Verschuldung in Deutschland

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Deutschlands Schuldner: Dispo, Kredite, Überziehung und Verschuldung

Immer mehr Deutsche haben Schwierigkeiten damit, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Und das obwohl die Wirtschaft bereits seit Jahren einen Aufschwung verzeichnet und die Kaufkraft bundesweit steigt. Verschuldung nennt man das Unvermögen von Schuldnern, ihre Verbindlichkeiten an die jeweiligen Kreditgeber zu bedienen. Aber wie ist das möglich, wenn doch überall von Deutschlands Wirtschaftsstärke die Sprache ist?

Nunja, von dem Wirtschaftsaufschwung hat hierzulande leider nicht jeder etwas – und ein Blick auf unsere Nachbarn zeigt: Überschuldung ist durchaus auch ein ernstzunehmendes europäisches Problem. Vor allem in den Südländern sieht die Lage der Privathaushalte alles andere als rosig aus. Die Gründe sind vielfältig und liegen unter anderem auch in den Höhen der Überziehungszinsen der jeweiligen Länder.

Jedoch haben nicht nur Privathaushalte ein Problem mit Verschuldung, auch die Staaten verschulden sich leider immer mehr. Da kann hierzulande noch so oft die Mär von der schwarzen Null propagiert werden.

Natürlich aber auch an der dort herrschenden Politik des „lockeren Geldes“. Die EZB hat zu dieser Situation auch einen nicht unwesentlichen Anteil beigetragen. Warum dies meiner Meinung nach so ist, kannst du bei Interesse zum Beispiel in folgendem Video nachvollziehen:

Überziehungszinsen in der Eurozone – so viel zahlen unsere Nachbarn für Geld von der Bank

Ist das Konto leer, springt zunächst der Dispokredit ein. Schon dieser schlägt meist mit exorbitanten Zinsen zu Buche. Ist der Dispo-Rahmen ausgeschöpft, wird jedoch weiterhin Geld vom Konto abgebucht, werden Überziehungszinsen fällig. Und die übertreffen die ohnehin schon hohen Dispozinsen noch.

Bestandsaufnahme in Europa

Im Durchschnitt zahlt man in Deutschland für die Überziehung des Girokontos 8,21 Prozent Zinsen. Im europäischen Vergleich sind wir da noch sehr moderat. In Lettland zum Beispiel werden mit 21,8 Prozent der absolute Höchstsatz fällig. Estland verlangt im Durchschnitt 16,31 Prozent, die Slowakei 14,18 Prozent.

Weniger Zinsen als in Deutschland werden lediglich in Griechenland, Belgien und Finnland fällig. Die Skandinavier berechnen 6,29 Prozent.

Wenn sich die Verschuldung in Deutschland weiter so entwickelt, könnte sie bald ein Niveau erreichen, wie es sie sonst nur in den USA gibt. Hier gehört es ja (leider) fast schon zum guten Ton, einen College-Kredit oder einen viel zu hohen Kredit für eine Immobilie zu haben. Neben anderen Faktoren war dies auch eine der Ursachen der Finanzkrise von 2007/2008.

Ratenkredite: So entwickelten sich die Zinsen in den vergangenen Jahren

Anders als beim Überziehungskredit bleiben die Zinsen für einen klassischen Ratenkredit seit Jahren auf einem konstant niedrigem Niveau. Was genau ein Ratenkredit ist, kannst du bei Interesse in meinem Artikel über die unterschiedlichen Kreditarten nachlesen.

Noch im Jahr 2003 betrug der Zinssatz für langfristige Kredite mit Laufzeiten von mehr als fünf Jahren 8,87 Prozent. Überziehungskredite wurden mit durchschnittlichen 10,48 Prozent berechnet. Kurzfristige Ratenkredite kosteten die Verbraucher seinerzeit rund 6,69 Prozent Zinsen.

Vergleicht man die Zahlen mit denen von 2017, wird der Zins-Abschwung deutlich. Überziehungskredite werden mit 8,21 Prozent, langfristige Darlehen mit 6,63 Prozent und kurzfristige mit 4,49 Prozent berechnet.

Umschuldung kann sich lohnen

Die Zahlen machen auch deutlich: Wer knietief im Dispo steckt oder sogar regelmäßig Überziehungszinsen zahlt, kann mit einer Umschuldung des Kredits in aller Regel bares Geld sparen und hat so die Chance, der Schuldenfalle schneller zu entkommen. Die Zinshöhe für Ratenkredite liegt so gut wie immer unter denen eines Dispo- oder Überziehungskredits. Kurze Laufzeiten machen die Rückzahlung überschaubar und letztendlich den Schuldenberg kleiner – aus welchen Gründen dieser auch entstanden ist.

Wie ich schon an anderer Stelle bemerkt habe, können die Gründe für den Bedarf an einem Kredit durchaus berechtigt sein. Zu unterschiedlich sind doch die verschiedenen Lebensstile und persönlichen Schicksale. Daher betrachte ich das Thema Kredit auch nicht unbedingt negativ. Wie gesagt: Spätestens wer eine Immobilie erwerben möchte, kommt um einen solchen in der Regel nicht herum.

Überschuldung: So kann sie entstehen

Insgesamt waren im Jahr 2017 rund 6,9 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet – das ist etwa jeder zehnte Bürger. Vor allem die Schulden im Alter haben zugenommen, wohingegen die Schulden jüngerer Leute abnehmen. Die Gründe für eine Überschuldung sind vielfältig. Der Großteil derer, die ihre laufenden Kosten ohne Hilfe der Bank nicht mehr zahlen können, hat sich durch Arbeitslosigkeit verschuldet.

Mögliche Ursachen von Überschuldung

Rund 20 Prozent geben Arbeitslosigkeit als Grund an. Durch Krankheit, Unfall oder eine Suchterkrankung sind 15,3 Prozent der Deutschen in die Schuldenfalle geraten. Auch eine Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners können Gründe sein, das Konto überziehen zu müssen. Für rund 12,8 Prozent ist das der Fall. Eine unwirtschaftliche Haushaltsführung beklagen 9,4 Prozent, eine gescheiterte Selbstständigkeit 9,3 Prozent.

Fazit:

Überschuldung, somit die fehlende Möglichkeit, seine Schulden zu bedienen, ist ein schlimmes Schicksal, das im Prinzip Jeden treffen kann. Mich persönlich haben die recherchierten Prozentzahlen durchaus wieder in meiner Ansicht bestärkt, sich möglichst weit von Konsumkrediten fernzuhalten. Zumindest wenn irgend möglich.

Wenn man doch mal in der Schuldenmühle feststeckt, dann kann eine Umschuldung* durchaus Sinn machen. Wenn schon weiterhin Niedrigzinsphase herrscht, dann kann man auch ihre Vorteile mitnehmen.

Jedoch bitte in Maßen. Wenn schon Kredite, dann bitte von der anderen Seite aus, nämlich als Kreditgeber, anstatt Kreditnehmer. Beispielsweise ist das über Privatkredite und P2P-Plattformen (z.B. Mintos*) möglich, über die ich schon an anderer Stelle mehrfach geschrieben habe.

Wie stehst du zum Thema Verschuldung? Sollte man Kredite ausnutzen oder generell die Finger davon lassen?

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