Gefährdet Corona die Demokratie?

Corona und kein Ende: Nun ist es seit dem Wochenende soweit, es gelten in der Bundesrepublik Deutschland bislang nie erlebte freiheitsbeschränkende Auflagen. Was auf der einen Seite sicherlich notwendig und vernünftig ist, um die Erkrankungskurve nicht zu steil ansteigen zu lassen, kann einem auf der anderen Seite schon zu denken geben. Ist etwa unsere gesamte Demokratie durch das Virus in Gefahr?

Ich selbst ertappe mich derzeit zum Beispiel bei Gedanken zu Themen wie:

  • Werden die Corona-Maßnahmen auch tatsächlich wieder vollständig aufgehoben oder besteht die Gefahr eines Missbrauchs?
  • Wird Corona und der Fokus hierauf womöglich auch als Vorwand genutzt, um unpopuläre Entscheidungen im Parlament ohne großen Widerstand durchzubringen? (siehe Beschluss zur Erhöhung der GEZ am 12.03.2020, Quelle)
  • Kann der Staat tatsächlich sämtliche Betriebe, Einzelunternehmen und Einrichtungen retten?
  • Sollte das der Staat überhaupt? Sollte man nicht viel mehr von jedem Selbstständigen/Einzelunternehmer/Konzern auch erwarten dürfen, sich ein entsprechendes Fettpolster zur Überbrückung magerer Monate/Jahre anzufressen?
  • Wie weit sollen solche Maßnahmen gehen und wer kommt am Ende dafür auf?

Fragen über Fragen. Zu manchen Punkten habe auch ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Um unsere Freiheit mache ich mir nichtsdestotrotz schon so meine Sorgen.

Reiches Deutschland durch Corona bedroht?

Wohl gemerkt wir sind in Deutschland, einem der weltweit reichsten Länder mit einer der stärksten Volkswirtschaften, wie uns immer wieder gebetsmühlenartig von der Politik eingeredet wird. Aber ist das tatsächlich so? Wirtschaftsexperten wie zum Beispiel Daniel Stelter sind hier schon länger ganz anderer Meinung. Seine Thesen zur „wirklichen Stärke“ Deutschlands in folgendem Video:

Nun gibt es also Corona. Das Virus hat es innerhalb von zwei Wochen geschafft, die gesamte Wirtschaft Deutschlands und Teilen der Welt zu lähmen und uns in gewisser Weise „zurück in die Steinzeit“ zu katapultieren. Nichts geht mehr, kaum noch wird verlässlich Geld verdient.

Solidarität mit den noch geöffneten Betrieben macht aber absolut Sinn. Sollte man beim Bäcker Trinkgeld geben? Meiner Meinung nach ja. Sollte man Liefer- und Abholdienste für Essen in diesen Krisenzeiten nutzen? Absolut. Ob es allerdings auf Makrosicht etwas hilft, bleibt zu bezweifeln.

Nichtsdestotrotz möchte ich heute auch einmal die positiven Aspekte von Corona beleuchten. Vielleicht bietet diese Krise auch eine ungeahnte Chance für unsere Gesellschaft. Am Ende gehe ich dann darauf ein, ob und inwiefern ich durch Corona unsere Demokratie gefährdet sehe.

Chancen durch Corona?

Einleitend ein Wort vorab: Es werden Menschen durch das Virus ihre Angehörigen oder Bekannte verlieren. Ich möchte hier auch in keiner Form die Krise und das Virus verharmlosen. Es ist eine menschliche Tragödie und eine wahre Katastrophe.

Dennoch möchte ich vielleicht einen kleinen Teil dazu beitragen, auch mal die „positiven Effekte“ bzw. die Chancen durch Corona hervorheben. Diese gibt es nämlich trotz Social Distancing, Hilfsprogrammen und Gesundheitsnotstand. Man muss nur etwas genauer danach suchen. Nachfolgend dazu einfach ein paar Gedanken:

1) Wir lernen wieder unseren Wohlstand und Lebensstandard zu schätzen

In den letzten Jahren hatte ich von unserer Gesellschaft (und anderen westlichen Gesellschaften)  zunehmend den Eindruck, dass wir gesamtgesellschaftlich narzisstischer, verwöhnter, saturierter, fauler, weniger innovativ, gleichgültiger, staatsgläubiger und fortschrittsfeindlicher wurden. Vielleicht waren wir alle zusammen einfach zu „satt“ und konnten uns in unseren „First World Problems“ à la Genderquatsch und „me too“ suhlen.

Jetzt hat der Frisör zu, in die Disko können wir bis auf weiteres nicht mehr und die Kneipe von nebenan ist ebenfalls dicht. Genauso wie Kultureinrichtungen, wie Theater, Bibliotheken etc. Auch Kino, das Fitnessstudio – DER Tempel der neuen Generation Insta-Fitness  -, Reisen und sogar die McDonalds-Filiale um die Ecke – nichts geht mehr. Manches wird sogar verschwinden (Insolvenz).

Ich würde jetzt nicht so weit gehen und von gesellschaftlicher Katharsis sprechen. Aber lieb gewonnene, gewohnte und dadurch vielleicht auch zu selbstverständlich gewordene Dinge, gibt es plötzlich nicht mehr. Und sofort werden sie wieder vermisst.

Vielleicht ist dies eine nicht ganz zu unterschätzende positive Wirkung des Virus: Wir lernen wieder unseren Wohlstand zu schätzen und wissen, dass dieser eben nicht „selbstverständlich“ ist, so wie er vor ein paar Monaten noch von manchen privilegierten Propheten der Klimakatastrophe offenbar betrachtet wurde. Zudem gewinnen reale soziale Kontakte vielleicht wieder mehr an Bedeutung, eben weil sie nun seltener sind. 

2) Die Umwelt erholt sich

Da wir gerade beim Thema Umwelt sind: Wir Menschen erkranken kollektiv an der Lunge, die Umwelt hingegen atmet durch. Global gehen die Aussonderungen von Treibhausgasen zurück, vor allem bei den größten Treibhaussündern (Quelle), Delfine erobern sich Teile ihres Lebensraumes zurück (Quelle) und in Venedig ist das Wasser plötzlich kristallklar (Quelle).

Das Auto bleibt öfters stehen, da man ohnehin nichts außerhaus unternehmen kann und es auch keine Staus in den Innenstädten mehr gibt. Spazierengehen fernab von anderen Menschen, z.B. in der Natur, wird wieder populärer.

Überall sind die Wälder und Wanderwege voll von menschlichen Kleingruppen (unter 3 hoffentlich!), die der Beengtheit und Tristesse der eigenen vier Wände entfliehen wollen. So schafft Corona vielleicht etwas, was Greta Thunberg eben nicht schaffte: Die Menschen wieder an die Natur heranzuführen.

3) Mehr Zeit für achtsame Selbstreflexion

Home Office, Schichtarbeit oder gar komplette Freistellung: Wir haben derzeit durch die Quarantäne sehr viel mehr Zeit. Zeit für uns selbst und auch Zeit für die eigene Lebenssituation. Selten gibt es bessere Gelegenheiten der achtsamen Selbstreflexion: Bin ich noch im richtigen Job? Wie spannend ist mein Leben überhaupt, wenn ich gerade zuhause bin? Habe ich mich nur über meinen Job definiert und stehe nun in der Quarantäne „nackt“ und ohne (Lebens-)Inhalt da?

Sollte ich mir mal neue Hobbies suchen, mich beruflich umorientieren, ein neues Studium/Ausbildung beginnen? Das immer wieder aufgeschobene Meditieren mal ausprobieren?

Wir haben aktuell zwei Möglichkeiten jetzt in der Zeit zuhause: Wir ändern nichts und lassen uns von Netflix etc. betäuben. Wenn der Shutdown vorbei ist, machen wir genauso weiter wie vorher. ODER: Wir nehmen uns die Zeit, uns selbst zu erkennen, unsere Bedürfnisse zu analysieren und uns vielleicht frei von dem einen oder anderen negativen Glaubenssatz zu machen. Danach starten wir dann kraftvoll durch und profitieren in mehrerlei Hinsicht.

Ja ok, Netflix darf begleitend trotzdem ab und zu mal sein 😉

4) Mehr Zeit für Familie und Angehörige

Zugegeben mit den älteren Familienmitgliedern nur eingeschränkt aufgrund der Virusgefahr. Aber vielleicht macht die soziale Isolation bei Manchen erst wieder richtig Lust auf den Besuch bei Mama und Papa bzw. Oma und Opa. Vielleicht lernen wir auch hier, dass Familie und Freundschaften nichts Selbstverständliches sind, sondern eine zarte Pflanze die hin und wieder auch mal gegossen werden möchte. Im Idealfall freiwillig und nicht nur weil es der Kalender befiehlt.

Gerade nun da wir als Menschen generell dazu tendieren, immer Dinge haben zu wollen, die wir gerade nicht haben (können). Vielleicht zählen bald auch (echte) soziale Kontakte (wieder) zu diesen Dingen. Manche bezeichnen die Krise daher auch als ein riesiges soziales Experiment, welches gerade läuft.

5) Mehr Geld in der Tasche

Klar, so eine Ausgangssperre zwingt uns in gewisser Weise auch zum Minimalismus: Kostspielige Aktivitäten, Urlaube, Hobbies etc. entfallen vorerst. Es wird zuhause gekocht, statt ins Restaurant zu gehen. Partys und Co. fallen ebenfalls weg. Zumindest für Diejenigen, die wegen Corona nicht ihren Arbeitsplatz verlieren, dürfte sich dadurch tendenziell mehr in der Tasche ansammeln als in „normalen“ Monaten.

Wer es jetzt clever anstellt, kann einmal anfangen ein kleines Haushaltsbuch zu führen und sich dabei vielleicht nicht immer zwingend notwendige Ausgaben selbst bewusst machen. Vielleicht bleibt ja dann sogar monatlich was übrig und man kann den ersten ETF-Sparplan für die finanzielle Freiheit starten (z.B. hier*). Gute Einstiegskurse hat man aktuell ohnehin.

Überhaupt lohnt es sich vielleicht für Manche, den eigenen Konsum kritisch zu hinterfragen, nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Zum einen der Nachhaltigkeit für die Umwelt, zum anderen auch für die eigene finanzielle Nachhaltigkeit, worauf ich nachfolgend eingehen möchte.

Cash, Cash und nochmals Cash

Bereits mehrfach habe ich auf dieser Seite darauf hingewiesen, dass ein finanzieller Schutz bzw. Notgroschen für Jeden absolute Priorität haben sollte. Vorher sollte man auch gar nicht erst ans Investieren denken. Was meine ich mit Notgroschen?

Du solltest meiner Meinung nach 3-6 Monate finanziell überleben können, auch wenn dein Einkommen komplett wegfallen sollte. Gerade jetzt in der Corona-Krise zeigt sich, wie wichtig dieser Grundsatz ist. In meinen Augen führt Corona uns sehr eindringlich vor Augen, ob wir finanziell nachhaltig leben oder nach zwei Wochen Stillstand schon Pleite sind. Gerade Einzelunternehmer, Freiberufler und Künstler sollten sich hier meiner Meinung nach mal an die eigene Nase fassen.

Auch klar: Die Coronakrise ist für diese Personengruppe nicht selbstverschuldet. Wer konnte schon mit solchen Maßnahmen rechnen? Hier verdient aktuell kaum noch jemand aus dieser Gruppe Geld. Die staatlichen Maßnahmen erschweren es noch zusätzlich – ungeachtet der Frage nach der Notwendigkeit.

Aber gerade deshalb finde ich macht es auch Sinn, einmal kritisch zu hinterfragen, ob das bisherige „Geschäftsmodell“ tatsächlich sinnvoll, sinnstiftend und nachhaltig ist. Oder ob es vielleicht nur eine Selbständigkeit um der Selbstständigkeit Willen war oder ist? Zu wirklicher Selbstständigkeit gehört für mich, auch für solche (zugegeben seltenen) Krisen eine passende Antwort zu haben. Und sei es auch nur, genug Cash zur Überbrückung zu haben, bis die Geschäfte wieder anlaufen.

Gefährdet Corona die Demokratie?

Wie eingangs erwähnt, sorge ich mich aktuell etwas um die Freiheit in unserem Lande. So schnell wie die Politik mit Subventionen, getarnt als Hilfsprogramme um sich schießt, kann es einem Angst und Bange um die Eigenverantwortung in unserem Lande werden. Frei nach dem Motto: In guten Zeiten wird Rendite gemacht, in schlechten Zeiten nach dem Staat gerufen. Das finde ich persönlich befremdlich.

Als freiheitlich denkender Humanist, sehe ich hier eher wieder die Eigenverantwortung und Kreativität der Menschen gefragt. Und wenn der Staat schon eingreifen möchte, dann bitte nicht mit Kreditangeboten, um die Unternehmen und Selbstständigen langfristig noch mehr zu belasten, sondern durch Senkungen der Unternehmenssteuern, Erstattungen von Lohnsteuern und z.B. Aussetzung der Pflicht zur Steuerzahlung auf die Umsätze in den betroffenen Wochen/Monaten.

Stattdessen greift der Staat wieder aktiv in die Wirtschaft ein und bringt damit am Ende gar die Finanzblase durch das Gelddrucken zum Platzen, was dann alles in den Abgrund reißen dürfte, wie teilweise bereits gewarnt wird.

Vielleicht sollte sich die Politik weltweit lieber dem aktuellen Schuldgeldsystem (FIAT-Money) annehmen, welches sich zuletzt immer häufiger als dysfunktional erwiesen hat. Vielleicht wäre es an der Zeit, dieses System durch ein gänzlich neues wie auch immer gedecktes und demokratisches Geldsystem zu ersetzen. Ähnlich wie es der Grundgedanke bei Kryptowährungen einst war.

Wie so etwas in der Praxis aussehen könnte, führt der Ökonom Thomas Mayer nachvollziehbar vor Augen. Seine Ansätze zum Beispiel hier im Video:

Sozialismus versus Freiheit

In meinen Augen besteht tatsächlich eine latente Gefahr für die freiheitliche Demokratie. Jedoch nicht hervorgerufen durch das Coronavirus, sondern durch ein Geldsystem, welches immer mehr an seine Grenzen stößt und zu massiven Umverteilungen in der Welt führte. Das Coronavirus führt uns lediglich die Schwächen des Geldsystems vor Augen und spitzt sie für uns alle sicht- und erlebbar zu.

Würde man dieses Geldsystem beispielsweise wie von Ökonomen wie Thomas Mayer vorgeschlagen sinnvoll und demokratisch umgestalten, dann wäre auch die Demokratie weniger in Gefahr. Je mehr der Staat jedoch durch seine Planwirtschaft eingreift, die Druckerpresse bedient, Helikoptergeld verteilt und in Kürze womöglich auch noch Aktien aufkauft, desto größer dürften die Probleme werden. Durch das ungedeckte Papiergeldsystem dreht sich das Hamsterrad immer schneller und wir Menschen sind gezwungen, darin mitzurennen.

Neue Freiheit?

Wie Dr. Markus Krall in seinen Szenarien immer wieder betont, bleibt dann tatsächlich irgendwann nur noch die gesellschaftliche Wahl zwischen Sozialismus in einer totalitären Form (siehe Drittes Reich und DDR) oder einer (Wieder-)Auferstehung der Freiheit. Ich persönlich spreche mich dringend (!) für Letzteres aus, wenngleich die Freiheit derzeit in der Welt leider einen schweren – da oft missverstandenen – Stand hat.

Ich wünsche Allen viel Gesundheit und dass diese Zeit schnell vorübergehen wird. In diesem Sinne: Bleibt gesund! Und hinsichtlich eures Depots als Buy-and-Hold-Langzeit-Investor: Macht am besten gar nichts. Außer eure Sparpläne weiterlaufen zu lassen. Oder falls ihr keinen habt, jetzt einen starten. Solche Gelegenheiten kommen selten im Leben. Edelmetalle* können auch nicht schaden. Ansonsten ruhig bleiben und sich um andere Menschen kümmern.

Ein Kommentar

  1. Hallo Andreas,

    obwohl ich mir sehr wünschen würde, dass die Menschen aus der aktuellen Krise etwas lernen, bin ich doch deutlich pessimistischer als Du.

    Damit die Menschen ihren Wohlstand wieder zu schätzen lernen, muss es, so hart es klingt, noch weiter abwärts gehen. So lange ihnen nur das Toilettenpapier fehlt, wird es als empörende Skurilität wahrgenommen, dass die gottgegebene Befüllung der Supermärkte nicht zu 100% funktioniert. Ich denke sie werden erst aufwachen wenn es an die Grundversorgung mit Lebensmitteln geht. Und ich hoffe, dass es so weit nicht kommen wird.

    Die Wirkung auf die Umwelt und die Verdrängung von „Genderquatsch“ und ähnlichem aus der Wahrnehmung der Menschen, ist sicher zu begrüßen, wird aber nicht von Dauer sein. All die Menschen, die sich hauptberuflich mit solchen Themen befassen und davon leben regelmäßig empörende Neuigkeiten zu publizieren und die Medien, die darauf begierig sind apokalyptisches oder zumindest skandalöses zu berichten, sind ja immer noch da. Sie werden momentan nur nicht mehr gehört und überlagert. Um es klar zu sagen: ich will diesen Menschen und ihren Themen nicht die Berechtigung absprechen. Sie bekamen meiner Meinung nach nur einen zu hohen Stellenwert. Mit zunehmender Normalisierung werden unsere First World Problems wieder die vorherige Gewichtung bekommen.

    Und was die Gefährdung der Demokratie betrifft: Ich hatte schon vor Corona so meine Sorgen. Nichts desto weniger halte ich unsere handelnden Politiker noch für so integer, dass die aktuellen Maßnahmen nicht zur Durchsetzung eigener Interessen missbraucht werden. Dennoch befürchte ich, dass nicht alles zurück gedreht werden wird.

    Ich hoffe, dass ich mich in allen Punkten irre. 🙂

    Viele Grüße
    der Kassenwart von SchwarzGeld.biz

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