Krise und dann? Depotabsicherung für den Ernstfall

Was wenn die Krise kommt? Wie ich schon an anderer Stelle und in anderen Beiträgen erwähnt habe, verfolge ich für mein privates Wertpapier-Depot die so genannte Core-Satellite-Strategie“. Meine Variante sieht demnach so aus, dass ich einen festen Kern (aktuell 3 ETF und 1 Einzelaktie) regelmäßig, konsequent und komme was wolle monatlich bespare. Dies dient zum einen dem Vermögensaufbau, zum anderen meiner Altersvorsorge durch ein passives Einkommen. Hierzu nutze ich die Möglichkeit bequemer Wertpapiersparpläne, die automatisch am 1. oder 15. eines Monats erfolgen, wenn ich sie einmal eingerichtet habe.

Rund um diesen Kern (Core) habe ich mir in der Vergangenheit mein Aktiendepot aus Einzelaktien aufgebaut. Hierzu habe ich auch zunächst die Möglichkeit von Sparplänen genutzt, einfach um auch nennenswerte Positionen aufzubauen und ein Gefühl für die Wertschwankungen der Einzelwerte zu bekommen.

Wenn die Krise kommt

Was aber nun, wenn die nächste Finanzkrise oder zumindest eine heftige Korrektur kommt? Bin ich dann mit meiner Strategie noch gut aufgestellt, sodass ich mich damit auch wohlfühle? Ist so eine Krise gar existenzgefährdend? Wie reagiere ich auf die Krise? Passt also die Strategie noch?

Diese Frage habe ich mir die letzten Wochen gestellt und bin zu zweierlei Ergebnissen gekommen:



Mein Core-Depot

Im Falle des Cores bin ich meiner Einschätzung nach halbwegs krisenfest. Die monatlichen Käufe laufen weiter, im Falle einer Krise profitiere ich vom Cost-Average-Effekt und günstigeren Durchschnitts-Kaufkursen. Somit sind Korrekturen oder Crashs (zumindest in der Anfangsphase des Depots) gerne gesehen. Mit Anfangsphase meine ich die erste Hälfte der gesamten Investitionsdauer, also bei 20 Jahren Laufzeit die ersten 10, bei 10 Jahren Laufzeit die ersten 5 etc.

Bei ETFs ist zusätzlich noch von Vorteil, dass im Prinzip ein Totalverlust des Kapitals nahezu unmöglich ist. Dann müssten schon (bei physisch replizierenden ETFs) alle darin enthaltenen Unternehmen gleichzeitig Pleite gehen. Bei risigen Indices wie dem MSCI-World (über 1600 Unternehmen) oder dem FTSE-All World (über 3000 Unternehmen)

Erst kurz bevor der eigene Bestand „zu Geld gemacht“ werden soll, wären größere Crashs ärgerlich und womöglich fatal. Wenn du zum Beispiel von deinen Kapitalerträgen leben möchtest, kann so ein Crash ganz schön reinhauen. Genauso wie wenn du im Alter einen Auszahlplan für deine Wertpapiere einrichtest, wo immer regelmäßig Stücke verkauft werden. Im Falle eines Crashs ist dein Bestand dann wesentlich schneller aufgezehrt bzw. wirft womöglich weniger Zins- oder Dividendeneinküfte ab.

Meinen Core würde ich daher als recht robust bezeichnen, wobei sich das konkret erst in der Praxis bei einem Crash beweisen wird.

Meine Einzelaktien

Aber wie sieht es mit den Einzelaktien aus? Hier bin ich für mich zu einer etwas anderen Einschätzung gelangt. Ich habe nämlich dieses Depot erst in den letzten Jahren aufgebaut, somit in Zeiten wo die Kurse hoch, also die Aktien schon halbwegs teuer und die weltweite Wirtschaft robust war. Ziemlich verwöhnt sind wir Anleger wenn wir zwischen 2009 und 2018 eingestiegen sind. Eine Kunst waren hohe Renditen in dieser Zeit nicht. Aber geht das so weiter? Darf man bezweifeln.

Im Falle eines Crashs muss ich also hier mit teils empfindlichen Verlusten im Depot rechnen, wobei nicht alle Einzelaktien gleich tief in die Knie gehen dürften und auch die trotzdem erhaltenen Dividenden den Absturz verkraftbarer machen, zumindest psychologisch.

So dürften zum Beispiel Nahrungsmittelhersteller oder Hersteller von tagtäglichen Konsum- und Pflegeprodukten vermutlich weniger stark einbrechen, wie andere Branchen im Depot (Finanzen, Automobile). Daher habe ich mich nun zu kleinen Anpassungen meiner Gesamtstrategie entschieden, die mehrere Vorteile, aber auch kleine Nachteile mit sich bringen.

Meine Maßnahmen in der Übersicht

1. Anleihen

Bisher von mir gemieden und halbwegs ignoriert, habe ich nun meinen Core um einen monatlich besparten Anleihen-ETF ergänzt. Krise und Anleihen? Das kann gut gehen. Um mir die Gesamtrendite jedoch nicht allzu stark zu verhageln, ist der Anteil Anleihen mit knapp 11% der Core-Sparrate noch halbwegs überschaubar. Die restlichen 89% gehen nach wie vor in Aktien (vormals 100%).

Bei den Anleihen konzentriere ich mich auf weltweite Unternehmensanleihen und keine Staatsanleihen, weil ich von denen schlicht nicht viel halte. Klar sind Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen geeigneter Staaten nicht risikofrei, aber sie sorgen dennoch für einen verlässlichen Zinsfluss von aktuell knapp 3% (Ausschüttungsrendite) und einer langjährigen (Gesamt)-Performance von knapp 4% p.a. über 10 Jahre. Selbst wenn man eine Inflation von 2% abzieht, passiert hier tatsächlich Vermögensaufbau im Gegensatz zum Tagesgeld oder Girokonto, wo derzeit nicht einmal mehr von Kaufkrafterhaltung gesprochen werden kann.




Sprich: Mein Anleihen-ETF ist Immernoch renditestärker als Tagesgeld und wesentlich weniger volatil als reine Investments in Aktien. Sollten die Zinsen irgendwann mal wieder auf 3% fürs Tagesgeld steigen, werde ich die Sinnhaftigkeit des Anleihen-ETFs natürlich nochmal überprüfen und ihn ggf. verkaufen und den Erlös nachträglich in Aktien oder Tagesgeld umschichten.

2. Stopp der Sparpläne bei Einzelaktien

Wie gesagt habe ich zum Aufbau meiner Einzelaktien am Anfang überwiegend Sparpläne benutzt. Ich wollte einfach alle Aktien sofort im Depot haben. Nicht so lange warten bis ich eine nennenswerte Position per Einmalkauf eröffnen kann. Nun habe ich aber halbwegs reife, alleine überlebensfähige, Positionen geschaffen, sodass ich die Sparpläne allesamt gestoppt habe.

An meiner Gesamtsparrate (Core + Einzelaktien) habe ich nichts geändert, allerdings überweise ich nun den Einzelaktienanteil monatlich fix per Dauerauftrag auf das Verrechnungskonto. Von diesem Geld kaufe ich dann einmalig diejenigen Positionen meiner Aktien nach, die ich zu diesem Zeitpunkt für sinnvoll halte oder bis dahin halte ich es einfach als Cash. Auch Sondereinzahlungen in die ETFs sind so möglich, wenn ich keine andere Verwendung finde. Sprich: Ich bin wesentlich flexibler und freier.

Ich habe auch mehr Kontrolle über den Einstiegskurs meiner Positionen (Nachkauf wenn die Aktien günstig sind), sowie bessere Kontrolle über die Dividendenrendite meiner Dividendentitel.

Würde ich die Sparpläne einfach weiterlaufen lassen, würde langfristig sowohl der Einstiegskurs als auch dadurch die Dividendenrendite mit der Zeit verwässert (Durchschnittskurs). Zudem wären die Kosten wesentlich höher.

Zusammenfassend Vor-und Nachteile des neuen Systems:

(+) mehr Kontrolle über Kosten, Börsenplätze, Zeitpunkte der Ausführung

(+) Core läuft nach wie vor automatisiert per Sparpläne

() keine automatisierten Käufe bei Einzelaktien per Sparplan mehr

() Einmalkäufe sind immer auch ein Stück Market-Timing

() mehr Zeit wird benötigt, wenn ich monatlich oder alle 2 Monate manuell kaufe (geringfügige Opportunitätskosten)

(+) teils massiv niedrigere Transaktionskosten bei Einmalkäufen (bis zu 50% günstiger)

(+) vermutlich höhere Gesamtperformance des Depots bei Einmalinvestments statt Sparplan

(+) direkterer Einfluss auf die Dividenden-Renditen der Einzelaktien

3. Alternative Renten-Modelle

Aktuell beschäftige ich mich intensiv mit der Frage was mit mir und meiner Existenz im Alter oder bei schwerer Krankheit passiert. Hierzu prüfe ich derzeit den ergänzenden Abschluss einer privaten Basisrente (Rürup-Rente). Da es diese geförderte Rente mittlerweile auch mit einem starken Aktien-Motor gibt, ist sie für mich wesentlich attraktiver als in den letzten Jahren geworden, wo keine nennenswerte Performance erreicht wurde. Allerdings hat auch die Rürup-Rente Nachteile, die ich erst für mich noch abwägen muss (keine Kapitalisierbarkeit z.B.).

Riester und bAV (betriebliche Altersvorsorge) sind grundsätzlich ok (wenn es die richtigen Verträge sind!) kommen für mich jedoch nicht in Frage. Die Riester ist ziemlich stark auf ein Dasein als abhängig beschäftigter Arbeitnehmer ausgerichtet und eine bAV bietet mein aktueller Arbeitgeber einfach nicht an. Ich möchte aber als sowohl Angestellter, als auch gleichzeitig nebenberuflich Selbstständiger aber lieber flexibel bleiben und mir nicht im Vornherein die Möglichkeit nehmen lassen, mich irgendwann einmal zu 100% selbstständig zu machen.




In diesem Falle hätte ich von meiner Riester nichts mehr, außer hohe Abschlusskosten und ein ruhendes Beitragskonto. Bei Kündigung müsste ich nämlich alle erhaltenen Zulagen und Steuervergünstigungen dem Finanzamt zurückzahlen. Unschön.

Die Rürup-Rente hat jedoch einen gewissen Reiz, auch wenn es sie nur als monatliche Rente im Alter gibt. Diese ist dann aber pfändungs- und hartz4-geschützt. Ein für Selbstständige vielleicht nicht ganz unwichtiges Thema. An dieses Geld kann der Staat einfach nicht ran. Mit dem passenden Motor versehen und der steuerlichen Absetzbarkeit der Beiträge kann die Rürup auch auf der Renditeseite positiv überraschen.

Fazit:

Niemand weiß wann die Krise kommt. Lächerlich sind die, die vorgeben dies genau zu wissen. Fakt ist aber: Die Zinswende kommt langsam aber sicher. Die EZB hat diese Woche erst das Ende der Anleihenkaufprogramme angekündigt. Die Verschuldung weltweit steigt immer weiter. Politische Risiken nehmen zu und die Europäische Union samt Euro wackelt*. Alles in allem kann ich für mich also eine gewisse Gefahr einer Krise erkennen. Für diesen Fall macht es meiner Meinung nach durchaus Sinn, sich selbst und das eigene Depot zu wappnen. Immerhin gilt: Wer die Krise schnell meistert, profitiert am schnellsten auch von den wieder steigenden Kursen der Folgejahre.

Durch den Stopp meiner Sparpläne habe ich mehr Cash auf der Seite und kann zielgerichteter investieren und vielleicht auch mal das eine oder andere Schnäppchen machen, wer weiß.

Vielleicht täuscht mich auch mein Bauchgefühl und die Party an den Finanzmärkten geht noch einige Jahre weiter, was ja auch vollkommen ok wäre. Aber dass der Crash irgendwann mal kommt, sollte klar sein. Spätestens wenn die ganzen günstigen Kredite bei steigenden Zinsen von den Menschen nicht mehr bezahlt werden können. Siehe Finanzkrise 2007/2008 und den US-Immobilienmarkt.

Und sollte der Dax tatsächlich irgendwann mal wieder auf unter 4000 Punkte einbrechen, werde ich mit dem gesammelten Cash in den Dax gehen….und hoffen 😉

Wie sieht es bei dir aus, für wie hoch siehst du die Gefahr einer Krise? Wie sicherst du dein Depot ab?

4 Kommentare

  1. Hallo

    Ich habe auch zwei Unternehmensanleihe ETFs (EM & EU) allerdings nicht im Risiko Armen Anteil da dann ein paar Staatsanleihen ETFs da die UA faktisch zu 100% mit Aktien korrelieren und ich die heute auch nicht mehr ins Portfolio mit aufnehmen würde (mit der Zeit lern man halt viel dazu).
    Ich vermute du kennst Kommer und sein ETF Buch da geht er auf die ganzen Korrelationen noch mal schön ein – als Gegengewicht im Crash Fall empfiehlt sich wohl idR Immobilien (REIT) und Rohstoffe (die aber sonst gar nichts bringen und er sie eher mitlerweile raus lässt) und eben Staatsanleihen …
    grüße
    tbee

    1. Hallo, danke für dein Feedback!

      Deine Beobachtung kann ich bei mir leider nieht bestätigen. Hier ist es vielmehr so, dass wenn die Aktien in die Knie gehen, die Unternehmensanleihen zulegen. Aber wie gesagt, es soll bei mir auch nicht als „risikoarmer Teil“ gelten, das ist und bleibt bei mir das Tagesgeldkonto. Ich würde es eher als „weniger volatilen aber dennoch profitablen“ Teil des Gesamtportfolios bezeichnen.
      Die Empfehlung mit Immobilien teile ich ebenfalls. Hier wird nur interessant zu sehen sein, wie sich die Immo-Preise entwickeln, wenn die EZBab Sommer 2019 die Zinsen anhebt.

      Dann könnte die Party auf dem Häusermarkt sehr schnell ausgetanzt sein 😉

      Gruß
      Finanzguerilla

    1. Hallo,

      Klar darf man das. Er hat die WKN 911950 und nennt sich „IShares USD Corporate Bond UCITS“. Bei dieser Gelegenheit würde ich ihn gerne auch zur Diskussion stellen.

      Was haltet ihr von dem ETF und seiner Ausschüttungs-Rendite?

      Gruß

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