Minimalismus als Lebensweg und Lebensstil

Derzeit beschäftige ich mich mit dem Thema Minimalismus und dem minimalistischen Lebensstil allgemein.

Wie komme ich dazu?

Nunja, ich bin der Meinung, dass wenn man sich intensiv mit seinen Finanzen auseinandersetzt und gewisse Ziele verfolgt (z.B. finanzielle Freiheit oder Unabhängigkeit), dann ist es meiner Meinung nach zwingend, sich auch gleichzeitig mit dem Thema Einnahmen und vor allem den Ausgaben zu beschäftigen. Jeder kennt ja den Spruch:

Reich macht dich nicht dein Gehalt, sondern das was davon abzüglich aller Lebenshaltungskosten/Ausgaben noch übrig ist und du für dich arbeiten lässt.

Daher erachte ich auch die Ausgabenseite für essentiell. In den Medien beobachte ich in letzter Zeit vermehrt Artikel über Minimalismus und den minimalistischen Lebensstil.* Diese Lebensweise soll toll und befreiend sein. Demnach scheinen sich immer mehr Menschen in Verzicht zu üben, teilweise durch die Motivation getrieben, die Welt zu retten oder zumindest ein Stück besser zu machen. Hier geht mein Blick wieder zur linksgrünen Pädagogik-Szene, die dort überproportional stark vertreten ist.

Minimalismus heißt Reduzieren

Aber was ist Minimalismus eigentlich genau? Befürworter dieses Lebenskonzeptes betrachten den Minimalismus gerne als „Entrümpeln“ des eigenen Lebens. Als Reduktion auf das Nötigste und gleichzeitige Fokussierung auf das Wesentliche. In diesen Menschen ist die Erkenntnis gereift, dass (vor allem materieller) Besitz auch lähmen kann. Vielleicht kennst auch du das Gefühl, wenn du zum Beispiel deine Garage betrittst und sich in allen Ecken Gerümpel angesammelt hat. Es liegt da einfach rum und wird wenn überhaupt nur sporadisch benutzt. Bei manchen Menschen führt dieser Anblick zu einem Gefühl des Gefesselt-Seins. Sie leiden regelrecht seelisch daran.

Ein tiefgreifendes Gefühl, nicht der Herr über die Gegenstände zu sein, sondern vielmehr deren Sklave. Eben frei nach Tyler Durden (Fightclub):

„Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.“

Sicherlich ist an dieser Feststellung einiges dran. Besitz kann meiner Meinung nach tatsächlich fesseln. Nun gibt es eben Menschen, die in besonderer Art und Weise innerlich leiden, je mehr unnütze Gegenstände sich in ihrem Haushalt auftürmen. Sei es weil sie sich irgendwann in ihrem eigenen Haus nicht mehr zu Recht finden oder weil es einfach nur Platz wegnimmt, der anderweitig besser genutzt werden könnte. Solche Menschen entscheiden sich manchmal dann für den minimalistischen Lebensweg und reduzieren all ihren weltlichen Besitz auf das Wesentliche. Hauptmotivation ist aber oftmals eine seelische Komponente (z.B. nach einem Schicksalsschlag im Leben).

Minimalismus mit 50-100 Gegenstände

Manche in der Szene orientieren sich an konkreten Zahlen. Beispielsweise wird die Ansicht vertreten, dass 100 Gegenstände zu besitzen ausreicht, um das Nötigste im Leben zu haben.

Je nach Forum, Webseite oder Selbstfindungs-Blog variieren die Zahlen entsprechend. Manche befürworten mehr Gegenstände (bis zu 1000), Manche sind radikaler unterwegs und bleiben eben unter 50 Gegenständen.

Meine Meinung dazu: Eine konkrete Zahl halte ich für Quatsch. Viel wichtiger ist, die Gegenstände vielleicht mal zu erfassen und einen „Ist“-Zustand zu erheben. Wie auch bei einer Diät stellst du dich ja auch vorher auf die Wage und schaust dir den Schlamassel zunächst nüchtern in Zahlen an. Oder bei der Finanzplanung, indem zu zu Beginn alle Einnahmen und Ausgaben erfasst.

Erst NACH einer solchen Erhebung folgt dann Stufe 2, nämlich das Abwägen und Reduzieren.

Beispiele aus den Medien

Als ich mich mit dem Thema befasst habe, habe ich mir natürlich auch Sendungen aus den (Mainstream)Medien über das Thema angeschaut und mir so meine Notizen und Gedanken zu dem Thema gemacht. Ich poste hier jetzt mal einfach paar Videos, die dir die Materie vielleicht zugänglicher machen:



Die Filme zeigen Beispiele von Menschen, die sich für den Minimalismus als Ideal entschieden haben. Übrigens wieder einmal bezeichnend, dass solche Filme in den öffentlich rechtlichen Medien gezeigt werden (die meiner Meinung nach tendenziell von der politisch linksgrünen Lobby unterwandert ist…). Aber das Thema Medienmanipulation und gesellschaftliche Programmierung lasse ich hier heute mal aus.

Freiheit gibt es nur „unten“ oder „oben“

Wenn ich mich so mit dem Thema Minimalismus beschäftige und mir vor allem die obigen Filme anschaue, muss ich automatisch an Gerald Hörhan denken. Dem einen oder anderen ist er vielleicht als Investment Punk bekannt. Seine Message ist nämlich, dass es persönliche Freiheit in der Gesellschaft nur ganz „oben“ oder ganz „unten“ geben kann.


Damit meint er: Ein Obdachloser auf der Straße ist frei. Er kann tun und lassen was er will und hat keinerlei Verpflichtungen. Das ist die untere Seite der Freiheit. Die obere Seite sind Menschen, die finanziell unabhängig sind und dadurch frei sind. Sprich sie müssen nicht mehr arbeiten, sondern können arbeiten. Sie haben sich ein Vermögen erschaffen, das ihnen den Lebensunterhalt sichert. Das wäre die obere Seite der Freiheit.

Seiner Meinung nach ist die bürgerliche „Mittelschicht“ alles andere als frei und deren Angehörige Sklaven ohne es zu merken. Sie laufen im Hamsterrad mit. In der Spur gehalten werden sie durch gesellschaftliche Programmierung durch Medien, Kirche, Politik und die Gesellschaft (Nachbarn, Freunde, Familie…) an sich.

Also was ist nun mit Minimalisten und wie stehe ich zu ihnen?

Der „negative“ Minimalist

Ich persönlich sehe den Minimalismus grundsätzlich eher positiv, betrachte ihn aber aus zwei verschiedenen Richtungen. Nämlich: Ich sage Minimalismus ist klasse und das Entschlacken der eigenen materiellen Besitztümer ist definitiv eine gute Sache. Aber: Wie immer gilt auch hier, dass die eigene persönliche Freiheit immer dann eine Grenze findet, wenn die Freiheiten anderer dadurch negativ beeinträchtigt werden.

Diese Freiheiten anderer Menschen werden beispielsweise dadurch beeinträchtigt, dass Hardcore-Minimalisten, die in Wäldern oder Hütten leben, im Zweifelsfall früher oder später der Allgemeinheit auf der Tasche liegen werden. Das ist für mich ein absolutes No-Go und da gönne ich diesen Menschen ihre Freiheit auch in keinster Weise. Unterstellt man ihnen zum Beispiel, dass sie tatsächlich kein Einkommen haben und ihren Minimalismus z.B. in jungen Jahren auf Hartz 4 gründen, dann werden sie auf Kurz oder Lang dem Sozialsystem zur Last fallen. In der Regel ist es für diese Menschen zwar kein großes Problem, weil das Mindset, eher die Hand aufzuhalten als selbst etwas zu leisten, ihnen oftmals ideologisch zu Eigen ist.

Die Grenze zum Schmarotzertum

Für die anderen Menschen, die das aber finanzieren müssen, kann das durchaus ein Problem sein. Stichwort Gerechtigkeit. Aus eigener familiärer Erfahrung weiß ich, dass zum Beispiel der Aufenthalt in einem Pflegeheim (Demenz) im Alter teilweise über 1200 Euro/Monat kosten kann. Die Kosten werden durch die gesetzliche Pflegeversicherung nicht vollständig übernommen. Ein Eigenanteil ist je nach Unterbringung fast immer fällig. Das will erstmal geschultert werden.

Bei den Hardcore-Minimalisten habe ich da dann immer das Gefühl, dass sie diesbezüglich immer nur im Hier und Jetzt leben. Grundsätzlich ja ein klasse Konzept (Stichwort: Achtsamkeit) und eigentlich sehr erstrebenswert für jeden. Aber gewisse Antworten auf im Leben zwangsläufig auftretende Fragen (das Alter ist nunmal unumgehbar) sollten sie meiner Meinung nach schon geben können, vor allem wenn sie dann gerne den eigenen Lebensstil als „überlegen“, „optimal durchdacht“ und „nachhaltig“ nach Außen darstellen.

Alles andere ist in meinen Augen egoistisch, naiv, narzisstisch und letztendlich asozial, was ich in dieser Szene leider auch sehr oft beobachte. Die Beschäftigung mit dem eigenen Selbst steht im Vordergrund, sie stellen sich selbst auf ein meterhohes Podest, die alltägliche Hybris lässt grüßen.



Der „positive“ Minimalist

Ich bin Fan eines ganz anderen Minimalismus. So sehe ich die Sache bei Menschen anders, die selbst für ihren Unterhalt sorgen oder gesorgt haben (z.B. Rentner) und ihre laufenden Kosten einfach nur radikal herunterfahren. Wenn (wie in dem einen Film oben) ein Rentner durch Minimalismus glücklich ist und von seinen 500 Euro/Monat gut leben kann, dann gönne ich ihm das von Herzen. Mit diesem Lebensstil bin ich absolut einverstanden und würde ihn auch bei jeder Gelegenheit unterstützen. In gewisser Weise ist dieser Lebensstil auch tatsächlich „nachhaltig“ und ehrlich.

Das gilt natürlich nicht nur für Rentner, sondern auch für Selbstständige, Reiseblogger*, Freelancer oder Gelegenheitsjobber. Wenn sie es schaffen durch Umstellung ihrer Konsumgewohnheiten und Reduktion auf das Wesentliche, mit ihrem (geringen) Gehalt auszukommen, OHNE ANDEREN JETZT ODER IN ZUKUNFT AUF DER TASCHE ZU LIEGEN, dann haben diese Menschen meinen Respekt und meine volle Unterstützung.

Sinnvolle Reduktion

Dinge abzuschaffen, die nicht benötigt werden, den Wohnraum zu verkleinern (ggf. WG), kein eigenes Auto zu haben und tagtäglich bewusst konsumieren, das sind alles sehr gute Ideen. Tatsächlich kannst du einiges an Geld sparen, wenn du überflüssigen Balast abwirfst. Auch bin ich definitiv der Meinung, dass die eigene Seele von weniger materiellem Besitz profitiert und du ein insgesamt freieres Leben haben kannst. Der Lebensunterhalt muss aber meiner Meinung nach selbst bestritten werden. Sei es durch Arbeit, passives Einkommen oder clevere Investments. Immerhin kann man sich ja auch selbst ein passives Einkommen erschaffen und dann versuchen von den 500-1000 Euro minimalistisch zu leben. DAS ist in meinen Augen wirklich ehrenhaft und respektabel.

Aber mein Essen aus Containern holen? Ohne Bankkonto und Obdach durch die Welt streifen und sich nur im Sonnenschein meiner eigenen Existenz räkeln?! Nee, sorry, das überlasse ich anderen. Das hat für mich mit Nachhaltigkeit rein gar nichts mehr zu tun. Dann schnappe ich mir lieber mein Pokémon und erobere die Welt.

Einen wirklich klasse Film zum Thema Minimalismus und Rückbesinnung zur Natur habe ich auch letztes Jahr im Kino gesehen, er heißt Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück (2016). Viggo Mortensen (Aragorn aus Herr der Ringe) spielt da einen Vater, der seine Kinder nach marxistischen Regeln im Wald groß zieht und im Laufe des Films an Grenzen seines Konzeptes stößt. Ein meiner Meinung nach klasse Film mit Niveau und Message, sehr sehenswert wenn dich das Thema interessiert. So, genug Werbung gemacht.

Wie ist deine Meinung zum Minimalismus?

10 Kommentare

  1. Ich sehe ein minimalistisches Leben ebenso wie du als Weg zur finanziellen Freiheit. Mit Sparsamkeit und Augenmaß lassen sich die Kosten der eigenen Lebensführung drastisch senken. Das so frei gewordene Kapital wird konsequent investiert und für den langfristigen Vermögensaufbau genutzt. Wesentlich inspirieren lasse ich mich dabei von der FIRE bzw ERE Philosophie.

  2. An sich beschreibt Minimalismus ein Extrem, was unterschiedlich interpretiert werden kann. Ich selbst lebe nicht perfekt, aber ich gehe bewusster durchs Leben. Man sollte seinen Konsum hinterfragen und auf die Umwelt achten. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man nicht 100% nachhaltig leben kann. Da müsste man sich als als Selbstversorger von der restlichen Welt abschotten. Mir ist es wichtig, dass man die Lebensmittelherkunft besser kennzeichnet und man bei jeglicher Produktion auf Umweltverschmutzung und Müllentstehung achtet. Ich finde Konsum selbst nicht schlimm. Sondern eher, dass unnötiger Konsum angeregt wird und Ressourcen verschwendet werden, weil Dinge bewusst nicht ewig halten sollen.

  3. Weil du in öffentlichen Medien unter anderem Dokus zu Minimalismus findest sind diese linksgrün unterwandert?

    Danke, aber nach diesem Zeugnis geistigen Minimalismus‘ schenke ich mir den Rest.

    1. Nicht nur deswegen, das zeigt sich sehr oft auch in anderen Bereichen des aktuellen politischen Establishments. Ferner war es durchaus ein Ziel der linken „68er“-Bewegung, das bestehende System zu unterwandern, zu sabotieren und „von Innen heraus“ zu vernichten. Stichwort: „Marsch durch die Institutionen“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Marsch_durch_die_Institutionen). Nur so als kleine Geschichtsstunde eines „geistigen Minimalisten“, wie Sie sich so sachlich fundiert äußern.

      Möchten Sie ernsthaft bestreiten, dass vor allem im Journalismus und der Erziehungsbranche (Pädagogik) mehrheitlich das linke Spektrum vertreten ist? Überall wo es gilt, Menschen zu manipulieren, zu beeinflussen, klein zu halten und die eigene Ideologie zu transportieren, finden sich diese immer chronisch unzufriedenen Menschen. Und das gilt eben besonders in den (auch noch staatlich subventionierten und im Nicht-Zahlungsfalle mit Gefängnisstrafen bewehrten) Öffentlich-Rechtlichen.
      Auf nichts anderes wollte ich mit meinem kleinen Verweis im Text aufmerksam machen. Wenn Menschen manipuliert werden, dann sollten sie das auch wissen. Ist eine Frage der Fairness, zumindest in meiner Welt.

  4. Ich bin gern ein Minimalist, weil das weniger Zeit, Geld und Nerven kostet und somit mehr Freiheit und Unabhängigkeit bietet. Mit vielem aus dem Artikel kann ich mich also identifizieren.

    Einer politischen Partei möchte ich nicht angehören (Abhängigkeit) und ich sehe den Minimalismus nicht als eine Ideologie an (leider endet das Wort auf ismus). Jeder soll selbst entscheiden, in welcher Art und Weise er minimalistisch leben oder nicht leben möchte. Mir bringt er viele Vorteile im Leben.

    1. Sehr gute Einstellung, Daumen hoch dafür! Um nichts anderes geht es mir. Minimalismus ist grundsätzlich ein lobenswertes Lebenskonzept, von dem sich Jeder das Eine oder Andere abschneiden könnte. Auch nur Nuancen davon zu übernehmen bringt schon etwas.

  5. Messerscharfe Analyse, der ich nur zustimmen kann.
    Strenge Minimalisten sollten sich auch fragen, wofür sie eigentlich leben? Denn ganz minimalistisch und umweltverträglich wäre es, wenn sie komplett das Leben einstellten, nicht mehr atmeten.
    Ein Stück gehe ich aber schon mit, verweigere mich Markenprodukten fast gänzlich und vermeide vieles wegen der entstehenden Kosten.
    In den Monaten, in denen ich mich zwinge, absolut nichts online zu bestellen, spare ich übrigens am meisten. Vielleicht kann man diesen Punkt als zusätzlichen Tipp beachten. Abmelden bei allen Konsumnewslettern, nur noch Finanzblogs lesen ist der Anfang dazu.

    1. Vielleicht etwas hart formuliert, aber im Grunde schon richtig. Daher bin ich der Auffassung, dass ein gesunder Minimalismus sinnvoll ist, ein ungesunder aber auch dem jeweiligen „Minimalisten“ im Grunde mehr schadet als nützt.

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