Geld macht nicht glücklich…

„Geld macht nicht glücklich“. Wer hat diesen Slogan in seinem Leben schon einmal gehört? Ich bin mir sicher, dass auch bei dir sofort die Hand nach oben geht. Seien es Lehrer in der Schule, deine Eltern oder dein Freundeskreis, bestimmt hast du diesen Satz aus diesen Ecken schon einmal gehört. Nunja, ist dieser Satz nun richtig oder falsch? Was meinen die wohlmeinenden Tippgeber denn damit?

Meistens wenn du diesen Satz hörst, liest sich die Botschaft dahinter folgendermaßen:

„Geld ist nicht alles im Leben! Mit Geld kannst du dir keine Freunde, Liebe oder Gesundheit kaufen! Darum übe dich in Dankbarkeit und genieße auch die kleinen Dinge im Leben.“

Dieser Bedeutung habe ich grundsätzlich nichts hinzuzufügen. Wenn der Satz als solcher gemeint ist, hat die Sache grundsätzlich in meinen Augen ihre positive Berechtigung.

Je mehr ich mich aber mit dem Thema der finanziellen Unabhängigkeit und/oder Freiheit beschäftige, kommt bei mir aber ein gewisser böser Verdacht auf. Wer erfolgreich ist (sei es beruflich und/oder finanziell), der hat es IMMER auch mit Neidern, Miesepetern und Energievampiren zu tun. Vielleicht ist der Satz von solchen Menschen dann folgendermaßen gemeint:

„Gib in deinem Leben nicht so viel Gas, tritt auf die Bremse, du könntest mich sonst dabei abhängen oder zumindest in die unangenehme Situation bringen, mir selbst über meinen eigenen Lebensweg kritisch Gedanken zu machen.“

Sollte sich diese Message hinter dem Satz „Geld mach nicht glücklich“ verstecken, dann schrillen bei mir die Alarmglocken. Grundsätzlich möchte ich ehrlich gesagt mit solchen Menschen auch keinerlei Kontakt haben. Meine Energie ist mir dafür zu wichtig.

Geld macht nicht glücklich…

Grundsätzlich stimme ich der Aussage, dass Geld alleine nicht glücklich macht definitiv zu. Alleine ein volles Bankkonto zu haben, macht einen Menschen wenn überhaupt dann nur kurzzeitig bei dessen Anblick glücklich. Entscheidend für das Glück ist aber, wieviel Zeit du hast, das ganze Geld auch zu genießen. Damit meine ich nicht im Sinne von konsumieren oder unnötige Dinge zu erwerben bzw. zu tun. Was nützt dir schließlich ein prall gefülltes Konto, wenn du aufgrund deiner 60/70-Stunden-Woche – dein Preis für dein Geld – keine Zeit hast, das Geld auszugeben, sei es für dich oder deine Liebsten? Oder was nützt dir das Geld, wenn du krank bist? Nichts.

Nicht umsonst sind es oftmals die beruflich stark gestressten Menschen, die sich per Suizid das Leben nehmen. Seien es Manager, Ärzte oder Anwälte. Wenn Geld doch glücklich macht, wieso nehmen sich gerade auch Menschen dieser Berufsgruppen oft das Leben oder geraten zumindest in schwere Sinnkrisen aka Midlife-Crisis aka Burnout? Wenn Geld glücklich machen würde, dann hätte sich Kurt Cobain wohl nicht mit einer Schrotflinte den Schädel weggepustet (wenn man mal nicht den Verschwörungstheorien folgt, die einen Mord dahinter zu erkennen meinen). Überspitzt formuliert: Der Kerl hatte so viel Geld, dass wenn er es intelligent angelegt hätte, er sein restliches Leben lang von den Erträgen leben hätte können, wenn gewünscht sogar ohne jemals wieder einen Finger krumm machen zu MÜSSEN, aber DÜRFEN.

Irgendetwas muss an dem Satz also tatsächlich nicht stimmen.

…aber Geld macht frei

Was Geld aber zumindest in meinen Augen definitiv zu leisten vermag: Es macht frei! Was meine ich damit? Natürlich den Bereich der finanziellen Unabhängigkeit. Sprich: Dein Vermögen (Aktien, Immobilien, dein Unternehmen, Lizenzrechte, Patente etc.) erwirtschaften einen solchen (passiven) Cashflow, dass dieser Cashflow alleine deine Lebenshaltungskosten vollständig und nachhaltig decken kann. Vereinfacht auf schwäbisch g’sagt: „Du lebsch von deine‘ Zinse‚“. Lebst du bescheiden, kann dir hierzu bereits ein geringer Cashflow ausreichen.


Du MUSST nicht mehr arbeiten, aber du KANNST. Meistens WIRD ein solcher freier Mensch (wenn man ein positives Menschenbild hat) auch freiwillig weiter arbeiten, dann aber vermutlich eine Tätigkeit, die sich nicht an der Höhe des Gehalts, sondern an deinen individuellen Vorlieben, Interessen, Talenten oder Hobbies orientiert. Das wäre echte Freiheit. Du fährst gerne Auto und bist kommunikativ? Dann könntest du selbstständig Taxi fahren. Oder du wirst Busfahrer. Wenn es dann doch nichts ist, kannst du dir etwas anderes suchen. Gründest ein Unternehmen oder machst dich selbstständig. Wohl gemerkt, du musst noch nicht einmal arbeiten, du hast durch das Erwirtschaften deines passiven Einkommens quasi schon genug Vorarbeit (und das ist es in der Tat…) geleistet.

Jetzt kommen natürlich wieder unsere miesepetrigen und neidischen Mitglieder der Gesellschaft und schreien von wegen „leistungsloses Einkommen“ usw., aber wer sich mit dem Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite auskennt, der weiß, dass einer hohen Rendite auch oftmals ein hohes persönliches Risiko vorausgegangen ist. „Wer nichts wagt der nichts gewinnt„, weiß wieder nicht nur der Bürger ausm Schwobaländle.

Das selbst geschaffene BGE

Ein passives Einkommen von ausreichender Höhe macht frei. Zu dieser Aussage stehe ich. Letztendlich ist es der gleiche Gedanke wie ihn auch die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) vorbringen. Kriegt jeder Mensch vom Staat sagen wir mal 1000 Euro geschenkt, dann nimmt man ihm die Last, einen mies bezahlten Job anzunehmen und sichert ihn quasi sozial ab. Wieso ich das BGE von seiner Grundintention nicht gut finde, kannst du bei Interesse hier nochmal nachlesen. Ich sag nur so viel: Das BGE ist staatlich geschaffene Komfortzone, die den Bürger der finanziellen Eigenverantwortung beraubt.

Dennoch gehe ich davon ab, dass wir in den nächsten 10-15 Jahren ein BGE haben werden. Es passt einfach in den momentanen Zeitgeist. Auch der Jobabbau durch die Industrie 4.0 wird dafür sorgen, dass die jetzigen Sozialsysteme wohl zusammenbrechen und ein neues radikaleres Konzept wie das BGE nötig wird. Aber das ist ein anderes Thema…




Wovon ich aber bekennender Fan bin, ist das selbst geschaffene passive Einkommen, welches dann aber nicht bedingungslos ist und somit auch nicht von jedem erreicht wird, da Disziplin, Durchhaltevermögen und eine Vision hierfür notwendig sind.

Man kann auch ohne Geld frei sein

Manche werden nun vorbringen, dass es durchaus auch Freiheit ohne Geld gibt. Diesen Menschen schweben dann im Hinterkopf alternative Lebens- und Gesellschaftskonzepte vor, so wie es früher vielleicht mal die Kommunen in den 60/70er Jahren waren. Oder kommunistische Lebenskonzepte ohne Eigentum. Oder der Trend des Minimalismus. Auch bei Minimalisten gibt es Strömungen, die am liebsten wieder in kleinen Dorfgemeinschaften jenseits der westlichen Lebensweise ihr Dasein fristen wollen. Einen Beitrag hierüber mit Videos habe ich dir hier. Minimalismus an sich finde ich klasse.

Nunja, diese Menschen mit ihrem persönlichen Utopia gibt und gab es schon immer. Hier gebe ich aber immer zu bedenken: Diese postulierte und oftmals als Lösung der gesellschaftlichen Probleme angesehene Lebensweise hatten wir früher mal. Gaaaaanz früher, in Zeiten der Steinzeit und des Mittelalters. Da lebten wir in dörflichen Gemeinschaften und jeder hat sich um jeden gekümmert. Der Schmied hat geschmiedet, der Jäger gejagt und die Handwerker gebaut. War da alles so toll? Scheinbar nicht, sonst hätten wir uns nicht bis in das heutige Jetzt weiter entwickelt. Offenbar hat also damals schon an diesem Konzept etwas nicht gestimmt.

Ist ein Sozialhilfeempfänger frei?!

Ohne Geld auf der Straße zu leben oder von Hartz 4 mag manchen ebenfalls als Freiheit vorkommen. Nicht umsonst ist es bei manchen Jugendlichen aus Problemvierteln durchaus en vogue, als Berufswunsch „Hartzer“ anzugeben. Aber sind Sozialhilfeempfänger wirklich frei? Klar, sie haben den ganzen Tag Zeit zu tun was sie möchten. Aber: Sie hängen am Tropf des Staates. Sie müssen Termine wahrnehmen (also doch nicht uneingeschränkt Zeit), die sie nicht wahrnehmen wollen, sie bekommen im Weigerungsfalle Sanktionen, ihre Konten werden überwacht und der Hygienestandard auf der Straße ist auch nicht der beste. Nee, wahre Freiheit sieht für mich anders aus.




Haben sich Menschen aber ein passives Einkommen erschaffen und leben minimalistisch, bescheiden und vor allem bewusst, KANN dies durchaus als Freiheit bezeichnet werden. Aber auch da spielt dann Geld wieder eine Rolle. Man lernt halt mit weniger auszukommen und sich aus der gesellschftlichen Matrix zu lösen. Ganz ohne Geld geht es aber nicht. Und wenn, dann immer nur zu Lasten anderer. Wenn sich die Minimalisten oder alternative Öko-Gruppen ihre Zelte und Planwagen auf Grundstücken errichten, dann gehört der Grund jemandem, wenn auch nur der Stadt, somit wieder „Fremden“. Wenn der Besitzer dies duldet, ist das alles formal rechtens. Philosophisch betrachtet sind sie aber wiederum von Geld bzw. dem Besitz anderer abhängig und unfrei. Also: Ohne Geld geht es auch für diese Menschen einfach nicht.

Wenn es also nur die Wahl gibt auf der Straße ohne Geld bzw. mit Hartz 4 oder finanzielle Freiheit (gerne auch als positiver Minimalist), dann bleibt einem rational denkenden Menschen eigentlich nur die finanzielle Freiheit übrig. Alles andere wäre ein Leben auf Kosten oder auf den Schultern anderer. Immer. Auch der Minimalismus ist nur wenn er konsequent und in absoluter Eigenverantwortung gelebt wird, tatsächlich nachhaltig.

Fazit:

Für mich persönlich stimmt der Ausspruch „Geld macht nicht glücklich“ alleine also definitiv. Es gibt so viele andere Dinge im Leben, die wahrlich glücklich machen. Zum Beispiel alleine schon die gesellschaftliche Programmierung zu durchschauen und aktiv und bewusst zu leben. Glücklich macht Geld also tatsächlich nicht. Ich persönlich sehe es aber so: „Geld macht nicht glücklich…aber es macht frei. Frei von Zwängen und falschen Kompromissen. Und diese Freiheit macht mich glücklich“.

Vielleicht können dieser Sichtweise auch die eingangs erwähnten Lehrer, Eltern und andere Tippgeber etwas abgewinnen.

2 Kommentare

  1. Ein schöner Beitrag.
    Man kann mit den Menschen da auch endlos drüber diskutieren und sie werden immer dagegen reden, weil sie sonst die Verantwortung über das eigene Leben übernehmen müssten.
    Mir gefallen Deine Anmerkungen zu den Hardcore-Minimalisten.

    Ich finde es immer so interessant, dass Menschen einer solchen Utopie (kein Geldsystem, alle bauen ihr Essen selbst an und von wenig leben) nachhängen, obwohl sie das nur wegen dem bösen Kapitalismus können. Dabei sind sie dann die ersten, die eine vernünftige medizinische Versorgung (am besten umsonst) haben wollen, aber gleichzeitig nicht bereit sind für die Gesellschaft etwas von großem Wert zu schaffen.

    Schöne Grüße
    Dominik

  2. Stimme dir umfassend zu. Meiner Meinung nach macht Geld an sich nicht per se glücklich. Es ist ein Mittel, das glücklich machen kann, wenn man es klug verwendet. Vor allem wir aus Sicht der finanziellen Unabhängigkeit betrachten Geld als Weg zur Freiheit. Leider gibt es viele Menschen, die mit Geld etwas andere assoziieren. Viele Menschen, die neidisch auf andere erfolgreiche Menschen blicken, sind sich deren Anstrengungen nicht bewusst. Unser Weg zur finanziellen Freiheit geht meist nur über jahrelange Disziplin und Durchhaltevermögen sowie einem langfristigen Ziel.
    Danke für den Artikel. Ich bin gleich weiter auf deinen Artikel zum Thema Minimalismus. 🙂
    Viele Grüße Markus (MDFIRE2024)

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