Cashflow is King! Beständige Ausschüttungen erleichtern das Leben

Derzeit herrschen turbulente Zeiten. Krieg, Lieferketten brechen zusammen, die Zinsen steigen und Techwerte brechen brutal ein. Gut wenn du in solch einem Umfeld in deiner Strategie auch Unternehmen oder ETFs berücksichtigt hast, die dir einen stetig wachsenden Cashflow bieten. Welche Vorteile ein solcher stetiger Geldfluss mit sich bringt und wieso meine Strategie auf wachsende Dividende setzt. Genau darum soll es im heutigen Beitrag gehen.

Depot mit regelmäßigem Cashflow

In meinem Depot habe ich vorwiegend Value-Titel mit teilweise jahrzehntelanger Dividendenhistorie. Werte wie PepsiCo, Procter & Gamble und Unilever. Durch genau diese Werte kann ich derzeit relativ gelassen die Marktkapriolen beobachten.

Zwar finden sich auch Aktien wie Amazon und Berkshire Hathaway in meinem Depot, beide zahlen bekanntermaßen keine Dividende, dennoch liegt der Fokus tatsächlich auf Einzeltiteln mit Ausschüttungen. Im Idealfall mit stetig steigenden Dividenden. Meine ETFs sind ebenfalls zum Großteil ausschüttend, teilweise mit Dividenden-Fokus.

Das war zugegebenermaßen nicht immer so. In meiner Anfangszeit setzte ich tatsächlich eher auf thesaurierende ETFs, einfach um den optimalen Zinseszinseffekt zu haben und die automatische und kostenneutrale Wiederanlage der Erträge zu gewährleisten. Cashflow war mir weniger wichtig.

Was hat sich geändert?

Zwischenzeitlich habe ich immernoch thesaurierende ETFs in meinem Depot, der Großteil ist aber tatsächlich inzwischen ausschüttend.

Was die Vor- und Nachteile der jeweiligen Ertragsverwendungen sind, kannst du in meinem älteren Artikel „thesaurierend vs. ausschüttend“ nachlesen.

Ausschüttungen für das Leben im Hier und Jetzt

Nun, wie kam es zu solch einer Änderung meiner Einstellung? Kurz gesagt: Die eigene Familie. Ich habe für mich persönlich entschieden, dass ich die Freiheiten eines stetig steigenden Cashflows aka „passiven Einkommens“ mehr zu schätzen weiß, seitdem ich Familienvater geworden bin.

Ganz wie auch Frugalist Oliver festgestellt hat, ändert sich in der neuen Rolle so einiges. Zeit mit den Kindern und der eigenen Familie gewinnt plötzlich enorm an Priorität vor Excel-Listen, Depotauswertungen und dem ständigen Performance-Chasing.

Mein Endziel der Finanziellen Freiheit besteht aber nach wie vor und wird auch konsequent, aber ohne Geiz und Verbissenheit, verfolgt. Hartnäckig bleibe ich aber trotzdem. Zu diesem Ziel passt ein auf Ausschüttungen ausgerichtetes Portfolio viel mehr, als ein Portfolio, in welchem man stetig Anteile verkaufen muss, um von den Verkaufserlösen halbwegs den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Zwar bin ich mir bewusst, dass rein mathematisch betrachtet Thesaurierer meistens mehr Sinn machen (siehe dieser sehr gute Artikel von Gerd Kommer hierzu), dennoch wähle ich für mich den Cashflow durch Ausschüttungen.

Die „Wenn endlich…dann-Falle“ des Aufschiebens

Im Thesaurieren lauert nämlich auch eine weitere Gefahr: Man schiebt auf bis zum Gehtnichtmehr, verzichtet im Hier und Jetzt und „vertagt sein Leben“ bis zum glorreichen Zeitpunkt des erreichten Zieles (Finanzielle Freiheit). Blöd nur: Alles was dazwischen passiert, nennt sich „Leben“. Und dieses ist unwiderruflich vorbei und lässt sich nicht mehr „nachholen“.

Ein zugegebenermaßen Extremfall, aber vielleicht kannst du meine Gedankengänge anhand dieses Beispiels nachvollziehen:

Du sparst, verzichtest enorm, erhöhst brav deine Sparquote, investierst vorbildlich und robotermäßig in einen wissenschaftlich fundierten Welt-ETF-Ansatz thesaurierender Art. Du profitierst jahrelang vom Zinseszinseffekt, dein Vermögen steigt. Plötzlich wirst du krank oder erlebst einen anderen Schicksalsschlag und mit 55 hast du deine Million auf dem Depot und dazu noch Krebs.

Womöglich crasht die Börse dann genau in diesem Jahr deiner geplanten Finanziellen Freiheit um 30-50 Prozent. Von deinem Vermögen gezehrt hast du bis dahin nicht. Die Gewinne der letzten Jahre sind aufgrund des Crashs pulverisiert. Um Cashflow zu bekommen und in die Finanzielle Freiheit zu starten musst du nun zu einem Börsentiefpunkt Anteile verkaufen. Blöd gelaufen!

Für mich würde sich das dann irgendwie nach „verschwendeter Lebenszeit“ mit einem gewissen „Och Menno…“-Faktor anfühlen. „Hätte ich doch damals mehr im Hier und Jetzt gelebt“ und mir und meiner Familie in jungen Jahren „etwas gegönnt“.

Dieses Problem umgehe ich mit meiner Strategie weitestgehend. Wie diese aussieht schildere ich dir kurz.

Meine Strategie: Passives Einkommen und steigender Cashflow schon heute!

Ich verfolge weiterhin meinen Core-Satellite-Ansatz mit ETFs und Einzelaktien. Die ETFs sind größtenteils ausschüttend. Die Einzelaktien größtenteils Dividendenaristokraten mit Buy-and-Hold-Eignung. Wenige Growth-Titel und ein geringer Tech-Anteil für (hoffentlich starke) Kursgewinne sind aber trotzdem dabei. Meine zu schlagende Benchmark: Der MSCI World.

Meine Sparquote geht monatlich nach wie vor ins Depot über mehrere Sparpläne (ETF und wenige Einzelaktien). Depots: Consors und Smartbroker (hier* und hier* informieren).

Auf dem Verrechnungskonto sammeln sich die Erträge stetig an. Ich könnte sie verkonsumieren, fasse sie aber nicht an. Sobald sich mindestens 3000 Euro angesammelt haben, werden diese in ETFs und/oder Einzelaktien manuell investiert mit einer Prise „Market-Timing“. Ggf. kommen auch neue Aktien hinzu.

Aktuell benötige ich den Cashflow des Depots nicht, weshalb dies meine Art der „Thesaurierung“ darstellt. Durch das Reinvestieren der 3000 Euro steigt wiederum der auf den Monat heruntergerechnete Cashflow des Gesamtdepots. Zudem steigt die Geschwindigkeit der Erhöhung durch die Sparpläne stetig weiter.

Kaufe ich mir in absehbarer Zukunft ein Eigenheim, so wird der Cashflow aus dem Depot dann zur Not teilweise für die Finanzierung der Darlehensrate verwandt bzw. vermieden, dass ich mich finanziell im Alltag zu sehr einschränken muss oder zu lange die Immobilie abzahle.

Nur wegen einer Immobilie beispielsweise auf einen Familienurlaub zu verzichten, käme für mich nämlich nicht in Frage. Wie gesagt: Diese Zeit ist irreversibel verloren.

Oder den Urlaub über Dividende finanzieren? Why not. Für mich immernoch eine bessere Alternative, als die Milchkuh zu schlachten oder durch Anteilsverkäufe stetig weiter zu verstümmeln.

Fazit: Der Weg in die Finanzielle Freiheit

Halte ich diese Strategie durch, sollte mein monatlicher Cashflow stetig und beständig immer weiter ansteigen. Theoretisch sogar von Monat zu Monat. Die Aristokraten sorgen hier für weitere Steigerungen aufgrund des Dividendenwachstums von Jahr zu Jahr:

Beispielsweise erhöhte die PepsiCo Aktie ihre Dividende pro Anteil von 4,25 USD in 2021 auf 4,52 USD in 2022. Dies entspricht einer Steigerung von 6,35 %.

2020 lag die Dividende pro Anteil sogar noch bei 4,02 USD. Im Vergleich zur Dividende 2022 entspricht dies einem Dividendenwachstum von satten 12,43 %. So eine Gehaltserhöhung kannst du ja mal deinem Chef im Unternehmen vorschlagen. Auf seinen Blick bin ich gespannt!

Sollte sich so eine Entwicklung über die Jahre fortsetzen (was bei Dividendenaristokraten nicht absolut unwahrscheinlich sein dürfte), dann ergibt sich über die Jahre ein stetig steigender monatlicher Cashflow, garniert noch mit Kursgewinnen bei „guten“ Aktien.

Und genau auf diesen wachsenden Cashflow ziele ich ab. Der Cashflow soll so lange ausgebaut werden, bis er in der Lage ist, meine monatlichen Kosten komplett zu tragen. Hier wäre dann theoretisch der Punkt erreicht, wo man beruflich deutlich kürzertreten könnte, aufhören könnte weiter ins Depot einzuzahlen oder komplett in ein Leben als Privatier zu wechseln.

So man dies überhaupt möchte…

Empfehlenswerte Bücher, die meine Strategie beeinflusst haben

Wie ist deine Strategie? Thesaurierender Welt-ETF und das war’s? Oder hast auch du heute schon Cashflow?

2 Kommentare

  1. Hallo Andreas,

    Sehr schöner Artikel mit einer guten Beschreibung, warum ausschüttende Wertpapiere Sinn machen, auch wenn man damit vielleicht nicht das letzte Pünktchen Performance rauskitzelt.
    (Wobei ich mir hier auch noch nicht sicher bin, denn Umschichtungen in späteren Jahren verursachen Steuerzahlungen, und wer weiß, ob es dann noch die Abgeltungssteuer gibt?)

    Ich für meinen Teil setze auch auf Cashflow, sei es durch Dividenden oder durch Optionsprämien.
    Und genau durch diesen Cashflow werde ich unsere kommende Auszeit (ab 01.04.23 kein fester Job mehr) mit vielen Reisen (ab 01.05.23 bis Mitte August in Thailand, Vietnam, Malaysia) finanzieren.

    Darauf freue ich mich schon sehr 🙂

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch,
    DerFinanznomade

    1. Hallo FinanzNomade,

      Ich beglückwünsche dich zu deinem bevorstehenden Abenteuer und wünsche auch dir einen guten Rutsch ins Jahr 2023.

      Bei dem Punkt mit den Umschichtungen bin ich ganz bei dir! Jetzt ist jede Ausschüttung mit knapp 26 % Abgeltungssteuer steuerlich abgegolten und „safe“. Wenn irgendwann wieder Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz verrechnet werden, dann liegt man hier als gut verdienender Angestellter wohl deutlich drüber.

      Verkauft man dann seine Thesaurierer sind schnell 30-40 Prozent Steuern fällig. Heftig!

      Dann doch lieber im Hier und Jetzt 🙂

      LG

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