Sind Rüstungsaktien moralisch verwerflich? 5 Meinungen zum Thema

Wie verhält es sich mit Rüstungsaktien? Ist es moralisch, in diese zu investieren? Warum könnte es überhaupt nicht moralisch sein? Zu dieser Frage wurden 5 Finanzblogger befragt. Meine Wenigkeit stand ebenfalls Frage und Antwort:

Hier geht's zum Interview: 5 Finanzexperten gefragt: "Ist der Kauf von Rüstungsaktien moralisch vertretbar?"

Wenn du meinen Blog schon länger kennst, dann dürfte dich meine Einschätzung hierzu eher weniger überraschen. Grundsätzlich habe ich nämlich gar kein Problem mit solchen Aktien. Meine Meinung hierzu habe ich damals schon in meinem Artikel über Aktien und Moral aufgeführt, hier aber ohne den konkreten Bezug auf Rüstung. Meine genauere Begründung wie gesagt gerne im Interview.

Neben mir kamen aber auch andere Finanzblogger zur Sprache. Auf deren Aussagen möchte ich nachfolgend kurz eingehen und meine Meinung dazu sagen.

Angela Mygind (MissFinance.ch)

Angela lehnt ein Investment in Rüstungsaktien grundsätzlich ab. Andere „problematische“ Investments seien für sie noch halbwegs in Ordnung, bei Rüstung und Waffen sieht sie aber Rot. in Ihrer Begründung verweist sie auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Investments in „McDonalds“ oder „Tabakkonzerne“ seien unproblematischer, weil die Menschen hier die „Wahl“ hätten. Sie wolle einfach nicht an den Profiten von Firmen teilhaben, die solche Geschäftsmodelle haben.

Meine Meinung dazu:

Respektiere ich. Klar, es steht Jedem frei, in das Unternehmen seiner Wünsche und Vorlieben zu investieren. Fraglich ist, ob man durch Nicht-Investieren diese Unternehmen tatsächlich „bestraft“. Dem ist nämlich ganz und gar nicht so! Aktien kauft man auf dem Zweitmarkt von anderen Anlegern. Der Besitz entscheidet nur darüber, wer die Dividende und Kurszuwächse erhält. Den Firmen ist es egal, wer die Dividende erhält. Ich plädiere eher dazu: Gerade wenn man Probleme mit solchen Unternehmen hat, sollte man sich (stimmberechtigte) Anteile kaufen und aktiv auf das Geschäft Einfluss nehmen. Die Profite kann man dann gerne mitnehmen und im Sinne des eigenen Lebens „umlenken“ (Spenden etc.).

Lars Hattwig (larshattwig.com)

Lars hat eine komplett andere Meinung wie Angela: Lars ist der Ansicht, dass es (leider) militärische Abschreckung als Zeichen der eigenen Stärke braucht, um letzten Endes tatsächlich auch den Frieden zu gewährleisten. Ein gut ausgerüsteter Gegner schreckt eher ab und man unternimmt vielleicht gar nicht erst einen Angriff. Folgerichtig hat Lars keine Probleme mit Investments in Rüstungsaktien.

Meine Meinung dazu:

Ich teile diese Ansicht. Waffen und Rüstung sind nunmal ein „notwendiges Übel„, solange es Menschen und Machthaber auf Egotrips gibt. Da es diese durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch immer gab und wohl auch geben wird, wird es vermutlich auch immer ein Bedürfnis und Notwendigkeit von Waffen zur Abschreckung geben. Die oft medial transportierte Unterscheidung in Verteidigungs- und Angriffswaffen finde ich übrigens ziemlich kurios, wenn man es mal durchdenkt. Waffen sind Waffen.

Luis Pazos (Nur Bares ist Wahres)

Luis stößt in ein ähnliches Horn: Er bringt hier ebenfalls die Problematik Erst- und Zweitmarkt zur Diskussion, indem er Aktien im Prinzip mit bereits gedruckten Büchern vergleicht. Die Bäume sind tot, die Bücher gedruckt. Wer das Buch letztendlich dann besitzt, ändert nichts an diesem Umstand. Wenn überhaupt ist es somit moralisch nur dann verwerflich, wenn du direkt beim IPO in ein Unternehmen investierst und ihm dadurch „Startkapital“ zur Verfügung stellst. Beim Handel an der Börse ist dies aber schon längst geschehen. Auch sei sowieso aufgrund anonymer Prozesse nicht ohne weiteres ersichtlich, wer hinter den gekauften Aktien steckt.

Meine Meinung dazu:

Er bringt es auf den Punkt und nutzt hierbei wunderbare Bildsprache. Ein anonymisierter Handel am Zweitmarkt lässt sich nicht „moralisch“ messen. Das Unternehmen hat rein gar nichts davon. Luis teilt hierbei auch etwas gegen die Pazifisten aus, die es die Tage tatsächlich nicht sonderlich leicht haben dürften. Schadenfreude meinerseits? Vielleicht ein bisschen 😉

Petra Wolff (Petras Finanzexperimente)

Last but not least: Petra teilt Angelas Meinung. Petra hat auch angeführt, dass der Handel auf dem Zweitmarkt stattfindet und das Unternehmen nicht direkt von den Aktien etwas hat. Dennoch möchte sie nicht an dem „Geschäftsmodell“ eines Unternehmens verdienen, deren Tätigkeit dazu führt, dass „unbeteiligte Menschen“ zu Schaden kommen. Rüstung habe keinen anderen Zweck, als Schaden zuzufügen. Auch unterscheidet sie nicht zwischen Angriffs- und Verteidigungswaffen. Zitat: „Eine Verteidigung ist schließlich nur nötig, wenn es Aggression gibt„. Rüstung und Waffen seien somit in ihrer Welt obsolet und abzulehnen.

Meine Meinung dazu:

Au weia. Also hier wird in meinen Augen ziemlich naiv und weltfremd über Frieden und den zu erreichenden Paradieszustand einer gewaltfreien Gesellschaft fabuliert. Selbst wenn es auf dieser Welt keine Waffen mehr gäbe, würden wir eben zur Metallstange greifen, um gegensätzliche Positionen zur Not durchzusetzen. So tickt leider der Mensch im unentwickelten Zustand (und die Natur im Übrigen auch). Mich würde nur interessieren, was in Petras Welt in folgendem Fall passieren würde:

Es kommt zum häuslichen Streit und ein Mann geht auf seine Frau mit einem Küchenmesser los. Die eingesetzte Polizei zieht sich zum Eigenschutz zurück, da sie ja selbst keine Waffen hat. Auch ein Schlagstock, Reizgas oder Taser ist „Waffe“ (bzw. Hilfsmittel der körperlichen Gewalt). Die Polizisten warten also ab, wie sich die Sache entwickelt, der Mann sich beruhigt hat und nehmen dann die Anzeige auf.

Wie geht es für die arme Frau aus? Hm. Wohl nicht gut. Sie bezahlt im schlimmsten Fall mit ihrem Leben. Aber hey: Hätte der Mann das Messer nicht genommen, wäre ja auch nichts passiert. Aggression die es nicht geben darf und so.

Fazit:

"Wer sich zum Schaf macht, wird leichte Beute für die Wölfe"

5 Menschen, 5 Meinungen. Für mich war es ein interessantes Interview. Ich frage mich dabei aber, ob es vielleicht eine Frage des Geschlechts ist, wie man zu Waffen steht. Auffällig ist, dass 3 Männer Waffen als notwendiges Übel akzeptieren, 2 Frauen sie aber vehement als Investments ablehnen. Da kann man nur froh sein, dass Annalena Baerbock die Kurve nochmal gekriegt hat und Realpolitik walten lässt und sich nicht im Taca-Tuca-Land verliert und die EU, Deutschland und den Westen sich zum „Schaf“ macht. Stichwort: Wehrhafte Demokratie – oder keine Demokratie.

Es ist vollkommen in Ordnung, auf Waffenunternehmen zu verzichten und Rüstungsaktien die kalte Schulter zu zeigen. Nur sollte das niemals in naiven Pazifismus umschlagen, da sich andernfalls autoritäre Diktaturen die Hände reiben.

Wie stehst du zu Rüstungsaktien und Waffenherstellern? Zählst du auch Airbus, Boeing, Rheinmetall dazu? Wie hältst du es mit der Moral?

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