In Einzelaktien statt ETF investieren?

Einzelaktien statt ETF oder lieber doch nicht…? Wie ich schon in der Vergangenheit erwähnt habe, steht mein Vermögensaufbau auf mehreren Standbeinen bzw. Säulen. Unter anderem investiere ich auch in ETF und natürlich Einzelaktien von bestimmten Unternehmen. Nun da mein Portfolio mit der Zeit wächst – und mit dem Portfolio auch mein Knowhow in Sachen Börse und Investieren, frage ich mich, ob es nicht mehr Sinn macht, die ETF durch Einzelaktien zu ersetzen.

Wieso spiele ich mit dem Gedanken in Einzelaktien statt ETF zu investieren?

Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe. Ein Grund kurzum: Laufende Kosten! Einer der Nachteile von ETF sind nämlich die jährlichen laufenden Kosten, unter anderem ablesbar an Kennzahlen wie dem TER (Total Expense Ratio) des jeweiligen ETF. Wie ich an anderer Stelle schon mehrfach festgestellt habe, sind ETF wesentlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Günstiger heißt aber leider auch, dass sie eben nicht kostenlos sind.

Verstehe mich nicht falsch, ich fordere keinesfalls von ETF-Anbietern wie Comstage oder iShares, dass sie den kompletten Index abbilden und das Ganze nur aus Nächstenliebe für lau. Aber auch ein TER von beispielsweise 0,3 % p.a. laufende Kosten, bedeutet bei einem Beispiels-Depot mit einer Gesamtsumme von 200.000 Euro, dass dir immerhin jährlich 600 Euro Kosten entstehen und deine Rendite mindern. Natürlich wird das Geld nicht per Brief von dir eingefordert, sondern einfach von deinem Gewinn durch den ETF-Anbieter einbehalten. Aber das eben IMMER, also auch bei fallenden Märkten. Die laufenden Kosten sind fix.

Ich habe mittlerweile so meine Probleme mit laufenden Kosten, sei es durch Versicherungen, Mitgliedschaften, Abos oder anderen Verbindlichkeiten. Ich bin der Meinung, dass laufende Kosten oftmals überflüssig sind und teilweise wie Mühlsteine um deinen Hals hängen und dich ausbremsen in Sachen Vermögensaufbau. Weniger ist da meiner Meinung nach immer mehr.




Durchschnittliche Marktrendite

Ein weiterer „Nachteil“ ist: Der ETF ist ein passives Konstrukt und kauft immer nur den Markt. Es ist mit ETFs nicht möglich, dauerhaft den Markt zu schlagen. Von Profis wie Warren Buffett mal abgesehen, schaffen das je nach Quelle etwa nur 5-10 % der professionellen Investoren. Wohlgemerkt: Das sind die Big Player! Wenn noch nicht mal sie den Markt regelmäßig schlagen können, wie soll ich es dann als Privatinvestor schaffen?! Somit bieten die ETF den Vorteil, immer die Rendite mit dem Markt zu gehen, aber eben auch den Nachteil, diesen nie outzuperformen. Mit Einzelaktien kann man immer mal Glücksgriffe machen und eine Wertsteigerung von 200 Prozent oder noch mehr im Einzelfall erreichen und den Markt deutlich übertreffen. Aber wie gesagt, es ist eher Glück…

Also lieber Einzelaktien statt ETF?

So einfach mache ich es mir dann aber auch nicht. Einzelaktien haben den Vorteil, dass man mit ihnen den Markt übertreffen kann. Bei einem Anlagehorizont von 20 Jahren + wird dies aber wohl nicht durchgehend jedes Jahr möglich sein. Zudem gehört viel Depotpflege und damit verbunden Transaktionen dazu, um ggf. den Markt zu schlagen. Transaktionskosten mindern deine Rendite, sind daher ebenfalls fatal.

Einzelaktien verursachen aber im Gegensatz zu ETF keine laufenden Kosten. Einmal im Depot bleiben sie da bis zum Sankt Nimmerleinstag (oder bis das Unternehmen pleite geht). Sie verursachen zwar einmalige Kaufkosten, aber sorry, um die kommt man einfach nicht herum. Diese fallen auch bei ETF immer an.

Stichwort Diversifikation: Mit einem ETF auf den MSCI World kaufst du dir 1600 Unternehmen mit nur einem Wertpapier ein. Eine breitere Streuung ist fast nicht machbar. Preis dafür ist, dass du auch viele „Müll-Unternehmen“ mit drin hast, die du so sonst nie kaufen würdest.

Bei Einzelaktien ist es enorm wichtig, dass du dich selbst um die Diversifikation kümmerst. Wie viele Einzelaktien ausreichend sind, variiert von „Experte“ zu „Experte“. Manche sprechen von 100 Unternehmen, die man kaufen sollte, andere von 20-30. Aus dieser Diskussion halte ich mich persönlich raus. Ich denke, dass es das wichtigste ist, viele Branchen abzudecken. Wenn jemand 20 Banken kauft, ist das natürlich nicht diversifiziert. Genauso wenn jemand nur Autoaktien kauft. Wenn man aber Konsum-Aktien, Auto-Aktien, Nahrungsmittel-Aktien, Energieversorger, Telekommunikationsunternehmen und Minenaktien mischt, kann dabei eine sehr gute Diversifikation rauskommen, die vielleicht sogar den Markt schlägt.

Was also tun?

Die Mischung machts

Nachdem ich nun lange Zeit darüber nachgedacht habe, um meine Strategie zu verfeinern, habe ich mich persönlich erstmal für einen kombinierten Ansatz entschieden. Ich habe keine Ahnung, ob mich die „Experten“ mit der Strategie in der Luft zerreißen, ist mir aber auch egal. Meine Mischstrategie sieht folgendermaßen aus:

  • 1-3 ETF per Sparplan besparen (MSCI World, MSCI EM, Dividenden-Index)
  • 20-25 Einzelaktien per Sparplan besparen

Wieso mache ich das?

Durch die 3 ETFs habe ich den Markt in meinem Depot. Will heißen ich habe eine gewisse Grundsicherung, mein persönliches „Core-Depot“. Diese ETF gehen mit dem Markt und verursachen oben genannte laufende Kosten. Da die ETF aber noch weit davon entfernt sind, mir wirklich Schmerzen zu bereiten hinsichtlich der Kosten, lasse ich sie die nächsten Jahre einfach weiterlaufen. Der dritte ETF schüttet vierteljährlich Dividende aus, die anderen beiden sind Thesaurierer (was der Unterschied ist, siehe hier).

Die Einzelaktien von ausgewählten Unternehmen bescheren mir regelmäßige passive Dividende und ggf. profitiere ich von Kurssteigerungen. Ich werde damit zwar nicht den Markt übertreffen (im Einzelfall vielleicht doch?), aber der ist ja sowieso mit den ETF schon im Depot. Wenn ich mit der einen oder anderen Aktie den Markt schlage, umso besser. Das zieht dann ggf. meine Gesamtrendite mit über den Durchschnitt der ETF mit hinaus. Die Dividende werden in Einzelaktien reinvestiert und sorgen für den wichtigen Zinseszinseffekt. Die ETF sind zum Teil thesaurierend, sorgen somit auch für einen optimalen Vermögenszuwachs, allerdings ohne mir passives Einkommen zu bescheren.

Sollten die ETF irgendwann eine kritische Größe erreicht haben wo mich die laufenden Kosten dann wirklich stören, kann ich diese immernoch verkaufen und auf die Einzelaktien verteilen und dadurch die Dividende erneut boosten.

Krieg der Welten

Ob man nun Einzelaktien oder ETF wählt, ist meistens auch einfach eine Glaubensfrage. Es gibt Fachliteratur, die mal die eine Strategie verfolgt und die andere verteufelt und umgekehrt. Die angeführten Argumente sind hierbei stets einleuchtend. Somit sieht es auch die Fachwelt nicht einheitlich, was es für den Privatanleger nicht unbedingt einfacher macht.

Position pro ETF / contra Einzelaktien:

Position pro Einzelaktien / contra ETF:

Fazit

Mit dieser meiner Verfahrensweise fahre ich bislang sehr gut. Wenn ich mich aber dafür entscheiden müsste, mich von etwas zu trennen, dann wären es momentan wohl eher die ETF, anstatt meine Lieblinge, die Einzelaktien. Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass diese Strategie nicht mehr wirklich passiv ist. Da mir das Thema Investieren und die Beschäftigung damit aber ohnehin viel Spaß macht, schreckt mich auch der höhere „Pflegeaufwand“ des Einzelaktiendepots nicht wirklich.

Für Anfänger und faule Menschen, die sich ein „Allwetter-Depot“ einrichten möchten und sich anschließend nicht mehr groß darum kümmern möchten, denke ich trotz der laufenden Kosten, dass ein ETF-Portfolio nach Gerd Kommer für diese besser geeignet ist. Das ist aber nur meine Meinung.

Wie findest du den Ansatz und wie ist deine Meinung zum Thema Einzelaktien vs. ETF?

2 Kommentare

  1. Hallo,

    Sehr interessant. Fühlte mich gerade angesprochen. Der Text hätte von mir sein können 🙂 Genau das ist auch meine Strategie. Ich bin sicher kein Experte, habe aber nach über einem Jahr Information und Recherche dieses Jahr angefangen, aber meine Gedanken waren die gleichen. 2 ETFs als Basis, World und EM. Desweiteren dann die Dividendenstrategie mit Einzelaktien fahren (bis zu ca. 25 Stück) und einem Dividenden-ETF parallel dazu. Ich denke das ist ein sehr guter Kompromiss.

    Viele Grüße,
    Sacha

    1. Ja ich habe auch vieles ausprobiert und vieles wieder fallen gelassen, weil ich es auf Dauer (und das sollte ja beim Value-Investing das Ziel sein) vermutlich nicht durchhalten würde. Diese Strategie passt mir momentan perfekt und läuft weitestgehend auch automatisch. Bei Bedarf kann ich die Dividende aber auch benutzen, um stark abgestürzte Titel nachzukaufen, also auch selbst Hand anlegen. Gruß

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