Short-ETF gegen die Krise?

Ich habe vor wenigen Tagen mein Depot um zwei Short-ETF ergänzt. Darüber möchte ich heute kurz schreiben. Wichtiger als sonst ist aber gerade für den heutigen Artikel, dass du diesen bitte nicht als Anlageempfehlung oder gar -beratung auffasst! Es ist meine Entscheidung und ich kann damit natürlich auch ziemlich daneben liegen.

Ich möchte dir mit dem Artikel heute auch keine Angst machen. Grundsätzlich bin und bleibe ich langfristig noch immer positiv gestimmt für den Aktienmarkt. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Wieso ich dennoch diese ETF gekauft habe, darum soll es nun nachfolgend gehen.

Absicherung gegen die Krise

Wir erleben gerade in meinen Augen eine Zäsur an den Finanzmärkten (steigende Zinsen), zusammen mit einer neuen Block-Bildung in der internationalen Politik. Nahezu alle Indices haben inzwischen in den Bärenmarkt gewechselt, die Depotwerte schrumpfen. In meinen Augen besteht also durchaus Handlungsbedarf.

Jedoch nicht im Sinne „Jetzt alles verkaufen, später günstiger alles wieder zu besseren Preisen zurückkaufen“. Was gut und logisch klingt, scheitert oftmals an der Realität. Der Markt lässt sich schwer bis nie timen. Plötzlich kommt die krasse Gegenreaktion, die du dann leider verpasst.

Als überzeugter Buy-and-hold-and-check-Investor habe ich in den letzten Wochen keine meiner Positionen verkauft! Die Sparpläne laufen wie gehabt weiter. Mein Depot sammelt durch Ausschüttungen und Dividenden weiterhin fleißig Cash an. Das wird strategisch reinvestiert für den Zinseszinseffekt. Mein Core-Satellite-Ansatz passt soweit.

In letzter Zeit habe ich nur dahingehend gehandelt, dass ich neue Positionen zugekauft habe. Das sind

Um letztere Short-ETF soll es nun heute gehen. Weitere Änderungen gab es nicht.

Was heißt überhaupt „Short“ gehen?

Der Begriff „Short“ besagt in erster Linie, dass du davon ausgehst, dass Märkte, Basiswerte oder Indices sinken werden. Wenn du dich Short positionierst und die Werte tatsächlich fallen, verdienst du Geld. Steigen die Märkte und Werte, dann verlierst du. Teilweise lassen sich die Positionen auch noch auf Kredit hebeln (sog. leveraged ETF).

Im Prinzip ist es also wie eine Art Wette, die du eingehst. In diesem Fall gehst du von schlechten Zeiten aus und möchtest dich positionieren. Werden die Zeiten schlecht, profitierst du.

Wie du vielleicht als regelmäßiger Leser weißt, hat mein Depot auch einige „Defensivspieler“, die gegen Inflation, Rezession und Krisen helfen sollen:

  • Mit Kryptowerten (Bitcoin) diversifiziere ich über eine weitere Asset-Klasse (Artikel: hier und hier)
  • Gold und Silber sollen zur Stabilität beitragen (Artikel: hier, hier und hier)
  • Auch CFD habe ich partiell genutzt, um zu „shorten“ (Artikel hier und hier)

Wie haben sich die „Absicherungen“ bewährt?

Nunja, die Kryptowerte haben eine leider nun doch recht offensichtliche Korrelation mit den Aktienmärkten, insbesondere den spekulativen Tech-Werten aus dem Nasdaq 100. Sie schmieren ab und reißen mein Depot aktuell weiter in den Abgrund. Als Absicherung gegen „die Krise“ oder den „Tod des Eurotaugen sie somit zumindest aktuell nicht. Egal was Crash-Propheten überall von den Dächern singen. Dennoch halte ich sie langfristig als Zock (was sie auch von Anfang an waren!).

Gold und Silber halten sich wacker, aber selbst Gold hat aktuell noch nicht mal seinen Höchststand von 2021 erreicht. Hier frage ich mich, was noch passieren muss. Silber hat auch noch nicht mal sein Hoch von Mai 2021 erreicht. Das ist für mich nachvollziehbar, da es eben in erster Linie ein Industriemetall ist. Wenn die Industrie durch Lieferschwierigkeiten stockt, dann leidet auch die Nachfrage nach diesem Edelmetall.

CFD handele ich aktuell gar nicht mehr. Hier hat mich letztes Jahr enttäuscht, dass es mir nicht gestattet wurde, die Wallstreetbets-Meme-Aktie „Gamestop“ am Höchstpunkt zu shorten. „Dieser Basiswert kann aktuell nicht geshortet werden“ hieß es bei meinem CFD-Anbieter kurz und knapp. Ich hätte die Aktie tatsächlich am Höchstpunkt erwischt und den gesamten Absturz in bare Münze verwandelt. Dies hat wohl auch mein CFD-Anbieter erkannt und für sich entschieden, dass er hierbei wohl zu große Verluste durch meine Gewinne einfahren würde.

Das ist eben das Problem bei CFD: Du spielst immer gegen deinen eigenen Broker, der gleichzeitig auch noch Marketmaker ist. Im Gegensatz zu richtigen Optionen gibt es eben keine „Börse für CFD„. Daher ist dieses Instrument für mich aktuell leider gestorben.

Alle Absicherungen haben somit eher schlecht als recht funktioniert bis heute. Was also tun?

Den ganzen Markt shorten mit einem ETF!

Für mich gibt es somit aktuell (abgesehen von Optionen, an die ich mich (noch) nicht herantraue und Optionsscheinen, von denen ich die Finger lasse) nur wenige Möglichkeiten zu shorten.

Doch wieso möchte ich überhaupt shorten? Dazu ein paar Worte:

2020 kam die Pandemie und damit ein kurzer aber sehr heftiger Einbruch an den Märkten. Der Dax krachte innerhalb weniger Wochen von knapp 13700 Punken am 19.02.2020 auf 8441 Punkte am 18.03.2020 ein. Es dauerte dann über 2 Monate bis er wieder auf seinen 13700 Punkten war. Eine respektable Aufholbewegung, keine Frage.

Doch fassen wir mal zusammen, welche Faktoren damals 2020 den Crash ausgelöst haben:

  • Unsicherheiten in Zusammenhang mit dem Verlauf der Pandemie
  • Unsicherheiten durch die Lock-Downs und die staatlich verfügten „Berufsverbote“
  • Unternehmen, Branchen und Arbeitsplätze gerieten in Schieflage (Gastronomie, Freizeitparks, Kreuzfahrtschiffe, Diskos etc.)

Und heute? Welchen toxischen Mix haben wir 2022?

  • Nach wie vor Unsicherheiten in Zusammenhang mit dem Verlauf der Pandemie (Sommer- / Herbst-Welle?)
  • Weltweite Lieferketten sind gestört und lassen sich kaum zeitnah beheben (No-Covid-Strategie in China)
  • Rekordhohe Inflation durch die Notenbanken und das willkürliche Verteilen von Geld durch die Politik per Gießkanne
  • Neuer „Kalter Krieg“ durch den Aufbau neuer globaler Blocks (Russland, China / demokratischer Westen / Naher Osten)
  • Steigende Zinsen!!! Dadurch dürften in Bälde Staaten (insbesondere im Süden) und Unternehmen in gravierende Schieflage hinsichtlich ihrer Finanzierung geraten
  • Drohendes Platzen der Immobilienblase (viele Menschen können sich keine Immobilie mehr finanzieren aufgrund der steigenden Zinsen)
  • Rasant gestiegene Energiepreise durch den Krieg in der Ukraine (existentielle Gefahr für manche energieintensive Branchen und Firmen)
  • Drohende globale Hungersnöte durch die Ernteausfälle in der Ukraine
  • Drohende neue Währungskrise des EURO

Das sind nur wenige plakative Beispiele. Wie du siehst, ist in meinen Augen die Situation 2022 wesentlich gefährlicher als noch 2020.

Kommt es zu einer Rezession und richtigen Krise?

In meinen Augen ist vieles schlicht noch nicht in den Märkten eingepreist. Der DAX markierte im Dezember 2021 noch einen Stand von knapp 15880 Punkten (Quelle). Heute sind wir immernoch fünfstellig bei rund 13140 Punkten (Stand: 17.06.2022). Wenn man einen ähnlichen Absturz wie 2020 unterstellt, dann sollte der DAX noch auf mindestens 9000/10000 Punkte fallen. Wenn nicht sogar noch tiefer, da die Faktoren wie beschrieben heute auch andere sind.

Bislang hält sich der DAX 40 noch ganz wacker. Ich gehe aber davon aus, dass es nochmal abwärts gehen wird. Die Zinsen steigen „erst“ ab 01.07. tatsächlich in der EU (aktuell ist der Anstieg nur „angekündigt“), Sommerloch, unklarer weiterer Kriegsverlauf in der Ukraine etc.

Man kann mir vorwerfen, dass ich aus dem Bauch heraus handele, aber mein Bauch schlägt aktuell tatsächlich Alarm. Normal bin ich alles andere als ängstlich, aber eine solche negative Mischung an den Märkten habe ich selten erlebt. Saisonale Schwäche kommt noch hinzu. In meinen Augen mehr als Grund genug, einen Teil meines Depots abzusichern.

Absicherung mit Short-ETF auf den DAX 40

Ich habe für die Absicherung meines Depots zwei ETF auf den Short-DAX für mich gewählt. Ein ETF ist 1:1 Short, der andere hat einen Hebel von 2. Das bedeutet: Fällt der DAX um 2 Prozent, steigt mein Wert um 4 Prozent. Und umgekehrt!

Zwar ist der DAX ein recht launiger Zeitgenosse, der als schwer zu traden gilt, aber durch seine noch immer recht einseitige Ausrichtung auf Zykliker, sind hier Krisen für mich ganz gut abzuschätzen.

So bin ich vorgegangen, das waren meine Einstiege:

  • DAX-Short 1:1 bei 13270 Punkten, gekauft am 14.06.2022
  • DAX-Short x2 bei 13495 Punkten, gekauft am 15.06.2022
  • Anlagehorizont: 1-6 Monate

Stand gestern Abend (17.06.2022) liegen beide ETF somit knapp im Gewinn. Sollte es tatsächlich zu einem Crash ab dem 01.07. durch die Zinserhöhungen kommen, dann sollten beide ETF ganz nett performen. Dabei mache ich mir aber keinerlei Illusionen: Von einer echten „Absicherung des Depots“ kann keine Rede sein. In beiden ETF stecken „nur“ vierstellige Beträge. Diese federn bei einem sechsstelligen Depot natürlich nicht viel ab, aber zumindest ein bisschen.

Vielleicht kommt dann ja parallel auch Gold in die Puschen und die Kryptos haben endlich ihren Boden gefunden. Wer weiß.

Eine Warnung zum Schluss – Gefahren von Shorts!

Wie oben gesagt: Bitte nicht blind nachmachen! Short-ETF haben ganz eigene Tücken im Vergleich zu „normalen“ Long-ETFs. Diese sind:

Short-ETF werden täglich neu angepasst. Daher findest du bei solchen ETFs auch gerne im Namen die Bezeichnung „Daily Swap„. Diese Anpassung und die sogenannte Pfadabhängigkeit führen dazu, dass Short-ETF bei schwankenden Märkten trotzdem verlieren, auch wenn der Ausgangspunkt wieder erreicht wird.

„Bei einem häufigem Auf und Ab kann sich somit der Verlust bei täglicher Berechnung des Index erheblich summieren. In stetig fallenden Märkten dagegen sorgt die Pfadabhängigkeit für zusätzliche Einnahmen, da der ShortDAX einen immer höheren Wert annimmt.“

Short-ETFs: Achtung Pfadabhängigkeit (extraetf.com)

Daher ist bei Short-ETF wichtig, dass du diese nicht langfristig in deinem Depot hältst! Ansonsten entwickeln sie sich zu wahren Bremsklötzen mit der Zeit, die dir deine Gesamtperformance verhageln können. Konzepte populärer Fondsanbieter, die viel mit „Absicherungen“ hantieren belegen das mit einer unterdurchschnittlichen Performance im Vergleich zur Benchmark.

Daher: Bitte nur zeitlich befristet für wenige Tage / Wochen / Monate. Andernfalls machst du garantierte Verluste mit solchen Short-Produkten. Vor allem wenn sie gehebelt sind, was die Wirkung dadurch verdoppelt.

Wenn der Markt aber deinem prognostizierten Weg folgt, dann entstehen eben durch diese Pfadabhängigkeit auch enorme Gewinne.

Wieso keine (gehebelten) Short-Zertifikate statt ETF?

Eine andere Möglichkeit ist, wenn du den Markt mit Short-Zertifikaten shortest. Ich habe mich einfach nur aufgrund des Emittentenrisikos für die ETF-Variante entschieden. Auch wenn ich dort eine TER habe, die zusätzlich die Rendite schmälert.

Bei Zertifikaten besteht immer die Gefahr, dass der Emittent diese vom Markt nimmt und du dann gezwungen bist, zu einem schlechten Zeitpunkt zu verkaufen. Zudem ist dein Geld kein Sondervermögen, im Gegensatz zu ETF. Geht der Emittent Pleite, entsteht dir im schlimmsten Falle auch ein Totalverlust. Bei ETF gibt es dieses Risiko nicht.

Short-ETF, mein Fazit:

Ich sichere mein Depot also aktuell mit den beiden Short-DAX-ETF ab. Ein ETF ist gehebelt (x2), der andere 1:1. Ob ich damit richtig liege oder nicht, werde ich dann zu gegebener Zeit hier im Artikel ergänzen. Zudem werde ich meine Rendite (oder Verluste) hier veröffentlichen.

Ich werde mir aber vorbehalten, die Positionen auch schnell wieder aufzulösen, wenn sich grundlegend etwas auf der Welt ändern sollte. Also jetzt bitte nicht mich kopieren und davon ausgehen, dass ich dich vorwarne, wenn ich meine Shorties auflöse!!!! Diese Zeit kann ich mir beim besten Willen nicht nehmen, vor allem wenn es turbulent zugeht.

Daher: Entscheide wie immer für dich selbst und was zu deiner Strategie passt. Ich empfehle dir nichts und für deine Investmenterfolge bist einzig und alleine du verantwortlich.

Vielleicht nutzt du ja auch ganz andere Strategien zur Absicherung deines Depots und zur Abmilderung der Inflation? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen, wie du vorgehst!

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