Sind Lebensversicherungen Unsinn?

Dass die Lebensversicherungen in der heutigen Niedrigzinsphase kaum noch sinnvoll sind, spricht sich so langsam aber sicher herum. Dennoch ist es bis dato die in Deutschland noch immer am weitesten verbeitete Art der Altersvorsorge. Auch bei keinen, teilweise sogar negativen Renditen gibt es in Deutschland bei 82 Millionen Einwohnern knapp 82 Millionen Lebensversicherungsverträge (Stand: 2020).

Zwar ist der Trend abnehmend (2004 waren es noch 94,9 Millionen Verträge), aber trotzdem hat rechnerisch jeder Bewohner Deutschlands eine Lebensversicherung. Beängstigend! (Quelle zu den Zahlen).

Lebensversicherungen sind legaler Betrug

Diese zwei schon etwas älteren Videos zeigen deutlich die Misere anhand von Einzelfallbeispielen auf.

Inzwischen dürfte sich die Situation durch die anhaltenden Niedrigzinsen und die galoppierende Inflation 2020/2021 noch weiter verschärft haben:

Videos über Lebensversicherungen als legaler Betrug

Vermögensaufbau oder Versicherung?

Es besteht also noch immer sehr viel Bedarf an finanzieller Bildung. Gerade in Zeiten von Niedrigzinsen und wo die Versicherungsunternehmen sukzessive die damals so begehrten Garantien abschaffen, ist die Beschäftigung mit Alternativen absolut essentiell.

Hierzu solltest du dich tatsächlich erst einmal selbst um deine finanzielle Zukunft kümmern. Wenn du absolut unwillens oder unfähig hierzu bist, dann könnte ein unabhängiger Honorarberater für dich das Richtige sein. Das unabhängig gilt es hier aber ganz besonders zu unterstreichen. Immerhin zahlst du in eine Altersvorsorgelösung auch ein Leben lang ein. Ansonsten bekommst du dasjenige Produkt, welches deinem Berater oder der Bank die höchste Provision einbringt.

Du selbst bleibst dann natürlich auf der Strecke.

Zudem empfehle ich ganz grundsätzlich den Vermögensaufbau und die Todesfallabsicherung in der Regel zu trennen. Den Todesfall kannst du auch mit einer wesentlich günstigeren Risiko-Lebensversicherung abdecken und zum Beispiel parallel einen ETF-Sparplan für die Altersvorsorge bestücken. Oder als ETF-Rürup oder private Rentenversicherung der dritten Schicht.

Eigentlich ist alles besser als die Lösung „Klassische Lebensversicherung“.

Klassische Lebensversicherungen nicht empfehlenswert

In dem Video wird ausserdem auf die Klassische Lebensversicherung abgezogen. Diese lohnt sich tatsächlich nicht mehr, da der garantierte gesetzliche Deckungszins gerade einmal 0,9 Prozent (2018) beträgt. Wenn man eine Inflation von 2,0 % unterstellt, verlierst du also Kaufkraft und dein Vermögen schrumpft anstatt zu wachsen.

Außerdem muss ganz klar festgestellt werden, dass es kaum etwas Individuelleres gibt, als die jeweilige Lebensversicherung. Es sind daher vermutlich mitnichten alle Lebensversicherungen Unsinn. Aber viele mit Sicherheit. In diesem Artikel kannst du bei Interesse nachlesen, wieso ich meine Lebensversicherung verkauft habe und gegen was ich sie ersetzt habe.

Private Rentenversicherung als Ersatz

Mittlerweile gibt es tatsächlich auch gute Rentenversicherungen mit einem renditestarken Investmentkern aus Aktien, die teilweise sogar noch von umfassenden Förderungen profitieren können. Schließlich ist nicht für jeden Menschen ein „normales“ Wertpapier-Depot eine sinnvolle Maßnahme zur Altersabsicherung. Zu groß kann die VErlockung sein, frühzeitig an das Geld heranzugehen.

Gerade Themen wie Gläubiger- und Pfändungsschutz, sowie Berufsunfähigkeitsabsicherungen lassen sich eben nicht mit einem normalen Depot ohne Versicherungsmantel abbilden.

Hier kommt es dann also doch auf umfassende und qualitativ hochwertige Beratung an. Immerhin sollte der finanzielle Lebensabend nicht vom Zufall abhängen. Als Einsteiger begehst du jedenfalls keinen Fehler, zunächst mal mit einem simplen ETF-Sparplan in Kombination mit viel Disziplin zu starten. Disziplin hinsichtlich der Sparrate und Disziplin, nicht vorzeitig das Depot zu plündern.

Falls es doch eine Versicherungslösung sein soll, dann bitte ohne teuren Todesfallschutz. Diesen gibt es mit einer Risiko-LV günstiger und unabhängig von der Altersvorsorge.

Übrigens: In diesem Anfängerguide erfährst du alles Wichtige für den erfolgreichen Start zum Vermögensaufbau.

Was also tun?

Auf keinen Fall solltest du deine Lebensversicherung blind kündigen. Vor allem nicht wenn diese älter als 12 Jahre ist und vielleicht noch Garantiezinsen abwirft. Hier würdest du der Versicherungskonzern mit der Kündigung einen Gefallen tun.

Ich würde dir empfehlen:

  • Gehe zu einem Fachmann und lass dir deine Versicherung erklären und die Rendite detailliert berechnen
  • Bist du zufrieden: Führe die Versicherung weiter (ergänze sie vielleicht trotzdem noch durch einen ETF-Sparplan!)
  • Bist du unzufrieden und die Versicherung ist älter als 12 Jahre: Prüfe einen Verkauf, eine Beitragsfreistellung (keine weiteren Einzahlungen mehr) oder die Kündigung. Diese wäre nach 12 Jahren steuerfrei.
  • Bist du unzufrieden und die Versicherung ist jünger als 12 Jahre: Stelle sie vielleicht beitragsfrei und schwenke auf eine renditestärkere Alternative um. Oder du beißt in den sauren Apfel, kündigst die Versicherung, zahlst deine Steuern und schichtest das Geld 1:1 in einen ETF-Sparplan oder eine private Rentenversicherung um. Am Anfang machst du dadurch zwar Verlust, allerdings dürfte der ETF-Sparplan den Verlust recht flott wieder reinholen. Durch seine geringen laufenden Kosten sparst du dann am langen Ende doppelt.

Wie auch immer du dich entscheidest: Wichtig ist, sich überhaupt mit dem Thema mal zu beschäftigen und nicht blind einem Bank- oder Versicherungsberater (ähm oder Verkäufer?) zu vertrauen.

Siehe hierzu noch mein Beitrag zu Provisionszahlungen, die dann dem Kunden fehlen.

Dieser Artikel erschien erstmalig am 11.07.2016.

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