Buchtipp: Die Kunst ein Egoist zu sein

Heute gibt es nach längerer Pause mal wieder eine Rezension eines von mir frisch gelesenen Buches. Konkret geht es um das Buch „Die Kunst ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt“ von Josef Kirschner. Wie der Titel bereits erahnen lässt, wirst du hier keine weichgespülte Wohlfühlliteratur im klassischen Sinne finden.

Im Gegenteil: Wenn du zu der Kategorie Mensch gehörst, der sich gerne von Anderen für deren Ziele einspannen lässt und das vor dir selbst stets mit „Selbstlosigkeit“ oder „Nächstenliebe“ gerechtfertigt hast, wirst du in dem Buch an der einen oder anderen Stelle bitter schlucken und dich vielleicht ertappt fühlen.

Hier bekommst du erklärt, wieso es im Leben nichts Wichtigeres gibt, als in erster Linie nach sich selbst zu schauen. Ohne falsche Kompromisse.

Ein selbstbestimmtes Leben führen, statt das Leben Anderer

Einordnen würde ich das vorliegende Buch im Bereich „Lebenshilfe“ bzw. „Ratgeber“-Literatur. Für das Thema Börse, Finanzen oder Wirtschaft lernst du hier nichts Neues. Dennoch würde ich behaupten, dass das Buch indirekt dir auch beim Thema Geldanlage eine Hilfe sein kann. Doch dazu später mehr.

Dieses Buch gesellt sich also eher zu der Literatur der Kategorie „Schildkröte Kurma“ oder die „Philosophie der Zwerge“. Wenn du jetzt nur Bahnhof verstehst, keine Sorge. Hier liste ich dir noch einmal übersichtlich alle bereits von mir verfassten Buch-Rezensionen, auch die zwei Genannten, auf. Durch einen Klick auf die Links gelangst du direkt zu den Buchbesprechungen:

Lebenshilfe / MindsetErfolg, Wirtschaft und Finanzen
Denke nach und werde reichRich Dad, Poor Dad
Die 7 Geheimnisse der SchildkröteCashflow Quadrant
The Big Five For LifeDer reichste Mann von Babylon
Zwerge versetzen BergeStartup-DNA
Lead The Field
Bisher rezensierte Bücher

Bereits in den ersten Kapiteln macht der Autor klar, wohin die Reise gehen wird. So heißen zum Beispiel die ersten zwei Kapitel

  • Das Leben führen, das wir führen möchten
  • Das Leben führen, das Anderen gefällt

Er unterstellt auch ähnlich wie ich in einem älteren Artikel, dass wir in gewisser Weise durch unser Umfeld manipuliert werden und dadurch direkt oder indirekt am Vorwärtskommen gehindert werden. Eben die gute alte Metapher vom Krabbenkorb.

Die Kunst ein Egoist zu sein geht genau auf diese Problematik ein.

Jeder Mensch ist Egoist

Der Autor vertritt in seinem Buch eine steile These: Jeder Mensch ist im Grunde seines Herzens ein Egoist. Jeder. Manche Menschen sind hierbei schwächer, manche stärker. Schwache Menschen werden gerne ausgenutzt. Die Ausnutzer wiederum tun dies ihrerseits wieder aus Egoismus. Wieso etwas selbst erarbeiten, wenn man das auch Andere tun lassen kann? Vielleicht kennst du auch solche Kollegen in deinem Umfeld.

Folge ist, dass besonders egoistische Menschen, die andere für sich in die Pflicht nehmen, gleichzeitig auch oft erfolgreiche Menschen sind. Umgekehrt sind Menschen, die sich immer nur ausnutzen lassen und sich selbst für Andere aufopfern in den seltensten Fällen erfolgreich. Im Gegenteil, oft sind diese Menschen dann depressiv verstimmt oder pessimistisch. Meist wenn ihnen tatsächlich klar wird, dass sie ausgenutzt werden.

Sich nicht ausnutzen lassen

Der Autor beschreibt die gesamte Interaktion zwischen Menschen als „Kampf„. Jeder muss sein eigenes Terrain gegen Andere verteidigen. Die meisten Menschen legen es darauf an, das Terrain des Anderen Stück für Stück für sich und die eigenen Lebensziele zu beanspruchen.

Beispiel:

Du hast einen Partner, dem Gartenarbeit extrem wichtig ist. Dich selbst interessiert der Garten Null komma Null. Zu Beginn der Beziehung habt ihr abgesprochen, dass der Garten in die Zuständigkeit des passionierten Partners fällt. Nun kann es sein, dass dein Partner dich darum bittet, den Rasen zu mähen oder du ihm/ihr beim Anpflanzen helfen sollst. Was tust du?

Josef Kirschner würde hier die Situation so darstellen: Dem einen Partner ist der Garten wichtig. Weil so ein Garten viel Arbeit macht und Zeit frisst, möchte er von Jemandem Hilfe (sein Egoismus). Der andere Part, dem der Garten überhaupt nicht wichtig ist, wird auf seinem Terrain „angegriffen“, da er in der Zeit lieber etwas Anderes / Produktiveres / für ihn Erfülllenderes machen würde, als im Garten zu schufften.

Verteidigt er sein Terrain, würde er absagen und eigenen Hobbies nachgehen und den Partner aber damit vor den Kopf stoßen. Hilft er aber im Garten, dann gibt er sein Terrain auf. Er hat diesen Kampf also verloren. Dies kann im Einzelfall unschädlich sein. Wenn es blöd läuft, wird aber der Partner auch zukünftig unterschwellig Hilfe im Garten erwarten. Schwierige Kiste.

Egoismus als Weg aus Beziehungsproblemen

Kirschner rät in dem Buch eindeutig dazu, sich ausschließlich nach seinem eigenen Wohlbefinden zu richten. Er macht dies am Beispiel eines ausgebrannten Familienvaters klar, der sich für seine Familie beruflich und privat aufopfert, bis es zum Burnout oder anderen gesundheitlichen Problemen kommt. Offenbar war dies auch beim Autor des Buches selbst der Fall. Zumindest schreibt er in einem Kapitel darüber.

Er hat dieses Problem so gelöst, dass er sich konsequent 1 Stunde am Tag einen Rückzugsort „freigekämpft“ hat. Hier meditiert er und kommt zur Ruhe. Weder Frau noch Kind(er) dürfen ihn hierbei in seinem Zimmer stören. Nach seiner Stunde ist er wieder voll und ganz für die Familie da. Anfangs stieß er damit auf starken Wiederstand (der „Egoismus“ der anderen Familienmitglieder) und Unverständnis. Inzwischen tragen sie es aber wohl mit.

Seiner Argumentation nach hilft so ein Verhalten sogar einer Beziehung, da überforderte und gestresste Menschen in der Regel auch schlechte Partner und Elternteile sind. Wenn man selbst aber gut funktioniert, profitieren davon automatisch auch Andere. Also quasi eine Win-Win-Situation. Wie in diesem Falle eben seine Familie: Er war dann weniger gestresst, humorvoller und selbstbewusster.

Die Philosophie der kleinen Schritte

Weiter bringt spricht der Autor in dem Buch gegen Ende von der „Philosophie der kleinen Schritte“. Im Prinzip geht es darum, was besser ist: Ein Ziel mit reiner Willensstärke erreichen zu wollen oder mit einer wie ersagt „geduldigen Beharrlichkeit„. Er plädiert hierbei für Letzteres. Plakativ nutzt er das Beispiel von Sex: Wer nur den Orgasmus des anderen Partners im Blick hat, verkrampft vielleicht, setzt sich unter Druck und liefert am Ende ein sprichwörtlich „weniger befriedigendes“ Ergebnis.

Wer aus dem Akt aber ein beidseitiges Spiel macht mit einer Entwicklung hin zu beidseitigem Nutzen, macht tendenziell eine bessere sexuelle Erfahrung.

Er bringt dann noch weitere Beispiele und Situationen, in denen es in seinen Augen besser ist, nach sich selbst zu schauen. Er nimmt hierbei stets kein Blatt vor den Mund, weshalb ihm in der heutigen Cancel-Culture vermutlich auch ordentlich Gegenwind entgegenblasen dürfte. Auch einige Bewertungen auf Amazon gehen in eine solche Richtung. Ein Menschenfeind sei er und so ein Menschenbild negativ und schädlich. Nun, ich glaube dass viele dieser Schreiber sich wohl ertappt gefühlt haben dürften.

Getroffene Hunde beißen nunmal.

Brückenschlag zum Thema Finanzen

Vor allem das Kapitel mit der geduldigen Beharrlichkeit passt dann doch wieder zum Thema Börse und Finanzen: Wer ausdauernd und beharrlich seinen ETF-Sparplan füttert, hierbei die Sparquote stetig erhöht und das Depot ansonsten in Ruhe lässt, erreicht früher oder später finanzielle Freiheit.

Wer es hingegen über Abkürzungen versucht (riskantes Trading mit Hebeln; zu viel Geld in P2P-Krediten, Kryptowährungen etc.), scheitert oft schmerzlich und erreicht unter dem Strich oftmals nicht viel. Die Welt ist leider voll von solchen Privatanlegern, die sich regelmäßig blutige Nasen holen nur weil die ausgewählte Einzelaktie eben doch kein Verhundertfacher geworden ist.

Schreibstil und Länge

Das Buch ist leicht verständlich und eignet sich dank seines überschaubaren Umfangs von 256 Seiten auch ideal für ein „Buch für Zwischendurch“ oder für den Urlaub. Auch hier ist es ähnlich wie bei den Büchern über die Zwerge oder die Schildkröte Kurma. Es ist leichte Kost. Und wer dafür zugänglich ist sogar verbunden mit einem gewissen Wohlfühlfaktor. Man wird tatsächlich motivierter und achtsamer und betrachtet sein eigenes Leben und Umfeld vielleicht sogar etwas kritischer.

Das handliche Taschenbuchformat erleichtert den Transport zudem, sodass es in jede Art von Reisegepäck hineinpasst. Eine digitale Kindle-Variante wird derzeit aber leider nicht angeboten. Sehr schade!

Fazit:

„Die Kunst ein Egoist zu sein“ eignet sich als kleiner Persönlichkeitsentwicklungs-Snack für Zwischendurch optimal. Tiefgreifende Weisheiten oder intellektuelle Verbiegungen finden sich hier zwar nicht, dennoch kann ich dem einen oder anderen Tipp durchaus etwas abgewinnen. Besonders die Beispiele des arbeitenden und aufopferungsvollen Familienvaters, der sein Territorium manchmal verteidigen muss, haben bei mir zugegebenermaßen einen Nerv getroffen.

Zudem macht man mit einem Preis von gerademal 10,99 Euro auch nicht viel kaputt, sollte einem das Buch dann doch nicht zusagen.

In anderer Hinsicht finde ich die Sichtweisen des Buches aber auch zu „hart“, einseitig und zu kalt. Zu einer Partnerschaft oder Familie gehört es nunmal auch zwingend, Dinge zu tun, auf die man aktuell auch mal keine Lust hat. Immerhin trägt man zum Beispiel mit Kindern auch Verantwortung für eben diese.

Auch lästige Alltagsdinge fernab der eigenen Passion wollen schließlich auch erledigt werden. Wer dem Credo des Buches strikt folgt, wäscht keine Wäsche, räumt nie auf, saugt keine Wohnung und arbeitet auch nicht im Garten. Ob so etwas langfristig funktioniert? In einer Partnerschaft oder Familie zumindest definitiv nicht.

Durch einen Klick auf das Bild, kannst du dir das Buch einmal näher anschauen:

Bewertung:      3,9 / 5

Taschenbuch: 256 Seiten

Verlag: Droemer Knaur; 24. Edition (1. November 1999)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426822946

ISBN-13: 978-3426822944

Hast du das Buch gelesen? Dann teile der Welt doch bitte dein Urteil in den Kommentaren mit.

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