Passives Einkommen: Auf der Rolltreppe durchs Leben?!

Wenn ich an das Thema Passives Einkommen und finanzielle Freiheit denke oder anderen Menschen das Konzept dahinter erklären möchte, hilft mir die Metapher einer Rolltreppe. Vor kurzem war ich im Rahmen einer Urlaubsreise am Flughafen Frankfurt, dort kam mir die Idee dazu. Auf dem Weg zu den Abflug-Gates gibt es ebenerdige Rolltreppen (oder Laufbänder, weil keine Treppen?! Hm.), sicherlich hast auch du schon eine solche genutzt oder bist nebenher gelaufen.

Nun gibt es in einem solchen Flughafen verschiedene denkbare Szenarien im Umgang mit diesen Rolltreppen und dazu passend eine Analogie aus dem Bereich der persönlichen Finanzen:

Szenario 1: Du gehst zu Fuß und vermeidest die Rolltreppe

Was passiert wenn du die Rolltreppe nicht benutzt? Als ehrenhafter, auf seine Gesundheit bedachter Mensch, benutzt du erstmal grundsätzlich solche „Gehhilfen“ nicht. Immerhin bist du noch jung und frisch, sagst du dir, und schon deine Mama hat dir gepredigt, nicht faul zu sein und etwas im Leben zu leisten.

Du arbeitest dich also mit deiner eigenen Körperkraft voran. Jeder Schritt kostet dich Energie und bringt dich eben genau einen Schritt weiter. Du gehst also Schritt für Schritt selbstständig durchs Leben, kannst selbst die Geschwindigkeit bestimmen und kommst am Ende genau so weit, so viele Schritte du eben gemacht hast. Möchtest du langsamer gehen, dann verringerst du deine Geschwindigkeit oder du fängst halt an zu rennen. Oder du bleibst einfach stehen.

Im Idealfall ist dies der normale Weg eines normalen Angehörigen der Mittelschicht innerhalb des Hamsterrades. Dies sowohl in Bezug auf seine Finanzen oder auch seinen gesamten Karriere- oder Lebensweg. Er macht Schritt für Schritt in die gewünschte Richtung und kommt dort vielleicht irgendwann an. Oder auch nicht. Er hat ein normales Gehalt (er läuft) oder ein hohes Gehalt (er rennt). Am Ende kommt er dann irgendwann am Abflug-Gate (Ruhestand/Rente) an.

Szenario 2: Du benutzt die Rolltreppe

a) Stehend:

Du betrittst also die Rolltreppe und bleibst darauf stehen. Was ist die Folge? Du wirst automatisch in deine gewünschte Richtung getragen und das völlig ohne eigene Mühen und Anstrengungen. Also du kommst automatisch weiter. Was ist aber der Unterschied zu Szenario 1? Es dauert wesentlich länger von A nach B zu kommen. Du musst zwar keine körperlichen Ressourcen aufwenden, aber auf jeden Fall benötigst du mehr Zeit. Gleichzeitig wirst du auf dem Laufband womöglich von anderen Fußgängern links überholt.

Für mich ist die Rolltreppe sinnbildlich für ein passives Einkommen, egal aus welcher Quelle. Beispielhaft nehme ich hier wieder die Dividenden eines Wertpapierinvestments. Was haben die Dividenden nun mit der Rolltreppe gemein?

Sie beschleunigen dich auf deinem Lebensweg, egal wohin dich dieser führen mag. Egal ob dein „Gate“ die Rente oder die persönliche Freiheit ist. Dividenden geben dir (zumindest finanziellen) Rückenwind, sogar wenn dein sonstiges Leben/Finanzen/Karriere in Stillstand geraten ist. Dank der Rolltreppe geht es immer wieder weiter, wenn auch langsam. Stehst du auf der Rolltreppe, dann lässt du dich also von deinem passiven Einkommen bequem ans Ziel tragen.

Im Vergleich zum Fußgänger aus Szenario 1 (sinnbildlich für einen normalen Arbeitnehmer), bringt dich das passive Einkommen in diesem Szenario wesentlich langsamer voran. Aber es geht automatisiert und bringt dich in jedem Fall weiter. Zudem hast du stehend mehr Zeit, die Umgebung zu genießen und auch mal die Flugzeuge auf dem Rollfeld durch die Glasscheibe zu beobachten, Stichwort Achtsamkeit*. Du bist entspannter und mehr auf den Augenblick fokussiert.




Ein passives Einkommen hat im Gegensatz zur Rolltreppe folgenden gravierenden Vorteil: In gewisser Weise kannst du in Bezug auf Wertpapier-Investments die Geschwindigkeit deiner eigenen Rolltreppe beeinflussen und stetig erhöhen. Wenn du richtig Gas gibst im Leben/deiner Karriere/deiner Sparquote, ist die Rolltreppe dann womöglich genauso schnell oder sogar schneller als das eigene Fortbewegen zu Fuß. Du bist also auf der Rolltreppe stehend schneller, als du es neben der Rolltreppe laufend wärst.

b) In Laufrichtung gehend:

Besonders schnell bist du aber, wenn du die Rolltreppe in Laufrichtung benutzt und dabei auch noch selbst weiterläufst oder sogar rennst. Hierbei lässt du dann sämtliche andere Menschen, die auf der Rolltreppe stehen (Szenario 2, Punkt a) und sämtliche Fußgänger neben der Rolltreppe (Szenario 1) weit hinter dir.

Das ist dann der Fall wenn du dein Passives Einkommen mit einem aktiven Einkommen aus deinem Beruf oder idealerweise deines Hobbies/deiner Leidenschaft kombinierst: Beispielsweise wenn du ein Arbeitnehmer bist, der sich zusätzlich als zweite Säule ein starkes passives Einkommen* (Dividenden/Mieteinnahmen) aufgebaut hat.

Du machst am Ende vielleicht die gleiche Anzahl an Schritten wie der Fußgänger in Szenario 1, kommst am Ende aber sehr viel schneller sehr viel weiter, weil die Rolltreppe dir zusätzlichen Rückenwind gibt. Völlig automatisch. Das passive Einkommen verschafft dir dabei auch mehr Zeit, die du sonst im Leben mit dem Laufen verbringen würdest. Es beschert dir persönliche Freiheit, zumindest wenn du am Ziel angekommen bist. Freilich: Mit Flugzeuge bestaunen und innerer Ruhe ist da dann leider nicht mehr viel.

Durch die abgeleistete Anzahl von Schritten ist deine körperliche Anstrengung identisch mit dem ersten Szenario (völlig anstrengungsfrei geht es nur stehend auf der Rolltreppe, passiv), jedoch hast du mit dem gleichen Aufwand eine wesentlich weitere Strecke zurückgelegt –> Effizienz.

Szenario 3: Du benutzt die Rolltreppe entgegen ihrer Laufrichtung

„So ein Quatsch, wer sollte sowas machen?“, fragst du dich vielleicht. Doch machen genau das leider sehr viele Menschen, vielleicht auch du selbst. Dieses Sinnbild trifft zum Beispiel zu, wenn du dich als Privatperson stark verschuldest (Konsumschulden) oder sonst wie Verbindlichkeiten in deinem Leben anhäufst. Was ist die Folge? Du machst Schritte vorwärts, wirst aber bei jedem Schritt gebremst bzw. sogar wieder ein Stück zurückgeworfen.

Verharrst du im Stillstand, wirst du sogar voll automatisch rückwärts bewegt. Grund hierfür können zum Beispiel hohe Kreditzinsen, zu großer Konsum, hohe Unterhalts- oder Instandhaltungskosten oder ein teurer Dispo-Kredit sein. Oder eine Hypothek auf deine selbst genutzte Immobilie, die wie ein Amboss um deinen Hals hängt und dich so negativ durch dein Leben begleitet.

Zwar kannst du auch auf diesem Wege grundsätzlich dein Abflug-Gate erreichen, du  musst aber für die gleiche Strecke wie die anderen Szenarien wesentlich mehr Mühe, Zeit und Kraft aufwenden. Und du musst gesund bleiben und darfst nicht krank werden, weil auch dann deine Rolltreppe weiterläuft. Verlangsamst du deine Schrittfolge oder machst du deine Schritte kleiner, schon wirst du zurückgeworfen. Ebenfalls völlig automatisch.

Bei stark überschuldeten Menschen besteht die Tragik sogar darin, dass sie trotz schneller Schritte nicht gegen die (zu schnelle) Rolltreppe ankommen. Du kennst das vielleicht noch aus deinen Kindheitstagen, wenn du aus Spaß gegen Rolltreppen gerannt bist. Für diese Menschen ist dies schon längst kein Spaß mehr. Sie müssten schon regelrecht rennen, was aber sehr stark an die Kondition geht und sie das daher nur sehr kurzfristig durchhalten könnten. Dabei gefährden sie dann auch noch ihre Gesundheit. Fangen sie dann wieder normal zu laufen an, werden sie automatisch wieder zurückgeworfen, die Mühe war im schlimmsten Fall umsonst.

So sehr ich mir wünschen würde, dass du und die meisten Menschen mindestens das Szenario 1 leben, so bin ich doch der Überzeugung, dass es oftmals (auch unbewusst) eine Mischung aus 1 und 3 ist.



Das Abflug-Gate erreichen

Egal wie du dein eigenes Abflug-Gate erreichst, ich hoffe, dass du es auf smarte Art und Weise tust. Letzten Endes kommt es darauf an, dass du es überhaupt erreichst und mit deinem persönlichen Flugzeug in die Freiheit abhebst. Ob das „Gate“ nun für dich deine Rente, ein Porsche oder persönliche und finanzielle Freiheit bedeutet, ist individuell verschieden.

Für mich persönlich kommen langfristig nur die Szenarien 2 a) und b) in Frage. Selbst wenn ich meine Rolltreppe derartig getunt hätte, dass ich auch stillstehen könnte, so würde ich vermutlich trotzdem weiterlaufen. Manchmal gemächlich schlendernd, manchmal rennend, aber immer nur in die Richtung und an das Ziel, welches ich mir selbst zu erreichen gesetzt habe. Und das ist dann in jedem Fall in erster Linie eines: Persönliche Freiheit.

5 Kommentare

  1. Ein wunderbareres Bild.
    Mich haben schon immer diese Laufbänder an den Flughäfen sehr gewundert und ich habe mir aus Gründen der eigenen Gesundheit schon vor längerer Zeit vorgenommen immer die Treppe zu nehmen oder zu laufen, wenn ich die Wahl zwischen einer Treppe und einer Rolltreppe habe. Die Bequemlichkeit sich nicht anstrengen zu wollen kann langfristig extreme Auswirkungen auf die eigene Gesundheit haben.

    Finanziell gesprochen ist es für die meisten Menschen schwierig die Laufbänder für sich zu nutzen und dann auch noch zu rennen und sich anzustrengen, weil die meisten Menschen genau das nicht tun.

    Schöne Grüße
    Dominik

  2. Hätte nicht gedacht, dass man mit Fließbändern so einen guten Vergleich anstellen kann. Gut gemacht! Mein Leben ist aktuell eine Mischung aus selbst laufen und ab und zu mal treiben lassen. Der Turbo fehlt bisher – immerhin laufe ich nie in die falsche Richtung. 🙂

    1. Ich glaube damit bist du nicht alleine. Vermutlich geht es vielen Menschen so. Mich möchte ich da auch nicht außen vor lassen. Für mich das Lehrreichste war schlicht und einfach in diesem Zusammenhang der Unterschied zwischen Verbindlichkeiten und Investitionen und der Erkenntnis, dass ersteres in viel zu großem Umfang angehäuft wird, Stichwort Konsum. Wer das erkannt und wirklich verstanden hat, beschleunigt seine eigene Rolltreppe schon ganz automatisch 😉

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