich gehe davon aus, dass dies auch so kommen wird und der Fonds geöffnet wird.

Grundsätzlich: Einfach viel mehr Schweden, so wie es ganz ursprünglich auch einmal politisch angedacht war.

Zum heutigen Zeitpunkt sehe ich es nach wie vor dann als beste Alternative, die Rentenlücke privat über einen simplen ETF-Sparplan auf den ACWI oder FTSE All-World zu schließen. Sei es ausschüttend, dann hat man bereits heute seine (wachsende) Rente. Oder eben als Thesaurierer. Gerade in der heutigen Zeit ist es vielleicht gar kein Fehler, schon heute Cashflow zu haben, der stetig und zuverlässig über die Monate und Jahre ansteigt.

Wenn du Interesse an einem selbst verwalteten, einfachen, günstigen und renditestarken Welt-Depot hast, dann schau dir gerne meinen Anfängerguide an. Hier wird dir alles im Detail erklärt. Ein Depot kannst du zum Beispiel bei folgenden Brokern eröffnen:

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2 Kommentare

  1. Erwartet denn wirklich jemand ernsthaft, dass die „Aktienrente“ in Deutschland ein Erfolg wird ?
    Nein!
    Nicht in einem Land, das von links-grünen Politikdarstellern regiert und links-grüner Medienlandschaft beherrscht wird.
    Nicht in einem Land, in dem seinen Bürgern „Aktiensparen“ wahlweise als Teufelszeug böser Großkapitalisten oder Lotteriespiel vorgestellt wird und korrektes Gendern in den Schulen wichtiger ist als finanzielle Bildung.
    Dann doch lieber Bürgergeld für alle. Gibt mehr Applaus in den Talkshows.

    1. Hallo Gerry,

      da stimm ich zu!

      Eigenverantwortung übernehmen und es langfristig für sich und seine Familie besser haben

      ODER

      gar nichts besitzen und sich voll auf die Politik verlassen.

      Wer Ausdauer hat, setzt auf Ersteres und handelt antizyklisch! 😉

      Edle
      Grüße
      Propi

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