Aktien – Eine Frage des Alters?

Zwei aktuelle Artikel in der Online-Ausgabe der Zeitschrift WELT haben mich jüngst auf die Frage gebracht, ob Aktienhandel vielleicht eine Frage des Alters sein könnte und somit eher etwas für „jüngere“ Semester. Aktien und Alter – hängt das etwa zusammen?

Wenn man sich nämlich so auf den einschlägigen Portalen, Social-Media-Gruppen, auf Youtube oder auf den ganzen Finanzblogs so umschaut, könnte einen leicht der Eindruck ereilen, dass Aktien „hipp“ und „inn“ sind und vielleicht nichts Weiteres als ein Jugendtrend, der irgendwann auch wieder vorbeigehen wird.

Aktien als neuer Trend wie seinerzeit in den 90ern die Plateau-Buffalos? Hm.

Konkret ging es um zwei dort erschienene Artikel, welche sich konkret mit der Generation der sogenannten „Baby-Boomer“ beschäftigen. Das sind bekanntlich Personen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren, sprich die Elterngeneration der Generation Y bzw. der Millenials.

Baby-Boomer und ihre Lebensversicherung

Der eine Artikel dreht sich um das Thema Lebensversicherungen und aus welchen Gründen und wie diese Generation der Baby-Boomer den Tod des „Auslaufmodells Lebensversicherung“ noch (künstlich?) hinauszögert. Ich möchte hier jetzt nicht zu sehr auf den konkreten Inhalt der Artikel eingehen, die kannst du dir bei Interesse selbst durchlesen und dir deine eigene Meinung bilden.

Auf Lebensversicherungen und ob man sie kündigen sollte, bin ich auch an anderer Stelle bereits eingegangen.

Die Links zu den erwähnten Artikeln findest du später weiter unten.

Kurz umrissen besagen sie aber: Diese Generation leistet zum Teil große Einmalzahlungen an die Versicherer gegen Ende ihrer Berufstätigkeit, um durch diese Zahlungen ihre lebenslange Rente aus der abgeschlossenen Versicherung zu erhöhen. Dadurch kurbeln sie natürlich den Umsatz der Versicherungen an, weshalb es dadurch zu statistischen Verzerrungen hinsichtlich der Beliebtheit dieser Altersvorsorge kommt.

Ob solche Einmalzahlungen Sinn machen, hängt natürlich von der konkreten Ausgestaltung der Police ab. Bei Lebensversicherungen dürfte solch eine Zahlung meiner Meinung nach in den seltensten Fällen Sinn machen (Stichwort: Kosten).

Finanzielle Bildung der Baby-Boomer

Im zweiten Artikel geht es dann um das Thema finanzielle Bildung. Hier werden Argumentationsansätze geliefert, wieso speziell bei der Generation der Baby-Boomer auf dem Gebiet der finanziellen Bildung teils eklatante Defizite vorherrschen. Im Artikel wird außerdem herausgestellt, dass bei dieser Generation alleine schon die Akzeptanz von Aktien ziemlich gering ist.

Ganze 39 Prozent der Befragten in der Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen gaben demnach sogar an, Börseninvestments aus Prinzip abzulehnen.

Aktien werden mit Casino und Glückspiel in einen Topf geworfen, was natürlich ein fatales Missverständnis bzw. schlicht Unkenntnis der Materie darstellt. Aktien seien zu riskant und daher nicht für die Altersvorsorge geeignet. Dass ich diese Einschätzung nicht teile, kannst du in meinem kürzlich erschienenen Artikel über ETFs als Altersvorsorge nachlesen.

Auch sind Aktieninvestments durch Privatanleger keinesfalls unmoralisch, was ich ebenfalls hier bereits klargestellt habe.

Opfer der Dotcom-Blase

Einer Einschätzung des Artikels kann ich jedoch absolut folgen. Nämlich dass bei vielen Älteren der Grund für die Abneigung gegen Aktien darin begründet liegt, dass sie sich im Jahre 2000 im Rahmen der Dotcom-Blase verspekuliert haben, zum Beispiel mit den berühmten Aktien der Deutschen Telekom.

An diese Erklärung glaube ich tatsächlich, weil ich selbst auch schon mit mehreren Vertretern dieser Generation über das Thema Aktien gesprochen habe. Und viele dieser Gesprächspartner sind tatsächlich damals mit deutschen Tech-Werten des Neuen Marktes damals auf die Nase gefallen.

Somit absolut nachvollziehbar an dieser Stelle. Vermutlich war es einfach Frust und Enttäuschung, was die Leute dazu bewogen hat, ab diesem Moment die Börsen zu meiden. Leider haben sie dadurch auch einen der größten Aufschwünge am Aktienmarkt zwischen 2009 bis heute verschlafen.

Neue Generation von Kapitalisten?

Die Einschätzung, wonach Aktien bei jungen Leuten im Trend liegen sollen und derzeit ziemlich gehypet werden sollen, teile ich jedoch nicht. Wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis so umschaue, stehe ich mit meiner Vorliebe und meinem Interesse für diese Themen ziemlich alleine da. Wieso das bei der noch jüngeren Generation Instagramm anders sein sollte, will mir nicht so recht einleuchten.

Diese Generation interessiert sich vermutlich eher für aktuellere Themen wie den Fitness-Lifestyle, Self-Optimization, Sabbaticals und einen alternativen Lebensstil, der die Finanzen nicht vorrangig in den Vordergrund stellt.

Alleine wenn ich mir die Besucherzahlen und Abonnements von Finanzchannels anschaue, kann ich diesen Trend absolut nicht bestätigen. Schminktipps, Katzen- und Let’s Play-Videos haben noch immer ein Vielfaches an Nutzerzahlen. Mit Finanzthemen über EZB und Co. lassen sich demnach nur die wenigsten begeistern, diese dann aber richtig und intensiv.

Finanzen sind und bleiben vermutlich auch immer ein Nischengebiet. Natürlich zum Leidwesen der finanziellen Bildung in Deutschland. Ob das vielleicht System hat, musst du natürlich für dich selbst beantworten.

Zu den oben erwähnten Artikeln gelangst du hier:

Hast du in deinem Umfeld ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie stehen bei dir die Vertreter der Baby-Boomer zum Thema Aktien?

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