ETF-Sparplan in der Krise – Hält das Bollwerk?

Gefühlt mehren sich in letzter Zeit wieder kritische Stimmen, die von einer baldigen heftigen Korrektur oder gar Krise an den Finanzmärkten warnen. Nicht nur die Finanzmärkte sollen hierbei stark unter die Räder kommen, sondern auch gleich die gesamte Weltwirtschaft und damit auch der gute alte ETF-Sparplan. Sei es nun 2020 oder ein weniger konkreter Zeitpunkt, der Tenor der Warner ist überall ähnlich: Es gilt, sein Hab und Gut in Sicherheit zu bringen.

Auch ich habe daher bereits auch Artikel über Krise, Gold und Altersvorsorgen verfasst, wo ich dir meine Meinung zu den Weltuntergangsszenarien aufzeige.
Nun soll es heute aber mal speziell um das Konstrukt ETF-Sparplan gehen und wie sich das gefühlt überall propagierte Allheilmittel für den Privatanleger in Krisenzeiten schlägt.

Hierzu möchte ich auf einige Kritikpunkte an ETFs eingehen, die ich ebenfalls gefühlt in letzter Zeit häufiger antreffe:

Kritik 1: ETFs sind neu und haben sich in echten Krisen noch nie bewähren müssen

Das ist richtig. ETFs gibt es tatsächlich erst seit Anfang der 10er Jahre, sprich etwa ab 2010-2012. Somit war die letzte Krise bereits vorüber und die ETFs haben genau den goldenen Zeitpunkt nach 2009 erwischt, wo es auf breiter Linie nahezu überall aufwärts ging.

Ich gehe daher auch davon aus, dass ETFs bei der nächsten Krise stark unter die Räder kommen.

ABER: Es zeigt sich in der Vergangenheit, dass sich die Märkte oftmals nach wenigen Jahren wieder erholt haben. Ok, jetzt mag vielleicht wieder das Beispiel Japan kommen. Ich spreche aber von weltweiten Indices, wie dem MSCI World oder dem ACWI. Eben nicht von einem Länderindex wie dem DAX oder Nikkei. In meinen Augen macht es keinen Sinn, in einzelne Länderindices zu investieren.

Wenn ETF, dann global. So zumindest mein Credo, worüber man sicherlich auch diskutieren kann.

Ich glaube nicht an eine Krise, in der es GLOBAL mit den großen Indices (und ihren darin enthaltenen weltweiten 1600-3500 Unternehmen) dauerhaft über mehrere Jahre oder Jahrzehnte abwärts geht. Selbst eine Stagnation wie in Japan halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Also: Ja, ETFs sind neu. Ja, sie haben noch keine schlimme Krise gesehen. Die Indices sind aber älter und existieren teilweise schon seit den 70ern, wie das Beispiel des populären MSCI World zeigt. Wenn ein ETF die Indices möglichst genau und vor allem physisch (!) abbildet, sehe ich hier keine Probleme.

Kritik 2: Die Renditen von ETFs mit den 7% p.a. sind geschönt

Auch diesen Einwand kann ich nachvollziehen. Da kann man noch so oft auf zinsen-berechnen.de seine Strategie abbilden und genau tracken, wann genau die finanzielle Freiheit erreicht ist. Eines ist aber Fakt: Die Zinsen werden nicht wie bei „richtigen“ Zinsen regelmäßig und planbar reinkommen. Das Ganze wird schwanken. Und zwar brutal.

Teilweise werden wir mit unserem ETF-Sparplan auch ins Minus gehen. Teilweise auch sehr deutlich. Zinsrechner helfen hier nunmal nur bedingt weiter. Sie helfen nämlich nur wenn es um das Endziel und dessen Definition geht. Sie helfen aber wenig auf dem Weg dorthin.

ABER: Die Zins- und Performanceproblematik ist kein ETF-Problem, sondern generell das Problem bei zinslosen Anlagen wie eben Aktien als Sachwerte. Das gilt genauso für aktiv gemanagte Fonds oder auch Einzelaktien. Selbst die Dividenden bei Einzelaktien sind in der Regel nicht linear, sondern können von Jahr zu Jahr und auch währungsbedingt schwanken oder ganz wegfallen.

Alle Sachwerte performen langfristig in einem gewissen Rahmen, eine lineare Zinskurve, um den Erfolg zu tracken, macht aber keinen Sinn.

Wer Zinsen möchte, muss eben in Zinsprodukte* gehen. Und die sind aktuell ziemlich ausgebombt.

Langfristig sind aber nach wie vor Renditen von den angegebenen 6-9% p.a. möglich. Diese setzen sich aber aus Jahren mit hohen Gewinnen und Jahren mit hohen Verlusten unterm Strich zusammen, sind daher nicht planbar.

Wer damit nicht umgehen kann, der sollte lieber greifen zu……Hm, ja wozu denn? Richtig. Im Prinzip ist die Aktienanlage seit Wegfall der Zinsen* tatsächlich recht alternativlos. Zumindest für den schlauen Privatanleger.

Kritik 3: ETFs eignen sich erst ab einer Laufzeit von 10 Jahren aufwärts

Hintergedanke dieser Kritik sind die hohen Schwankungen und die Gefahr, tatsächlich mit seinem ETF über Jahre im Verlust zu sein und dadurch z.B. seine Altersvorsorge zu gefährden. Nunja, ich persönlich sehe ETFs auch als Mittel der Wahl bei Anlagen im 5-Jahres-Zeitraum. Wieso? Nunja, lass es mich erklären:

Mal angenommen der ETF performt ordentlich und macht in einem Jahr 11 % Gewinn. Was spricht denn dagegen, einen solchen ETF auch mal zu verkaufen, eine kleinere Korrektur abzuwarten und mit dem gleichen Geld mehr Anteile beim Neueinstieg mitzunehmen?

Meiner Meinung nach verbinden die Leute mit den ETFs zu sehr den Gedanken von „Buy and Hold“. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein. ETFs eignen sich nämlich auch wunderbar als eine Art „Indexzertifikat auf Sondervermögensbasis, jedoch ohne Emittentenrisiko“. Will heißen: Du kaufst dir z.B. einen Dax-ETF bei einem Indexstand von 11.000 Punkte.

Der Index steigt auf 12.000 Punkte. Hier könntest du dann den ETF unkompliziert und durch den Wegfall von Ausgabeaufschlägen und Rücknahmegebühren (im Vergleich zu aktiven Fonds) auch halbwegs preiswert einfach wieder verkaufen und deine Gewinne sichern.

Will heißen: Man kann mit ETFs auch wunderbar Markettiming betreiben oder sie als Spekulationsobjekte missbrauchen. Ob das sinnvoll ist oder nicht, lasse ich mal dahingestellt.

Also: Ein Anleger ist nicht dazu verdammt, mit seinem ETF und Index sehenden Auges bei einer Krise mit in den Untergang zu marschieren. Er kann vorher raus und später wieder rein. Oder er sichert seine bisherigen Gewinne mit einem Stop Loss ab oder setzt einen Trailing Stop Loss wenn es mal außergewöhnlich gut lief und er im Markt bleiben will.

Wichtig ist dabei nur, später nicht wieder teurer einzusteigen. Dann wäre man nämlich mit Buy and Hold wohl unterm Strich tatsächlich besser gefahren.

Kritik 4: Der Cost-Average-Effekt ist eine Lüge

Auch hier handelt es sich nicht um eine spezielle Problematik von ETFs. Generell eignen sich gängige Angebote (ETF-Sparplan von Weltsparen) in volatilen Zeiten ausgezeichnet. Durch die Automatisierung kaufst du monatlich immer für den gleichen Betrag Fiat-Geld Fonds- bzw. ETF-Anteile. Wenn der Kurs niedrig ist mehr, wenn der Kurs gestiegen ist, entsprechend weniger.

Viele missverstehen aber den Cost-Average-Effekt als einen Effekt, der angeblich zu einer Überrendite führt. Und das ist schlicht und ergreifend nicht immer so. Er KANN zu einer Überrendite gegenüber dem Einzelkauf führen, genauso wie zu einer Unterrendite. Studien haben sogar inzwischen finanzmathematisch nachgewiesen, dass ein Anleger mit einem Einmalinvestment meistens leicht besser abschneidet.

Dennoch rate auch ich immer zum ETF-Sparplan, denn: Er ist automatisiert, beruhigt die Nerven und zwingt zum Sparen. Und da viel an der Börse Psychologie ist, ist dies schonmal sehr sehr viel wert.

Also: Nein, der Durchschnittskosteneffekt ist keine Lüge, diesen Effekt gibt es mathematisch tatsächlich. Eine Lüge ist lediglich, dass man mit dem CAE automatisch besser abschneidet, als wenn man das Geld auf einmal investiert. Oder in dem Missvertändnis, wonach der COA eine spezielle Investmentstrategie darstellt.

Fazit zum ETF-Sparplan:

Unter dem Strich bleibt abzuwarten, wie sich die „neuen“ ETFs in der Krise schlagen werden. Ich persönlich freue mich auch auf diesen Lerneffekt, wenngleich er sehr schmerzhaft sein wird.

Dass man damit sein Geld komplett verliert, halte ich jedoch für nahezu ausgeschlossen. Auch dass ETFs einfach liquidiert werden, sehe ich gelassen. Die von mir immer empfohlenen globalen Schlachtschiffe haben mittlerweile so viele Anlegergelder gesammelt, sodass eine Schließung aufgrund fehlender Lukrativität eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Cost-Average-Effekt hin oder her, ich bin dennoch Befürworter von der Lösung als ETF-Sparplan. Zum Einen muss man sich nicht groß kümmern, zum Anderen erwischt man ja sogar vielleicht eine größere Krise, während derer man dann jeden Monat günstiger mehr Anteile erwirbt.

Wie stehst du zum ETF-Sparplan? Nutzt du einen solchen zur Altersvorsorge oder zum Vermögensaufbau?

2 Kommentare

  1. Super Beitrag. Unterstütze deine Aussagen zu einem sehr großen Teil und das Fazit zu 100%. Ich nutze sie sowohl zur Altersvorsorge als auch zum Vermögensaufbau und rate das auch meinen Kunden. Es gibt keinen besseren Weg für Privatanleger. Man muss ihnen in der Krise halt ein bisschen zur Seite stehen, damit sie keine unvernünftigen Entscheidungen aus Panik treffen.

    Nochmals Gratulation zum Beitrag!!

  2. Super Beitrag, sehr informativ.
    Ich nutze das Angebot von Weltsparen Weltinvest 100 mit einer monatlichen Sparrate. Das gefällt mir besser als der FTSE all World den ich vorher hatte. Gewichtung zu je 50% nach BIP und Marktkapitalisierung, d.h. weniger USA, etwas mehr Schwellenländer und mit Small Caps. In der 0,49% TER sind die Sparraten, die Wiederanlage der Ausschüttungen und ein jährliches Rebalancing enthalten. Auch für Ein- und Auszahlungen fallen keine Extrakosten an. Das Tagesgeld der schwedischen Hoist Bank (aktuell 0,60% Zinsen) nutze ich auch dort. In der Auszahlphase (hat aber noch Zeit) kann ich mir vorstelken über verschiedene Festgeldkonten eine Zinsleiter über 5 Jahre zu konstruieren und den Redt im Aktienmarkt zu belassen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.