ETF

Was genau sind denn ETF?

Bei ETF handelt es sich um eine sehr einfach zu verstehende und sehr transparente Finanzprodukt-Kategorie, die in letzter Zeit einen regelrechten Boom erlebt. Unter anderem aufgrund Büchern wie Die Millionärsformel: Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit* gelangen ETF (völlig zu Recht) immer mehr ins Bewusstsein der deutschen Anleger.

Letztendlich sind ETF nichts anderes als an der Börse gehandelte Investmentfonds. Daher auch der Name Exchange (Börse) Traded (gehandelt) Fund (Fond). Wie Aktien auch, könnt ihr ETFs einfach und unkompliziert an den verschiedenen Börsen kaufen und verkaufen.

Als regelrechtes Flak-Geschütz des Vermögensaufbaus (um an der Guerilla-Sprache festzuhalten) gelten ETF-Sparpläne. Doch dazu später weiter unten mehr.

Unterschied zu normalen Investmentfonds

Ja wenn ETFs doch auch nur Investmentfonds sind: Wozu brauche ich die eigentlich??

Der Große Unterschied besteht darin, dass ETF einen passiven Investmentansatz verfolgen im Gegensatz zu regulären Investmentfonds, welche aktiv gemanagt werden. Der ETF versucht, einen entsprechenden Index bzw. Markt nahezu 1:1 abzubilden. Gewinnt der Dax 1%, so gewinnt auch ein ETF auf den Dax 1% usw.

Bei normalen Investmentfonds versucht der Fondsmanager hingegen, den Index aktiv zu schlagen, was jedoch in den seltensten Fällen langfristig und zuverlässig gelingt. Selbst wenn es nicht gelingt: Die Gebühren des aktiven Fonds zahlt in jedem Falle der Kunde.

 

ETF (passiv)

Investmentfonds (aktiv gemanagt)

FunktionsweiseDer Fondsanbieter versucht, den Markt bzw. Index möglichst 1:1 nachzubildenDer Fondsanbieter bzw-manager versucht, den Index durch aktive Auswahl an Titeln zu schlagen
Kostengeringe jährliche Gebühren von 0,2 – 0,75 Prozentsehr viel höhere Gebühren je nach Fonds (teilweise 1-2 Prozent)
Ausgabeaufschlagentfälltje nach Fonds recht hoch
Renditepotentialentspricht dem zugrundeliegenden Markt bzw. Index (Dax, MSCI-World etc.)kann höher sein als der Markt oder auch niedriger

Studien haben jedoch mehrfach bestätigt, dass es den wenigsten Fondsmanagern gelingt, den Markt dauerhaft und nachhaltig zu schlagen. Die wissenschaftlichen Hintergründe kannst du bei Bedarf beim Buchklassiker des passiven Investierens von Gerd Kommer* nachlesen. Dies ist ein gewichtiges Argument für die ETF, da die hohen Managementgebühren aktiv verwalteter Fonds entfallen. Anbei eine kleine Grafik des Manager Magazins zu diesem Thema. Zum Artikel gelangst du über einen Klick auf das Bild.

ETF erfolgreicher als Investmentfonds

Letztendlich gibt es die beiden Lager der aktiv gemanagten Fonds und der passiven Fonds. Beide Seiten mögen gute Argumente haben, aber das überzeugendste Argument sind für mich -vor allem beim Thema Langfristigkeit- die laufenden Kosten bzw. Gebühren. Diese gilt es auf jeden Fall so gering wie möglich zu halten.

Replikationsarten bei ETF

Ein ebenfalls sehr wichtiger Faktor bei ETF ist die Frage, wie der jeweils zugrundeliegende Index abgebildet wird. Dies hat nicht nur steuerliche Gründe, sondern ist in vielen Fällen auch entscheidend für die Frage, wie genau der Index durch den ETF abgebildet wird.

Die 3 Replikationsarten sind:

Physische Replikation

Das ist die am einfachsten zu begreifende Art der Replikation. Will ein ETF beispielsweise den DAX abbilden, der bekanntlich aus den 30 größten Aktienunternehmen Deutschlands besteht, so kauft ein ETF mit physischer Replikation alle Aktien des Index tatsächlich auf. Der ETF erwirbt also physisch sämtliche Aktien und hält diese im Fondsvermögen.

Synthetische Replikation (SWAP-basiert)

Anders bei der synthetischen Replikation durch SWAPs. Hier geht der ETF-Anbieter ein Tauschgeschäft (Swap) mit einem Kontrahenten ein, oftmals durch Derivate, Anleihen oder andere Finanzprodukte. Der Kontrahent wiederum versichtert dem Fondsanbieter eine Rendite in Höhe der Rendite des abgebildeten Index. D.h. wenn der DAX in einem Jahr 4% Rendite macht, so garantiert der Kontrahent dem Fonds, dass er diesem ebenfalls eine Rendite von 4% ausbezahlt.

Bei dieser Form der Replikation besitzt der ETF die Einzelaktien des Index also nicht selbst. Synthetische ETF finden sich daher oft bei abgebildeten Indices wieder, die eine Vielzahl von Aktien und Unternehmen beinhalten. Beispielsweise den MSCI World oder den S&P 500. Ein ETF mit physischer Replikation müsste hierbei z.B. alle 500 Einzelaktien des S&P 500 aufkaufen, was einen enormen Kosten- und Arbeitsaufwand darstellen würde (z.B. 500 x Transaktionsgebühren). Die Kosten würden dann auf die Anleger umgeschlagen, was die Attraktivität des ETF mindern würde. Durch die SWAP-Konstruktion kann genau dies verhindert werden.

Sampling

Hier sucht der Fondsanbieter gezielt Aktien heraus, die seiner Ansicht nach die Performance des Index maßgeblich beeinflussen. Es werden dann nur genau diese Aktien physisch eingekauft. Im Gegensatz zur vollständig physischen Replikation werden hier also nur stichprobenartig Aktien des Index gekauft. Oft ist bei dieser Replikationsmethode das Problem, dass sich die Performance des ETF dann doch etwas von dem zugrundeliegenden Index selbst unterscheidet, weil eventuelle „Performance-Ausreißer“ gar nicht aufgekauft wurden. Die Abweichung zwischen der Performance des ETF und dem zugrundeliegenden Index bezeichnet man als Tracking-Error.

Tracking-Error

Den verschiedenen Replikationsarten ist es dann auch geschuldet, dass die Performance des ETF oftmals geringfügig vom abgebildeten Index abweicht. Was bedeutet das genau? Macht der DAX in einem Jahr beispielsweise 4% Rendite, so kann ein ETF auf den DAX beispielsweise bei 4,1% oder 3,9% liegen. Der Tracking-Error wäre in diesem Fall bei 0,1% zugunsten oder zulasten des Anlegers.

Den historischen Tracking-Error kannst du im Fonds-Prospekt oder auf einschlägigen Finanzseiten recherchieren. Ein geringer Tracking-Error ist daher stets begrüßenswert.

Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass SWAP-basierte ETF oftmals eine leicht höhere Rendite haben, als der zugrundeliegende Index, was den zugrundeliegenden Tauschgeschäften geschuldet ist. Andererseits haben SWAPs auch mehr Risiken als die anderen Replikationsmethoden. Beispielsweise wenn der Kontrahent des ETF in Zahlungsschwierigkeiten kommt.

Welche Replikationsmethode bei einem ETF ist die beste?

Leider gibt es „die beste“ Replikationsmethode nicht. Manche schwören auf SWAPs, manche auf die vollständige physische Replikation. Alle Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Bei SWAPs gibt es allerdings aktuell noch den Steuerstundungsvorteil, das heißt, dass die Abgeltungssteuer bei Sparplänen erst am Ende der Ansparzeit im Falle eines Verkaufs fällig wird.

Dies soll sich aber wohl leider durch ein neues Gesetz im Jahre 2018 ändern, sodass dieser Steuervorteil wegfällt. Ab 2018 werden dann auch SWAP-Erträge wie Ausschüttungen behandelt und jährlich besteuert. Je nach dem ob die Erträge den Sparerfreibetrag übersteigen, wird dann die Abgeltungssteuer jährlich fällig (in Form der Vorabpauschale) und nicht erst einmalig nach beispielsweise 40 Jahren sparen.

Und jetzt die Sache mit den Sparplänen?! Was ist das?

Ein Sparplan bedeutet eigentlich nichts anderes als einen Dauerauftrag an deine Bank bzw. deinen Broker, dass dieser monatlich oder vierteljährlich usw. Anteile an einem ausgesuchten ETF für dich kauft. Dies ist je nach Broker schon ab 25 Euro pro Monat möglich.

Du gibst deinem Online-Broker also den Auftrag, jeden Monat für 25 Euro Anteile an einem ausgesuchten ETF zu kaufen. Sind die Kurse zum Kaufzeitpunkt unten, bekommst du mehr Anteile, sind die Kurse schon sehr hoch, gibts entsprechend weniger. Du kannst auf diese Weise auch Bruchstücke eines ETF erwerben, also z.B. 1,23456 Stücke.

Positiver Effekt hierbei ist der sogenannte Cost-Average-Effekt (oder auch Durchschnittskosteneffekt). Du erwirbst deine Anteile zu einem Mittelkurs, der dich insgesamt wesentlich besser schlafen lässt. Irgendwann sind dir die Kursschwankungen sogar egal bzw. du freust dich im Extremfall sogar über eine Krise wenn die Kurse im Keller sind, weil du dann entsprechend mehr für dein Geld bekommst.

Langfristig hat noch kaum jemand im Aktienmarkt Geld verloren. Wenn du dann auch noch breit streust, indem du beispielsweise einen ETF auf den MSCI World kaufst, sollte dir im Grunde nichts groß passieren. Dass 1600 Großunternehmen weltweit gleichzeitig pleite gehen, nunja, wenn das passiert haben wir glaub ganz andere Probleme.

Wie muss ich konkret vorgehen?

Ganz einfach:

  • Depot bei einem günstigen Online-Broker eröffnen (oftmals kostenlos, Links siehe unten)
  • gewünschte ETF recherchieren, z.B. mittels ETF-Sucher
  • Sparplan einrichten mit der gewünschten monatlichen Summe
  • liegen lassen, liegen lassen, liegen lassen und beruhigt nachts schlafen

Welche Online-Depots sind empfehlenswert?

Nun, die wie immer im Leben gilt auch bei der Suche nach einem geeigneten Broker: Die eierlegende Wollmilchsau gibt es einfach nicht. Jeder Broker hat seine Stärken und Schwächen. Bedenkenlos empfehlen kann ich jedoch die folgenden 5, wobei die konkrete Wahl natürlich immer bei dir liegt:

Welche ETF habe ich?

Es macht keinen Sinn, dir die konkreten WKN meiner ETF zu nennen, da meine Bedürfnisse sich von den deinen unterscheiden können. Ich kann dir aber meine aktuellen Sparpläne verraten und in was ich monatlich investiere:

  • MSCI World (thesaurierend)
  • Emerging Markets (thesaurierend)
  • Dividendenindex Global (ausschüttend)

Die Anlage erfolgt stets über ETF. Ob diese Zusammensetzung so bleibt, wird die Zeit zeigen. Außerdem fahre ich auch gerne großes Risiko, also falls Jemand Absicherungsstrategien vermisst, dann ist das völlig beabsichtigt. Manche würden dieses Portfolio vielleicht als überdiversifiziert bezeichnen. Aber ich habe alle Fonds ziemlich lieb gewonnen und kann mich nicht von ihnen trennen 😉

Was sind eure Erfahrungen mit ETF bzw. in was investiert ihr?




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