Teure Lektionen: Meine Börsenfehler mit der Deutsche Bank Aktie
Überall, vor allem wenn man neu ist an der Börse, liest man gerne die Floskel, man müsse zuerst „Lehrgeld“ zahlen, ehe man richtig gut und erfolgreich würde. Heute möchte ich dich mal an meiner bislang turbulentesten Odyssee an der Börse teilhaben lassen und wo ich besonders großes Lehrgeld gezahlt habe. Und viel wichtiger: Wie es ausging, meine Börsenfehler und wie ich vielleicht noch die Kurve gekriegt hätte, wäre ich kein Feigling gewesen. Im Zentrum dieser Geschichte: Die Deutsche Bank Aktie.
Deutsche Bank Aktie – Aus der Krise, in die Krise. Und ich mittendrin
Wir schreiben das Jahr 2014. Ich war zwar schon länger an der Börse tätig, bislang aber hauptsächlich mit aktiv gemanagten Fonds und hin und wieder mal eine geringfügige Position in Einzelaktien. Teilweise nur im dreistelligen Bereich. Da ich damals noch satte 9 Euro pro Transaktion zahlte, kannst du dir selbst vorstellen, wie erfolgreich ein Handel im dreistelligen Bereich unter dem Strich gewesen sein dürfte.
Das war jedenfalls der Ausgangspunkt. Ich habe Börsenberichte gelesen und mich eher schlecht als recht informiert. Damals hielt ich es dann tatsächlich für eine gute Idee, satte 20.000 Euro auf einmal mittels Einmalkauf in die Aktien der Deutschen Bank zu investieren.
Die Aktie rentierte hier gerade bei ca. 29 Euro (2014).
Sie kam aus einem mehrjährigen Tief bei ca. 14 Euro (Finanzkrise 2008/2009) und war seit der Krise wieder bis auf 43 Euro angestiegen (2010). Ich ging somit von einer Zwischenkorrektur (40 auf 29 Euro) aus und sah es als „goldene Gelegenheit“ und unter dem Aspekt Rendite/Risiko her auch stimmig.
Medialer Fokus auf die Deutsche Bank
Da die Aktie auch aufgrund CEO-Wechsel und Anpassungen des Investment-Geschäfts stark präsent in den Medien war, hielt ich es für eine ausgemachte Sache, dass sie absehbar und zeitnah wieder auf 40 Euro (mindestens!) steigen würde. Zugegeben, die Allzeithochs um die 87 Euro waren ebenfalls verlockend. Vielleicht kommen wir ja wieder da hin?! Damals wäre so ein Verdoppler für mich finanziell sehr gelegen gekommen. Ich zahlte damals noch die Schulden für meine selbst genutzte Eigentumswohnung ab und konnte das Geld auch nach meiner ersten Scheidung gut brauchen.
Umso mehr schmerzte mich dann der Verlust eines Großteils meines Einsatzes. Aber dazu kommen wir noch.
Blauäugig wie ich war, bin ich also dann mit besagter Summe bei etwa 29 Euro in die Aktie eingestiegen. Selbst wenn sie korrigiert: Immerhin bleibt mir ja dann die stattliche Dividende, selbst wenn es mit dem Verdoppler dann ein paar Jahre dauern würde – die Dividende wäre ein gutes Trostpflaster.
Doch es kam anders.
Börsenfehler Nr. 1: Aktie kaufen ohne zureichende Analyse der Fundamentaldaten und auf das Prinzip „Hoffnung“ setzen. Auch genannt: „Blindes Zocken“.
Die Abwärtsspirale beginnt…
Die Aktie schaffte es leider nicht aus den negativen Schlagzeilen. Nahezu täglich fanden sich auf Börse-Online oder dem Aktionär negative bis vernichtende Berichte mit stets neuen Hiobsbotschaften.
Die Aktie fiel und fiel. Es gab Kapitalerhöhungen, mein Einstieg wurde dadurch verwässert.
Es eskalierte weiter und die Dividende wurde sogar gestrichen bzw. bis auf das absolut Nötigste gekürzt (sie war kaum noch der Rede wert). Die Dynamik nahm Fahrt auf. Sogar die sicher geglaubten Ausschüttungen somit – weg.
Immer wieder gab es auch kurze Erholungen, jedoch habe ich meinen Einstiegspreis von 29 Euro über die Folgejahre nie mehr gesehen. Sofort wäre ich raus gegangen und hätte erleichtert gefeiert.
Was also tun? Klar! NACHKAUFEN und verbilligen. Zwischenzeitlich hat man ja neues Cash und kann sich mehr leisten (Anm: das war etwa 3-4 Jahre später).
Gesagt getan. Die Aktie war so stark gefallen, dass ich sie bei ca. 10,50 Euro im Jahre 2016 in großem Stil nachkaufte und meinen Einstiegskurs dadurch auf ca. 20 Euro verbilligte. Ich wollte retten was zu retten ist. Einen Fehler gemacht zu haben? Gestand ich mir nicht ein.
„Sobald sie die 20 Euro wieder erreicht, werde ich Plusminus Null aussteigen und daraus lernen“ war meine Devise. Hauptsache keinen Verlust (von den Opportunitätskosten durch entgangene andere Gewinne mal abgesehen).
Börsenfehler Nr. 2: Verbilligen ohne Plan und Strategie
Jahre des Siechtums – Deutsche Bank Aktie als Trauerspiel
Die Position war im Verlust und würde es wohl bleiben. Ich baute parallel um die Aktie ein neues Depot, frei nach den Lehren und Kenntnissen der Bücher hier auf. Hier entstand dann auch die Idee für diese Webseite. Ich half mir selber, sog Wissen in mich auf, setzte die Erkenntnisse auch tatsächlich um und profitierte nach kurzer Zeit. Ich war begeistert! Gewinn geht also doch! Davon sollten auch andere profitieren! Insofern war die Deutsche Bank Aktie in gewisser Weise mit verantwortlich für diesen Blog.
Das Gesamtdepot wuchs, entwickelte sich positiv. Der Schandfleck Deutsche Bank blieb jedoch. Dieses tiefe Rot fraß sich tagtäglich in mein Auge. Diese eine Aktie bremste die Gesamtperformance, weil sie eben ein ziemlicher Klumpen war.
Die Aktie war zwischenzeitlich so stark gefallen, dass ich weiter nachkaufte in Form eines Sparplanes (da ich keine größere Summen Cash mehr hatte – Gott sei Dank!). Schlimmer geht’s immer…
Börsenfehler Nr. 3: Wiederholung des Fehlers Nr. 2 - automatisiert als Sparplan
Egal wie stark mein FTSE All-World im Plus rangierte, die Aktie der DB belastete mein Depot und zugegeben auch mein Ego weiter.
Es folgten dann Jahre des Verlustes mit der Aktie. Die Aktie fand einfach nicht aus den Schlagzeilen. Im Jahr 2020 fiel sie sogar auch knapp 5 Euro aufgrund der Pandemie. Es gab zahlreiche (auch ernstzunehmende / seriöse) Stimmen, die gar vor einer Insolvenz der Deutschen Bank oder Verstaatlichung analog der Commerzbank damals sprachen und mir somit womöglich einen Totalverlust in Aussicht stellten.
Börsenfehler Nr. 4: Sich durch aufgeregte Börsenberichterstattung verrückt machen lassen
Weiter warf ich schlechtem Geld gutes Geld hinterher (Sparpläne), nur um irgendwie wieder Null auf Null rauszukommen und meinen Fehler wieder „gut zu machen“.
Der Schlussstrich
Da es im Prinzip im Zeitraum 2018 bis 2024 bei der Deutschen Bank nahezu nur bergab ging bzw. seitwärts, sah ich kein Licht mehr am Ende des Tunnels und entschied mich dazu, die Reißleine zu ziehen und meine Positionen zu einem Kurs von ca. 7,50 Euro auf den Markt zu werfen. Seitdem bin ich raus aus der Aktie und bislang nie wieder gekommen.
Börsenfehler Nr. 5: Am Hochpunkt kaufen, am Tiefpunkt verkaufen.
Es lässt sich somit festhalten, dass ich die Aktien bei einem Kurs von 29 Euro gekauft habe. Diesen Kurs sahen sie während meiner gesamten Haltedauer von 2012 bis etwa 2022 tatsächlich nie wieder. Ich verbilligte den Einstieg auf ca. 20 Euro und gab dann unweit des Allzeittiefs bei 7,50 Euro auf und verkaufte. Damals rechnete ich mit einem Fall auf „Null“ (danke liebe Börsenmedien!) und wollte retten was noch zu retten war.
Was wäre wenn?…
Heute schreiben wir das Jahr 2026. Die Deutsche Bank notiert heute (09.02.2026) bei 31,48 Euro.
Mein Ersteinstieg (29 Euro) wäre somit nach ca. 12 Jahren Haltedauer nun doch wieder im Gewinn und ich wäre aus der Nummer rausgekommen. Mit ein wenig Dividende, aber hohen Opportunitätskosten. Aber immerhin ohne tatsächliche Verluste.
Nach Verbilligen auf 20 Euro wäre ich stand heute sogar dick im Gewinn. (20 Euro -> 31,48 Euro -> 57,4 % Kursgewinn). In Anbetracht einer Zeitdauer von fast 12 Jahren immerhin eine Rendite von knapp 4,78 % p.a. – ohne Dividende. Diese wird inzwischen auch seit Jahren wieder gezahlt.
Börsenfehler Nr. 6: KEIN Buy and Hold betrieben
Hätte ich Eier aus Stahl gehabt und die Sache wie Tim Schäfer gehandhabt und schlichtweg nie verkauft, dann wäre ich heute sogar mit der Deutschen Bank Aktie wieder im Gewinn. Dieser Gewinne wächst womöglich weiter oder ich könnte nun mit gutem Gewissen und Genugtuung aussteigen.
Spätestens wenn die Deutsche Bank in 20 Jahren bei 100 Euro rangiert, würde ich mich über den entgangenen „Fivebagger“ ärgern…
Fazit und meine Lehren:
Die Deutsche Bank war meine Achillesferse. Jahrelang trieb mich diese Aktie in den Wahnsinn. Als damals noch mit Einzelaktien Unerfahrener verlor ich in Summe viel Geld mit der Aktie. Mein Verlustverrechnungstopf (Aktien) rangierte lange Zeit im Minus. Immerhin konnte ich dadurch steuerfreie Gewinne aus anderen Aktientransaktionen gegenrechnen. Leider aber keine Gewinne aus ETF, wo meine Hauptgewinne herrührten.
ETF sind ein gesonderter Verrechnungstopf, wie ich auch damals schmerzlich feststellen durfte. Leider hatte dies zur Folge, dass ich den negativen Verrechnungstopf lange mit mir führte. Ich sah es jedoch als Warnung an und bin aus heutiger Sicht auch recht froh über meine Erfahrung mit der Deutschen Bank.
Alleine wenn du diese Zeilen liest und du gerade feststellst, dass du mit einer deiner Positionen in einer ähnlichen Situation sein könntest (Tesla? Palantir? Oder gar Bitcoin?) helfen dir vielleicht meine Erfahrungen.
Ich habe für mich daraus mitgenommen: Entweder klar mit Stops agieren und rechtzeitig aussteigen oder radikal bis zum Schluss halten („Buy and Hold extreme“) und erst dann verkaufen, wenn ich dazu gezwungen werde bzw. die Position als wertlos aus meinem Depot ausgebucht wird.
Natürlich rate ich dir eher, vorher auszusteigen, um hohe Opportunitätskosten zu vermeiden. Dann hättest du nicht wie ich nahezu alle Börsenfehler nach Lehrbuch begangen.
Hast auch du so ein Kryptonit in deinem Depot? Um welchen Wert handelt es sich bei dir?