Rente mit 40 – Sparen jetzt, leben später?!

Auseinandersetzung mit einer Dokumentation über finanzielle Freiheit und eine Rente mit 40

Erst kürzlich habe ich auf Arte eine Dokumentation über die Rente mit 40 angeschaut, die sich mit den Themen Finanzielle Unabhängigkeit, Minimalismus und Finanzielle Freiheit beschäftigt. Wie erwähnt, stand besonders die Rente mit 40 im Mittelpunkt. Da sich diese Themen auch stark mit meinen Themen und dem Inhalt dieser Webseite hier decken, wollte ich den heutigen Artikel dazu nutzen, dir die Dokumentation einmal vorzustellen, falls du sie noch nicht gesehen hast. Zudem werde ich dir beschreiben, was ich gelungen und weniger gelungen finde.

Hinweis: Selbstverständlich gibt es keinerlei Kooperation mit ARTE und ich bekomme auch keinerlei finanzielle Zuwendung für das Erwähnen des Berichts.

Dokumentation über finanzielle Freiheit

Die Dokumentation fand ich tatsächlich mal gelungen, da sie spezielle Aspekte des Themas ganz gut aufbereitet hat und eine moralische Bewertung der Kapitalanlage als solche, die leider so oft Teil der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung ist, weitestgehend vermieden hat. Hier sind die Sparer und Anleger nicht „die Bösen„, im Gegenteil, eine der Hauptpersonen ist sogar eine eher linksgerichtete und auf Nachhaltigkeit gepolte Frau.

Zu den ausgewählten Personenbeispielen werde ich nachher noch ein paar Worte verlieren.

Zwar gehen die Macher in der Dokumentaion nicht gerade in die fachliche Tiefe des Investierens, aber alleine die Erklärung von ETF als „börsengehandelte Indexfonds“ habe ich mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Viel zu oft habe ich leider schon in Veröffentlichungen öffentlich-rechtlicher Medien haarsträubende fachliche Fehler zur Kenntnis nehmen müssen. Besonders oft wenn es um den Kapitalismus geht und eben eine oben erwähnte (moralische) Bewertung erfolgt. Hier war zum Glück Alles im grünen Bereich.

Sparen für die Rente mit 40 – Zwei Paare

In der Dokumentation werden zwei verschiedene Pärchen vorgestellt, die sich dem Ziel der finanziellen Freiheit verschrieben haben. Das erste Pärchen in den 30ern kommt dabei direkt aus der Klischee-Kiste getropft:

Er: Informatiker und Freiberufler mit gutem Gehalt. Sie: Ebenfalls freiberufliche Beraterin. Zusammen ein Einkommen von knapp 100.000 Euro bei zwei Kindern, sie haben kein Auto und bewohnen eine 75qm-Mietwohnung im Raum Köln. Beide leben sehr minimalistisch bis frugalistisch und drehen nahezu jeden Euro um. Teilweise nimmt das Sparen ziemlich kleinliche, um nicht zu sagen geizige, Züge an. Er investiert das gemeinsame Geld an der Börse und vermehrt es auf diese Weise. Offenbar stehen Einzelaktien, ETFs und Kryptowährungen hierbei im Fokus. Details aus dem Depot werden nicht genannt.

Sie nörgelt hierbei herum und spielt die moralische Instanz in der Beziehung. So möchte sie z.B. nicht in böse Bergbau-Unternehmen oder Amazon investieren. Dass diese Firmen aber trotzdem in ihren ETFs drin sind, kommt in der Doku zum Glück ebenfalls zur Sprache.

Leider sind beide Teile dieser Partnerschaft – absichtlich oder zufällig – nicht gerade Sympathieträger. Sie wirkt engstirnig und moralisierend. Er ist ein Beta-Mann hoch zehn, der offenbar nur Geld im Kopf hat. Hier weiß man wer die Hosen bzw. den Rock an hat.

Privatiers in den 50ern

Das andere Paar verdiente ebenfalls gut und hat eine Menge Geld auf die Seite gebracht und gewinnbringend investiert. Sie hörte auf zu arbeiten und hat mit 54 Jahren nun ein Philosophie-Studium begonnen, wo sie gerade auf den Master hinarbeitet. Parallel beschäftigt sie sich mit allem worauf sie Lust hat. Der leere und entschleunigte Terminkalender erlaubt es.

Ihr Partner arbeitet immernoch weiter. Zusammen leben sie ein Leben in gemäßigtem Wohlstand und gönnen sich auch mal was. Kinder hat das Paar vermutlich nicht, zumindest ist davon nicht die Rede in der Dokumentation.

Auch bei diesem Paar spielt Geldanlage und Börse eine große Rolle. Mit Mieteinkünften und Ausschüttungen von ETF kann sie ihre aktuellen Lebenskosten decken. Dabei blieb sie erstaunlich bodenständig und predigt ebenfalls eher Bescheidenheit und das Glück im Kleinen. Ihre Glücksstrategien erlauben ihr tatsächlich ein entspanntes Dasein. Zumindest wenn man der Doku glaubt, was ich einfach mal tue.

Dieses Paar hat schon mehr Charisma und macht auch insgesamt auf mich zumindest einen sympathischeren und weniger finanziell angespannten Eindruck. Wie wichtig Entspannung ist, konnten wir ja schon von einer Schildkröte lernen.

Rente mit 40 – Realistisch?

Aber was ist nun das Fazit der Dokumentation und wie ist meine Meinung hierzu? Ist eine Rente mit 40 realistisch oder nur Träumerei? Nun, hierauf gibt die Dokumentation keine eindeutige Antwort. Auch weiß man natürlich nicht, ob und wie das Pärchen in den 30ern ihr Ziel erreichen wird. Und ob die Partner überhaupt noch zusammen sind bis dahin.

Vom Tenor her geht die Dokumentation aber eher davon aus, dass es nur unter gewissen Bedingungen mit so einer „Rente“ etwas werden kann.

Diese Bedingungen sind beispielsweise:

  • gutes Gehalt vor der Rente
  • sehr hohe Sparquote
  • Bescheidenheit und frugaler Lebensstil
  • keine Kinder
  • Erfolg an der Börse
  • Selbstkasteiung, während der Spaß am Leben auf der Strecke bleibt

Dies sind nur einige Faktoren, die ich meine, aus der Doku so herausdeuten zu können. Für „Jeden“ klappe das System Rente mit 40 definitiv nicht.

Meine Meinung / Fazit:

Ich gebe der Dokumentation dahingehend Recht: Es werden tatsächlich nur sehr Wenige schaffen, nur mit einer hohen Sparquote und einem frugalen Lebensstil dieses Ziel zu erreichen. Dies aber nicht weil es nicht grundsätzlich möglich ist, sondern weil den Meisten vermutlich die Kondition bis dahin abhandenkommt. Oder sich manche Bedingungen im Leben einfach ändern.

Wer Kinder hat und nur mit einer frugalistischen Lebensweise finanzielle Freiheit erreichen möchte, stößt schnell an Grenzen. Dies sind zum Beispiel Kita-Gebühren, Schulgeld oder Studiengebühren. Manche Kosten lassen sich nunmal einfach nicht wegsparen. Hierzu zähle ich auch die Krankenversicherung, die bei solchen Plänen leider oft viel zu wenig beachtet wird.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es tatsächlich möglich ist, finanzielle Freiheit zu erreichen. Nur wann ist die Frage. Bis 40 ist jedenfalls sehr sportlich, wie auch schon der Frugalist Oliver feststellen musste.

Ich für mich verfolge das Ziel jedenfalls beharrlich weiter, ohne das Leben im Hier und Jetzt zu vernachlässigen.

Wenn du dir nun selbst die Dokumenation anschauen möchtest, hier findest du sie:

Wie findest du die Doku? Wurden Aspekte vergessen bzw. nicht beachtet?

3 Kommentare

  1. Ich sehe die Frugalistenbewegung durchaus kritisch – gerade, weil es den wenigsten gelingen wird, den Lebensstil ein Leben lang durchzuhalten. Dazu kommt, dass selbst ohne Kinder in die Welt zu setzen das fortschreitende Alter eine zwingende „Lifestyle-Inflation“ mit sich bringt, weil niemand mit dem Alter gesünder wird, auch der fitteste Mensch auf Erden nicht (im Gegenteil sind besonders sportliche Menschen im Regelfall die, bei denen Teile des Körpers am frühesten „kaputt“ sind). Praktisch alle Frugalistenblogs, die ich bisher konsumiert habe (und das sind durchaus einige) ignorieren diesen Faktor ebenso wie die allgemeine Inflation, oder spielen es zumindest herunter.
    Ich selbst lebe ausdrücklich NICHT frugal oder auch nur minimalistisch. In manchen Punkten lebe ich sparsam, in anderen ganz gewollt (z.B. Miete und Essen) nicht. Obendrein zahle ich für zwei eigene Kinder Alimente, und das alles in der als sündhaft teuer wahrgenommenen Schweiz. Je nach Berechnungsweise erreiche ich aber trotzdem 65 – 70 % Sparquote im Quartal (ich glätte das auf diese Weise, weil Einzelmonate durch jährliche Einmalausgaben verzerrt werden). Das aber eben NICHT wegen besonders extrem sparsamer Lebensweise (ich lebe JETZT und möchte meinen Kindern auch etwas gönnen, wenn sie bei mir sind), sondern weil ich selbst für Schweizer Verhältnisse zu den Topverdienern in einem ganz normalen Angestelltenverhältnis gehöre. Klar, diese Stellung habe ich mir selbst aufgebaut (von jemandem, der zeitweise weniger als Hartz4 zur Verfügung hatte), und darauf darf man durchaus stolz sein. Extremistisch wie so manche Vorzeige-Frugalisten muss man das aber ganz sicher nicht tun.

  2. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Leben bzw der Ehe des Kölner Ehepaares und einem Gulag, nun ja, auch ein Gulag hat sicher mal lustige Zeiten.
    Auch so eine Einsiedelei in der zentralmongolischen Steppe hat seine Vorzüge!
    Massloser Geiz macht krank, und so wie das aussieht, wird demnach wohl keiner seine Rente erleben……..

  3. Ich habe mir diese Dokumentation auf ARTE auch angesehen und finde sie recht gut gemacht.
    Zwischendrin wird auch einmal erwähnt dass dieses „ältere“ Paar zumindest ein Kind in einem Internat hat/hatte.
    Und beide Paare zeigen was möglich ist wenn man sich zusammenreisst, nicht total der Lifestyle-Inflation erliegt und stetig investiert.

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