Kann man mit einem passiven Investment den Index schlagen?

Heute soll es einmal um ein auf den ersten Blick unlogisches Thema gehen. Nämlich darum, mit einem rein passiv aufgestellten Portfolio den Index zu schlagen. Was im ersten Moment tatsächlich wie ein Widerspruch in sich erscheint, möchte ich im nachfolgenden Beitrag einmal näher erörtern. Ich stelle ein solches Portfolio vor und möchte es dann auch in der Folgezeit als Musterdepot verfolgen. Aber fangen wir von vorne an: Worum geht es genau?

Die Meisterdisziplin: Den Index schlagen

Überall wenn man sich mit dem Thema Finanzen, Börse und Investment beschäftigt, gerät man früher oder später zu dieser einen Frage: Ist es überhaupt möglich, langfristig den Index zu schlagen?

Kaum ein Thema wird in Fachblättern, Communities, in Blogs oder Social-Media-Kanälen heißer diskutiert. Die Fronten sind teils ziemlich verhärtet. Tatsächlich dürfte es sich um eines der am meisten diskutierten Themen handeln. Vermutlich zusammen mit anderen heißen Eisen wie

Ich werde mich hüten, mir hier ein fachmännisches Urteil zu erlauben. Auch ich kann nur verschiedene Positionen widergeben, wie zum Beispiel die von Gerd Kommer als strikter Vertreter des passiven Investierens, da die meisten Fondsmanager angeblich an der Aufgabe scheitern.

Dennoch gelingt es auch vielen Fondsmanagern, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Sogar nach Gebühren. Von daher dürfte die Wahrheit wie immer in der Mitte liegen.

Den Index schlagen: Alles nur Glück?

Ich würde mich dennoch aber aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass viele Klein- und Privatanleger den Index mit Stockpicking eher aus Glück schlagen und vermutlich nicht nachhaltig über Jahrzehnte schlagen werden.

Dies ist auch weitestgehender Konsens meiner Finanzblogger-Kollegen. Zumindest bei denjenigen, die nicht über die letzten 2 Jahre zu Tech-affinen Einzelwert-und Gaming-Wasserstoff-China-Aktien-Zockern mutiert sind.

Ziel dieses Experimentes soll aber sein, einen Index langfristig zu schlagen. Und das halbwegs passiv. Sei es als Einmalanlage oder im Sparplan. So ein Depot habe ich rein spaßeshalber als Musterdepot angelegt und werde es einmal die kommenden Jahre auf seine Performance hin tracken. Hierbei beschränke ich mich ausschließlich auf die Wertsteigerung. Wenn Ausschüttungen erfolgen, dann nur als ein kleiner „Bonus“ on top. Diese werden dann so behandelt, als würden sie in den Grundwert reinvestiert.

Ziel soll eine deutlich zweistellige Rendite oberhalb des MSCI World sein.

Los geht es: Die Kriterien des Portfolios

Mein Experiment soll nachfolgende Parameter erfüllen:

  • Rein passiv als Buy-and-Hold ausgelegt.
  • minimaler Zeitaufwand
  • Langfristig zweistellige Jahrerenditen
  • Schwerpunkt liegt auf ETFs, aber nicht ausschließlich
  • Kein Rebalancing. Nie. Never.
  • Ziel: Den Index schlagen (MSCI WORLD), in guten wie in schlechten Börsenzeiten
  • Dennoch breit aufgestellt sein und eine große Streuung erreichen
  • Ziel ist der Vermögenszuwachs, nicht die Erreichung eines passiven Einkommens (wie du das auf simpelste Art und Weise mit ausschüttenden ETFs erreichen kannst, habe ich dir in diesem Artikel bereits vorgestellt)

Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass das Experiment genauso gut schief gehen kann. Zudem wirst du gleich feststellen, dass manche Positionen im Test-Depot durchaus risikoreich sind und die Gefahr eines Totalverlustes bei manchen Positionen durchaus gegeben ist.

Auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Positionen gehe ich dann aber weiter unten noch ein.

Wieso mache ich solch ein Experiment?

Bevor wir zu den einzelnen Positionen kommen, möchte ich dir noch kurz erläutern, wieso ich solch ein Experiment überhaupt durchführe. Wie du mittlerweile wissen solltest, fahre ich in meinem Depot aktuell einen Core-Satellite-Ansatz. Dies bedeutet in etwa, dass ich einen Kern aus passiven, langfristigen ETFs gebildet habe und als Satelliten darum noch zahlreiche Einzelaktien schwirren. Diese sind sowohl Dividenden-Aristokraten, wie auch Wachstumsaktien.

Genau in diesen Einzelaktien liegt der Hund begraben: Meine Zeit ist knapp und ich möchte das Lesen von Firmenbilanzen und Verfolgen der Unternehmen auf ein Minimum beschränken. Vor allem wenn es nicht dazu beiträgt, den Index zu schlagen. Es wäre sonst ein teures Hobby ohne Mehrwert. Bei einer großen Anzahl von Einzelaktien ist das sachgerechte Verfolgen der einzelnen Unternehmen kaum noch leistbar.

Immer mehr gerate ich daher ins Zweifeln, ob es durch Stockpicking auch in den nächsten Jahren noch möglich sein wird, einen Index zu schlagen. Zumindest für mich. Wenn ich mich abmühe und trotzdem jeder simple ETF-Sparplan auf den MSCI World mein Depot schlägt – wozu dann das Ganze?!

Zweifel an Einzelaktien

Zugegeben in den letzten Jahren war dies kein Problem. Auch ich konnte den Index teilweise schlagen. Einfach ein paar (oder alle) US-Tech-Werte ins Depot und du hast bereits den MSCI World geschlagen (der auch überwiegend durch diese Unternehmen beeinflusst wurde und wird).

Gilt dies aber auch in den nächsten Jahren? Immerhin wird die Zeit, die Unternehmen in großen Indices verbringen kontinuierlich immer kürzer. Was passiert sonst noch durch Disruptionen auf der Welt? Hier scheint es dann nur rational, einfach passiv auf den Index zu setzen und sich zurückzulehnen. Der ETF bzw. Index mustert dann automatisch aus. Wer sagt, dass meine aktuellen Buy-and-Hold-Unternehmen als Satelliten in 10 Jahren überhaupt noch existieren?

Daher bin ich am Überlegen, den Fokus auf etwas mehr „passiv“ zu legen – ohne signifikant auf Rendite zu verzichten, im Idealfall sogar die Rendite zu steigern.

Aktuell sind dies aber nur Überlegungen. Ich habe aktuell noch keine Einzelaktien in größerem Stil verkauft. Auch weil ich kein Fan davon bin, die Investment-Strategie einfach über den Haufen zu werfen.

Was wenn mein aktuelles Core-Satellite-Depot in den kommenden Jahren den Index pulverisiert wenn die Tech-Werte out sind?! Fragen über Fragen.

So sieht mein Test-Depot aus

Kommen wir nun zu den einzelnen Positionen. Unter die Position schreibe ich dir kurz in Stichworten meine Gedankengänge dazu. Insgesamt besteht das Depot aus folgenden 11 Positionen, aufgeteilt in 3 Assetklassen bzw. Investment-Vehikel. Die WKNs habe ich dir auch dahinter geschrieben.

Bitte nicht den Fehler machen und das nachfolgende Depot als passives-Welt-Portfolio verstehen. Es hat vielmehr spekulative Ansätze, wettet auf Sektoren (Kryptos und Tech), Regionen (Emerging Markets) und Märkte (Edelmetalle). Sie haben somit wenig mit den Grundgedanken des globalen Indexing gemeinsam. Dies aber ganz bewusst.

[Haftungsausschluss: Dass nachfolgende Positionen auch keine Anlageempfehlung meinerseits darstellen, sollte sowieso klar sein. Ich betreibe hier keine Anlageberatung oder- empfehlungen und es bestehen keinerlei Kooperationen mit den Anbietern, Emittenten oder Unternehmen nachfolgend. Jeder handelt auf eigenes Risiko und trägt hierfür auch die Verantwortung. Amen.]

Legen wir los:

ETCS und Zertifikate:

  • Gold-ETC – EWG2LD – 10.000 Euro

Inflationsschutz; Gold als Krisenmetall und das „ultimative Geld“; Gelddrucken der Notenbanken könnte Gold in die Karten spielen -> Goldenes Jahrzehnt?; Reduzierung der Schwankungen im Depot; Langfristiger Optimismus gegenüber Gold (besonders in Krisenzeiten)

vermutlich Underperformance

  • Silber-ETC – A1E0HS – 10.000 Euro

Ähnlich wie Gold; Historisch jedoch schlechtere Performance und teilweise mehrere Jahre ohne Rendite; Silber als Industriemetall hat Aufholchancen gegenüber Gold; langfristiger Optimismus gegenüber Silber (siehe auch Artikel hier)

vermutlich Underperformance

  • Bitcoin-ETC – A3GKGK – 10.000 Euro

Bitcoin als Asset-Klasse und Wertspeicher; Gefahr des Totalverlustes falls der Bitcoin abraucht; mathematisch begrenzte Anzahl; eher Spekulation auf die Zukunft. Im besten Fall exorbitante Rendite – oder Totalverlust; Emittentenrisiko

vermutlich Outperformance

  • Ethereum-ETC – A3GQ45 – 10.000 Euro

Ethereum als globale Nummer 2 der Kryptos; großes Potential im Bereich der Smart-Contracts; ansonsten gilt das Gleiche wie bei Bitcoin: Totalverlust oder exorbitante Rendite; Emittentenrisiko

vermutlich Outperformance

ETF-Anteil:

  • FTSE All-World (thesaurierend) – A2PKXG – 40.000 Euro

Mein Klassiker der Altersvorsorge. Repräsentiert beinahe die gesamte Welt-Wirtschaft in einem günstigen ETF. Näheres in diesem Artikel.

vermutlich Performance ähnlich MSCI World

  • NASDAQ 100 (thesaurierend) – A0YEDL – 20.000 Euro

Technologie-Anteil des Depots; Pusht die Rendite des FTSE All-World; trägt dazu bei, den Index zu schlagen (MSCI World); langfristige Chancen für Tech und Growth, wenngleich auch Risiken bestehen (Sektor- und Länderwette)

vermutlich Outperformance

  • MSCI Emerging Markets (thesaurierend) – A12GVR – 20.000 Euro

Emerging Markets als Chance der kommenden Jahre mit Aufholpotential; Chancen auf Outperformance des MSCI World oder: Gefahr der Underperformance

vermutlich Outperformance

  • Global Quality Dividend Growth-ETF (thesaurierend) – A2AG1E – 20.000 Euro

Schlug in der Vergangenheit den MSCI World; bietet Chancen in der Zukunft, sobald der Trend wieder zu Value und weg von Growth/Tech geht

vermutlich Outperformance

Einzelaktien:

  • Danaher – 866197 – 20.000 Euro

„Quasi aktiv verwalteter Fonds als Aktie“; langfristige Outperformance des S&P 500 und somit auch des MSCI World; pusht die Rendite über MSCI World

vermutlich Outperformance

  • Berkshire Hathaway – A0YJQ2 – 20.000 Euro

„Quasi aktiv verwalteter Fonds als Aktie“; Immer wieder mal Outperformance des S&P 500 und somit auch des MSCI World; in den letzten Jahren eher schwächer als S&P 500; Aber: Chancen für die Zukunft; pusht die Rendite über MSCI World

vermutlich Outperformance

  • Investor AB – A3CMTG – 10.000 Euro

„Aktiv verwalteter Fonds als Aktie“; deckt den skandinavischen Markt ab; dürfte wohl auch zukünftig gut performen, evtl. besser als MSCI World

vermutlich Outperformance

Startwert desTest-Depots: 190.000 Euro

Fazit: Den Index schlagen – Mission geglückt?

Wie bereits geschildert, werde ich dieses Depot nun erst einmal für die nächsten 3 Jahre beobachten und euch hier fortlaufend kleine Updates spendieren. Ich hoffe sehr, dass in der Zeit auch größere Korrekturen stattfinden. Zu gespannt bin ich, wie der Gesamtwert dieses Depots dann schwanken wird.

Letztendlich kann ich viel in die Zukunft schauen ud prognostizieren, aber zeigen wird es der Markt. Besonders interessant wird sein, wie sich die Krypto-ETCs schlagen werden und ob es diese in 3 Jahren überhaupt noch geben wird. Auch auf die Entwicklung der Edelmetalle bin ich sehr gespannt. Sollte Silber tatsächlich langfristig auf 150 Dollar steigen (wie manch einer voraussagt), dann würde sich alleine der Silber-ETC bei einem aktuellen Silberpreis um die 20 Dollar im Wert knapp verachtfachen (aus 10.000 Euro würden dann 80.000 Euro).

Auch wenn in diesem Jahrzehnt Gold auf 5000 Dollar steigen sollte, wäre dies eine Verdopplung der Position. Von 10.000 Dollar ganz zu schweigen (auch dies errechnen einige schlaue Köpfe!). Definitiv spannend!

Wie ist eure Einschätzung zu diesem Depot? Kann man damit zuverlässig den MSCI World schlagen? Welche Ideen hättet ihr, um den Index zu schlagen? Was würdet ihr anders machen?

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