Sparen an Versicherungen?!

Sparen an Versicherungen – Macht das Sinn? Die Inflation greift um sich. Selbst Alltägliches wird plötzlich ungewohnt teuer, der Kontostand sinkt. Autofahren wird zum Luxus. Nicht Wenige kommen vor diesem Hintergrund auf die an sich löbliche Idee, ihre Ausgaben kritisch zu prüfen. Quasi eine finanzielle Generalinventur durchzuführen. Da der Deutsche Versicherungen statistisch sehr schätzt und diese eine monatlich erhebliche Summe ausmachen, gerät bei so manchem auch der Fokus auf eben diese.

Ausgaben kürzen durch Kündigung von teuren Versicherungen lautet dann die Devise. Macht es also Sinn tatsächlich Sinn, an Versicherungen zu sparen?

Versicherungen – Regelmäßige Geldabflüsse vom Konto

Eine Antwort hierauf fällt leider nicht immer leicht. Generell sind die Deutschen eher überversichert. In anderen Staaten dieser Welt ist das Gegenteil der Fall (z.B. im globalen Süden). Auch führte die Bürokratie in Deutschland dazu, dass viele Versicherungen einfach Pflicht (geworden) sind. Hierzu zählen beispielsweise eine Krankenversicherung oder in manchen Fällen auch eine Gebäudeversicherung (z.B. bei Öl-Tanks im Keller).

Andererseits gibt es aber auch zahlreiche Versicherungen, die einfach keinen Sinn machen, aus der Zeit gefallen sind oder in manchen Fällen manche Schadensfälle doppelt und dreifach absichern.

Diese Versicherungen kosten bares Geld. Monat für Monat. Für Leistungen die im Idealfall nie gebraucht werden. Im Schnitt gibt der private deutsche Haushalt 125 Euro pro Monat für Versicherungen aus. Trotz einer (erfreulichen) Stagnation, sind die Ausgaben stetig gestiegen. Im Jahr 2009 waren die Ausgaben im Schnitt noch bei 85 Euro pro Monat, auf inzwischen 125 Euro im Jahre 2020 (Quelle).

Für mich persönlich scheint diese Summe aber unter dem Streich sogar noch etwas zu gering. Ich würde eher von rund 200 Euro pro Monat ausgehen.

Was sind sinnvolle Versicherungen?

Ich persönlich nähere mich solchen Fragen immer gerne mit der Frage: Welche Versicherungen brauche ich denn tatsächlich? Hierbei kann ich nur für mich selbst sprechen. In meinen Augen sind für die meisten (nicht alle!) Menschen sinnvoll:

  • Kranken- /Pflegeversicherung – Pflicht
  • Privat-Haftpflicht-Versicherung – freiwillig
  • Kfz-Versicherung (falls Kfz vorhanden) – Pflicht
  • Hausratversicherung – freiwillig
  • Gebäude(brand)versicherung (bei Immobilienbesitz) – z.T. Pflicht
  • Auslandskrankenversicherung – freiwillig
  • Rechtsschutzversicherung – freiwillig
  • (eine gut abgeschlossene!) Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Risiko-Lebensversicherung für Verheiratete / Verschuldete – freiwillig

Wenn ich über meine Versicherungen nachdenke hilft mir auch immer die Frage weiter: Bin ich im Schadensfall ruiniert bzw. wie gravierend sind die Folgen, die ich durch die Versicherung abzufedern versuche?

Schauen wir uns unter diesem Gesichtspunkt mal die Liste genauer an:

Kranken-/und Pflegeversicherung

Selbstredend, das macht absolut Sinn und gehört nahezu in jedem Staat dieser Welt zum Mindeststandard. Im Krankheitsfalle die bestmögliche Behandlung zu bekommen ist sehr wichtig. In diesem Sinne eigentlich mit eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt.

Auch wenn du notorisch gesund bist und wie ich gut und gerne mal den obligatorischen Zahnarzttermin über Jahre hinweg verschläfst.

Privat-Haftpflicht-Versicherung

Du schädigst einen Anderen durch Unachtsamkeit und deine Versicherung gleicht den Schaden aus. Sollte im Worst Case durch deine Unachtsamkeit jemand gar ums Leben kommen, dann zahlt auch solche „Schäden“ die Haftpflicht. In solchen extremen Fällen können schnell Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro entstehen. Hast du keine solche Versicherung, wäre dies dein persönlicher Bankrott. Insofern eine sehr wichtige Versicherung.

Wenn du eine Nebentätigkeit ausübst oder Selbstständig/Unternehmer bist, kann auch eine Berufshaftpflichtversicherung elementar sein. Beispiel: Du bist Berater und dir kann ein Fehler nachgewiesen werden, der zu gesundheitlichen oder materiellen Schäden führt. Hier lehnt die Privat-Haftpflichtversicherung ab. Diese gilt wie der Name schon sagt: Für Privates!

Kfz-Versicherung

In Deutschland muss jedes Fahrzeug im Straßenverkehr versichert sein. Per Gesetz. Da auch hier schnell hohe Schadenssummen entstehen, schützt eine solche Versicherung jeden Fahrzeugbesitzer vor dem finanziellen Tod. Insofern richtig, dass sie Pflicht ist und wichtig ist sie obendrein.

Hausratversicherung

Hierunter versteht man ganz grob eine Versicherung für alle Gegenstände, die aus dem Haus/der Wohnung fallen würden, wenn man das Gebäude auf den Kopf dreht. Also alle nicht mit dem Gebäude verbundenen Gegenstände.

Hierzu zählen Goldbarren, genauso wie E-Bikes in Garagen oder Gartengeräten in der Gartenhütte. Zudem sämtliche Möbel, Elektronikgeräte etc. in der Wohnung.

Für die meisten Menschen dürfte eine solche Versicherung wohl Sinn machen. Für Frugalisten vielleicht weniger. Durch Möglichkeiten wie einer „erweiterten Hausratversicherung“ sind manche Gegenstände auch bei Auslandsreisen oder E-Bikes beim Anketten an Parkplätzen abgedeckt. Dadurch dass solche Hausratversicherungen in der Regel sehr günstig sind (40-70 Euro / Jahr), machen diese in meinen Augen durchaus Sinn.

Gebäudeversicherung

Wenn du ein Eigenheim hast, ist dies womöglich die größte Vermögensposition in deinem Leben. Sollte ein Brand dein gesamtes Haus vernichten, springt hier deine Versicherung ein. Auch als Wohnungseigentümer bist du in der Regel durch eine Gebäudeversicherung geschützt. Dieser ist im Hausgeld meistens inbegriffen. Teilweise sind hier auch Elementarschäden (Blitz, Überschwemmungen etc.) mit abgedeckt. Je nach Wohnort auch nicht unwichtig im Extremfall.

Wie oft kauft man sich als Normalsterblicher ein Eigenheim? In der Regel nicht so oft. Den Verlust eines solchen abzusichern, ist daher durchaus sinnvoll und ratsam.

Auslandskrankenversicherung

Wenn du im Ausland erkrankst, springt sie ein. Durch den geringen Preis von teilweise nur um die 20 Euro / Jahr ein lohnenswertes Investment für Reisende. Wer Deutschland nie verlässt, kann freilich auf eine solche Versicherung guten Gewissens verzichten. Da im Urlaub aber oftmals die Verletzungsrisiken steigen (Partys, Alkohol, Bergsteigen, Skifahren, Schwimmen, exotische Krankheiten) sollte man hier auf keinen Fall falsch sparen.

Die Kosten für solch eine Versicherung kannst du dir ziemlich schnell und einfach durch ein Investment in Dividenden-Aristokraten wieder als Dividende reinholen. Hieran würde ich zumindest also auch nicht sparen.

Rechtsschutzversicherung

Hier ist entscheidend, was diese genau abdeckt: Sie kann für den Privatbereich Sinn machen (z.B. wenn du von deinem Nachbarn wegen Grundstücksstreitigkeiten oder Bauvorhaben deinerseits verklagt wirst) oder für den beruflichen Bereich (wenn du in Zusammenhang mit deiner Berufsausübung rechtliche Auseinandersetzungen hast).

In einem solchen Prozess kommen schnell große Summen zusammen. Je nach Rechtsschutzversicherung solltest du also genau vergleichen, was im Detail abgedeckt ist (nur Anwaltskosten? Oder auch Gerichtskosten etc.). Hier macht es auf jeden Fall Sinn, eine gute Rechtsschutzversicherung, wie die von AdmiralDirekt, zu wählen.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Dein Körper und deine Gesundheit sind dein wichtigstes Kapital! Heutzutage scheiden erschreckend viele Menschen wegen Erkrankung aus dem Berufsleben aus. Wenn hier keine Berufsunfähigkeitsversicherung greift, landen diese Menschen in der Falle der Wohlfahrt und geben ihre staatsbürgerliche Mündigkeit ans Kollektiv ab. Kurz gesagt: Hartz 4.

Eine gute, ehrlich und professionell abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung (Beachte: Vorvertragliche Auskunftspflicht – Gesundheitsfragen!) zahlt dann auch im Worst Case Szenario. Wenn du gesund bist und in jungen Jahren eine abschließt, dann ist sie auch durchaus bezahlbar. Je älter du wirst, desto weniger lohnt sie sich finanziell noch.

Hier kann dir ein konsequent aufgebautes passives Einkommen ggf. eine ähnliche Absicherung bescheren.

Risiko-Lebensversicherung

Wenn du oder die versicherte Person verstirbst, dann zahlt die Versicherung eine gewisse Summe X aus. So eine Versicherung greift in Krimis, wenn sich Eheleute gegenseitig nach dem Leben trachten, nur um die Versicherungsleistung zu kassieren.

Für mich gilt hier: Zur Absicherung des Partners (z.B. bei einer gemeinsamen Immobilie, auf der noch große Schulden liegen) macht seine solche Versicherung absolut Sinn. Der verbliebene Partner hat dann einen finanziellen Puffer und landet nicht im wirtschaftlichen Nirvana. Nichts schlimmer als wenn nach so einer Lebenstragödie auch noch das Eigenheim draufgeht, weil der verbliebene Partner die Kreditrate nicht alleine bedienen kann.

Sie kostet wenig Geld und Eheleute können sie auch kreuzweise gegenseitig abschließen.

Fazit:

Manche Versicherungen wie die oben machen Sinn. Ich frage mich immer, wie schädlich der worst case denn tatsächlich sein wird. Die obigen Versicherungen habe ich zum größten Teil auch. Selbstredend würde ich nie Dinge wie eine „Reisegepäckversicherung“, „Handyversicherung“ oder eine „Reiserücktrittversicherung“ (Ausnahme: Corona) abschließen. Einfach weil mich der Schadenseintritt zwar ärgern, nicht jedoch in meiner Existenz gefährden würde.

Ich verzichte auch (mit Ausnahme meiner Rürup!) auf Versicherungsprodukte zur Altersvorsorge. Keine Riester, keine Lebensversicherung. Alles viel zu teuer und nicht mein Fall. Die Rürup ist das höchste der Gefühle, ansonsten ausschließlich Mieteinkünfte, Aktien und ETF.

In meinen Augen macht es also durchaus Sinn, alle Versicherungen kritisch zu prüfen und unnötige auszusondern. Bei Wackelkandidaten hilft dir vielleicht auch eine Frage wie: Wie oft habe ich Leistungen der Versicherung in den letzten 15 Jahren in Anspruch genommen?

Gut möglich, dass die Chancen gutstehen, dass du auch in den kommenden 15 Jahren keine brauchen wirst. Von daher kannst du hier vielleicht tatsächlich die eine oder andere kündigen oder einen günstigeren Anbieter suchen. Das aber grundsätzlich als Tipp und unabhängig von der Inflation.

Sparst du an Versicherungen? Welche findest du unverzichtbar?

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