Investitionen in Mintos gestoppt

Wie aufmerksame Leser wissen dürften, bin ich seit mehreren Jahren im Segment der P2P-Kredite investiert. Im Vergleich zu anderen Blogger-Kollegen, habe ich mich bei meinen Engagements jedoch ausschließlich auf die Plattform Mintos* beschränkt. Ich wollte eine zu starke Diversifikation der Investment-Säule vermeiden. Zudem sollte die reguläre Börse mein Schwerpunkt bleiben. Also übersichtlich und simpel sollte es bleiben.

Mintos hat mir hierbei über die Zeit ein schönes passives Einkommen beschert. Doch wie so vieles, endet nun auch vielleicht auch diese Ära für mich langsam. Zu meinen Gründen komme ich weiter unten.

In erster Linie hat meine Entscheidung nichts damit zu tun, dass ich inzwischen an P2P-Krediten zweifle. Im Gegenteil, ich finde sie nach wie vor einen sehr interessante Art des demokratischen Investierens. Wo sonst kann man Privatleuten seriös Geld gegen Zinsen zur Verfügung stellen?!

Zur Erinnerung: Was war das nochmal mit Mintos?

Für alle neuen Leser nochmal ein kurzer Abriss darüber, was Mintos ist und wie P2P-Kredite grundsätzlich funktionieren:

Letztendlich überweist du an die Plattform Geld. Dieses Geld wird dann an Kreditnehmer über Darlehensanbahner verteilt. Kreditnehmer können Privatpersonen oder Firmen sein. Die Kreditarten reichen von Konsumkrediten, über Auto-Kredite bis hin zu Unternehmenskrediten. Für dein zur Verfügung gestelltes Geld bekommst du als Investor dann Zinsen von den Kreditnehmern bzw. über die Plattform zurück. Die zu erwartenden Zinsen pendelten hierbei stets zwischen 9-13 % p.a.. In Zeiten von Niedrigzinsen also ein sehr verlockender Wert und damit hochattraktiv. Gerade durch die üppig bemessenen Zinsen haben sich in den letzten Jahren P2P-Plattformen zu wahren Publikumslieblingen gemausert.

Als Investor brauchtest du dich im Grunde dann nur noch zurücklehnen und dich über das verdiente Geld freuen. Teilweise existierte auch noch eine Rückkaufgarantie, sodass das Risiko für dich als Investor zusätzlich relativ überschaubar blieb. Mintos kaufte also die ausgefallenen Kredite zurück und du hast dein Geld trotzdem zurückbekommen. Grundsätzlich hatte ich leider schon immer Bedenken, wie nachhaltig die Investments auf Mintos aufgrund solcher Regelungen sein können (siehe Artikel hier). Daher habe ich die Investments hierein auch stets als „Spielgeld“ betrachtet.

Wenn Kreditnehmer generell nicht zahlen konnten/wollten, kümmerte sich Mintos auch noch gleich um die Beitreibung der offenen Forderungen und machte dies dann auch im Cockpit der Plattform transparent. Hier kannst du nachvollziehen, welche Kredite in Verzug sind. Gerade diese Dienstleistung machte Mintos recht attraktiv für mich. Doch dann kam Corona.

Was hat sich geändert?

Nun, Corona direkt die Schuld zu geben, wäre vielleicht nicht ganz korrekt. Warum ich mit Mintos ab sofort etwas vorsichtiger sein werde, hängt mit den neuen AGBs der Plattform zusammen, die am 12.08.2020 in Kraft getreten sind. Ich persönlich gehe aber davon aus, dass der Corona-Crash im März und der Lockdown schuld an den neuen AGBs sind. Die Zeiten werden nunmal rauher. Das ist aber nur meine Meinung.

In der Ziffer 10.4 der neuen AGBs wird nämlich eine folgenschwere Änderung angekündigt, die eben diese oben genannten Dienstleistungen seitens Mintos betrifft. Dort heißt es:

10.4. The User acknowledges that in case the Loan Originator or other party mentionedin the Assignment Agreement does not make payments to Mintos when they are due, Mintos may incur costs, including external legal fees, when taking actions as an authorized representative of the Assignees which such actions are aimed at recovery of funds for the Assignees, restructuring of the payment obligations towards the Assignees, or taking other actions which are aimed at achieving payments being made to the Assignees with respect to their Claims. The Users acknowledge that Mintos is entitled to compensation of such reasonable costs incurred as authorized representative of the Assignees and agree to compensate Mintos such costs. Mintos shall in each case inform the Usersabout the costs which should be compensated by the Users prior to their compensation.

Mintos-User Agreement, Stand: 14.08.2020

Die relevanten Stellen habe ich fett markiert. Letztendlich bedeutet es, dass Mintos den Investor zukünftig an den Kosten der Beitreibung (Rechtsanwaltskosten, Einholung von Auskünften, andere Kosten die auf Seiten der Plattform entstehen) beteiligen kann und wird. Sprich: Die Kosten mindern deine Rendite. Da gerade Rechtsstretigkeiten langwierig und teuer sein können, könnte auch die Rendite bei großflächigen Ausfällen spürbar leiden.

Droht massiver Zahlungsausfall?

Wie gesagt, ein direkter Zusammenhang mit der Corona-Krise und den Lockdown-Maßnahmen sind reine Spekulation meinerseits. Man könnte auch sagen: Bauchgefühl. Aber letztendlich genügt gesunder Menschenverstand, um sich folgende Kausalkette bewusst zu machen:

Kreditnehmer von Mintos verlieren ihre Jobs und können die Raten nicht mehr zahlen–> Kredite platzen –> Darlehensanbahner geraten in Schieflage –> der Plattform entstehen hohe Rechtskosten bzw. die Darlehensanbahner brechen weg–> der jeweilige Investor wird belastet und kehrt der Plattform den Rücken –> Mintos geht Pleite.

Da ich davon ausgehe, dass wir auch Stand heute noch nicht das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen durch Corona gesehen haben, macht mich dies umso vorsichtiger. Bei P2P-Krediten muss man nämlich wissen, dass die Gläubiger teilweise deutlich höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen müssen, als letztendlich bei den Investoren ankommt. Bei mir kommen also knapp 12% Rendite p.a. an. Zahlen muss der Gläubiger aber vielleicht 20% Darlehenszinsen. Nun, bei guter wirtschaftlicher Entwicklung, gerade in den auftrebenden Emerging Markets, aus denen diese Kredite oft kommen, alles kein Problem.

Mintos ist in meinen Augen daher in erster Linie ein Schönwetter-Investment, ideal für die vergangenen 10 Jahre Wirtschafts-Boom. Wenn es aber wirtschaftlich wieder abwärts geht oder stagniert, kann sich der Wind sehr schnell drehen. Wenn die Gläubiger arbeitslos werden, können sie auch die Kredite nicht zurückzahlen. Dies dürfte eine Kettenreaktion in Gang setzen, wie seinerzeit bei Lehman und den ImmobilienKrediten der Amerikaner.

Meine aktuelle Rendite

So unerfreulich die neuen AGBs auch sein mögen, in den knapp 3 Wochen ihrer Gültigkeit haben sie bislang meine Rendite noch nicht spürbar gemindert. Gut möglich also, dass nicht alles so schlimm kommen muss, wie ich es hier im Worst-Case-Szenario in den Raum stelle.

Aktuell liegt meine Rendite bei 11,85 % p.a. (Stand: 31.08.2020). Du kannst dir also vorstellen, dass es sich bislang trotz allem ausgezahlt hat, dort investiert zu sein. Vor allem weil es mir nahezu Null Arbeit gemacht hat.

Ich möchte daher nun auch nichts überstürzen und panikartig irgendeinen Unsinn machen. Gut möglich, dass sich die AGBs nach Nutzerkritik auch wieder ändern oder bei Mintos anderweitige positive Nachrichten in naher Zukunft folgen.

Oder das Gegenteil tritt ein und die User ziehen in Scharen ihr Kapital ab. Dann dürfte die Plattform in Schieflage geraten und evtl. die ganze Blase platzen. In einem solchen Szenario würde ich dann auch eine Pleite von Mintos nicht kategorisch ausschließen.

Neue Investitionen gestoppt

Nichtsdestotrotz habe ich meinen Auto-Invest erstmal gestoppt. Das investierte Kapital bleibt bis zum Ende der jeweiligen Kreditlaufzeit auf der Plattform investiert. Einen vorzeitigen Verkauf auf dem Sekundärmarkt führe ich nicht durch. Hier möchte ich erstmal abwarten, wie sich die Plattform und die Rahmenbedingungen entwickeln.

Ich möchte nun hier auch nicht übertrieben ängstlich rüberkommen. In meinen Investments bin ich im Gegenteil eher offensiv-optimistisch. Nur so kann ich ja auch überhaupt erst in Kryptowährungen investieren.

Dennoch traue ich dem Braten nicht ganz. Nirgends gibt es Zinsen und sogar Deutschlands Wirtschaft schwächelt. Wieso dann ausgerechnet zum Beispiel ein albanischer Kreditnehmer von der Krise verschont bleiben soll und weiterhin seine 20% Zinsen zahlen können soll, erschließt sich mir hier nicht.

Daher heißt es für mich lieber erstmal die Chips vom Tisch nehmen und abwarten. Die bisherigen Gewinne habe ich ohnehin gesichert, sodass ich rechnerisch auch schon keinen Verlust mehr mit Mintos machen kann. Vielleicht ist dies auch ein Fehler und ich verhagele mir den Zinseszinseffekt. Kann auch gut sein.

Die Zeit wird es zeigen.

Konto bei Mintos kündigen?

Kleine Entwarnung vorab: Ich habe bislang nicht vor, mein Engagement in Mintos komplett zu beenden, sprich mein ganzes Geld abzuziehen und mein Konto dort zu schließen. Ich lasse jetzt einfach mal den Testballon starten und schaue, wie lange es dauert, bis mein Geld komplett und vollständig wieder für neue Investitionen verfügbar ist.

Dann schaue ich mir die eventuell abgezogenen Rechtskosten an und entcheide dann neu über eine weitere Anlage. Wenn diese Kosten für mich aber nicht mehr im Verhältnis zu der Rendite stehen, dann verlasse ich die Plattform komplett. Immerhin hätte ein einfacher Sparplan auf den NASDAQ 100 in den letzten 5 Jahren mehr Rendite gebracht als Mintos, bei weitaus weniger Risiko und größerer Transparenz.

Ganz aufgeben möchte ich aber trotzdem noch nicht, vielleicht kriegt Mintos ja doch die Kurve und die von mir erwähnte Insolvenzwelle entpuppt sich nur als Sturm im Wasserglas.

Wechsle ich auf andere Plattformen?

Möglich wäre natürlich auch, dass ich mir eine andere P2P-Plattform raussuche und fortan über diese investiere. Dies möchte ich mir ausdrücklich auch vorbehalten, allerdings habe ich aktuell nicht vor, den Bereich P2P wieder stärker zu gewichten. Andere Säulen meiner Investments sind hier viel stabiler, lukrativer und im Endeffekt auch sicherer.

Alleine die Entwicklungen der Krypto-Assets sind hier über allen Zweifel erhaben. Und wie gesagt: Selbst ein stupider ETF-Sparplan auf den NASDAQ 100 hätte die Netto-Performance von Mintos geschlagen.

Also warten wir die Zukunft und die Entwicklung auf dem P2P-Markt ab. Ich werde auf jeden Fall nachberichten, wie sich mein Engagement in Mintos weiterentwickelt.

2 Kommentare

  1. Hi Andreas,

    in welche P2P Plattformen bist du aktuell noch investiert bzw. siehst eine Alternative neben Mintos (und Bondora?).
    Ich habe mein Mintos Autoinvest auch erstmal gestoppt, da der „pleite“ Herbst noch kommen kann.

    Gruß Steven

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