Wie sollte man die Dividende reinvestieren?

Nun, da mein Depot schon längere Zeit vor sich hinarbeitet und mir passive Einkünfte beschert, drängt sich mir immer wieder mal die Frage auf, wie ich denn am cleversten im Sinne des Zinseszinseffektes die eingehende Dividende reinvestieren sollte. Vielleicht stehst auch du manchmal vor diesem Problem. Also was am besten mit den Dividenden machen? Klar, sie werden natürlich wieder investiert. Aber wie und in was?

Meine aktuelle Strategie kannst du hier nochmal nachlesen.

Mini-Dividende durch Sparpläne

Ein (zugegebenermaßen Luxus-)Problem ist bei mehreren Aktiensparplänen (wie in meinem Fall) der Umstand, dass immer mal wieder kleine Dividenden-Beträge aufs Verrechnungskonto tröpfeln. Das sind hier mal ein paar Euro einer Shell-Aktie oder hier mal paar Cent von Procter & Gamble und so weiter. Zwar steigen die Summen mit fortschreitender Zeit recht schnell an, dennoch ist es am Anfang teilweise zäh, vor allem bei quartalsweisen Ausschüttungen wie es bei den US-Aktien meistens der Fall ist. So erfreulich diese Quartalszahlungen auf der einen Seite auch sind, so sehr verkomplizieren sie manchmal ein regelmäßiges Reinvestieren.




Insgesamt ergeben die vielen kleinen Zahlungen zwar auch eine ansehnliche Summe, die möchte aber irgendwie intelligent reinvestiert werden.

Keine Probleme bei Thesaurierern

Manche Positionen in meinem Depot machen mir dahingehend natürlich keinerlei Probleme. So sind meine ETFs im Sinne des maximalen Vermögensaufbaus und der Altersabsicherung beides Thesaurierer. Den Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETF kannst du hier nochmal nachlesen. Kurz gesprochen: Bei Thesaurieren legt der Fonds meine Dividende automatisch neu an und ich kann mich theoretisch rein passiv zurücklehnen. Aber Achtung: Das neue Investmentsteuerreformgesetz 2018 kommt in großen Schritte. Auch meine Berkshire Hathaway-Aktien machen dahingehend keine Probleme. Dort gibt es Stand Heute (noch) keine Dividende, auch sind die von dem neuen Gesetz nicht tangiert.

Möglichkeiten der Verwendung für die Dividende

Aber was mit meinen ganzen Dividenden-Einzelaktien? Eine Strategie muss her. Was für Möglichkeiten habe ich? Alleine wenn ich mir die ganzen Möglichkeiten vor Augen führe, kann einem schon schwindelig werden:

Reinvestieren der Dividende in den Wert, der sie ausgeschüttet hat?

  1. a) per Sparplan (am 1./15. des Monats automatisch; prozentuale Gebühren)?
  2. b) per Einmalkauf (jederzeit händisch, normale Kaufgebühren)?

Reinvestieren der Dividende in Werte, die gerade etwas stärker korrigiert haben (Einstiegskurs verbilligen)?

  1. a) per Sparplan (am 01./15. des Monats automatisch; prozentuale Gebühren)?
  2. b) per Einmalkauf (jederzeit händisch, normale Kaufgebühren)?

Reinvestieren in die Thesaurierer (ETF)?

  1. a) per Sparplan (Gebührenfrei!)?
  2. b) per Einmalkauf (jederzeit händisch; normale Kaufgebühren)?

Reinvestieren in meinen einzigen Dividenden-ETF, mit dem Ziel die Ausschüttungen hieraus dann zum Einmalkauf von weiteren Einzelaktien zu nutzen?

  1. a) per Sparplan (am 1./15. des Monats automatisch; prozentuale Gebühren)?
  2. b) per Einmalkauf (jederzeit händisch, normale Kaufgebühren)?

Die Dividenden ansammeln bis ca. 600-1000 Euro und dann eine neue Aktienposition eröffnen?

usw. usw.




Du siehst, es gibt alleine durch die modernen Aktien-Sparpläne schon sehr viele Möglichkeiten des Umgangs mit den Dividenden.

Was macht Sinn?

Was natürlich klar sein sollte ist, dass die Dividenden keinesfalls aufgezehrt oder verkonsumiert werden dürfen. Auf diese Weise würdest du den Zinseszins-Effekt sabotieren. Sie verbleiben also definitiv im Depot und werden höchstens durch die Transaktionsgebühren je nach ihrer Verwendung minimal geschmälert. In der Regel sind das 1-1,5 Prozent, je nach zu investierender Summe.

Weitere Fragen die man sich dabei stellen kann sind:

– Macht es einen Unterschied wenn die Dividende in einer Summe am Jahresende investiert wird oder stückchenweise über das Jahr verteilt?

– Macht es Sinn, die Dividenden immer nur in die Titel zu investieren, die gerade die höchste Dividenden-Rendite haben?

– Wie wirkt sich die Verwendung im jeweiligen Fall auf die Gesamt-Performance des Depots aus?

Fragen über Fragen. Aber gibt es auch Antworten? Nein, die kann es eigentlich nicht geben, weil sich jeder Einzelfall und jedes Depot voneinander unterscheidet. Die einen haben gar keine Sparpläne und sammeln die Dividenden nur aus ihren Einmal-Käufen an. Hier macht es dann sicherlich aufgrund der Transaktionskosten mehr Sinn, die Dividenden zu sammeln und dann bei einer gewissen Summe X (z.B. 600-1000 Euro) per Einmalkauf in eine Position nachzukaufen oder eine Neue zu eröffnen.

Bei Sparplänen im Gegensatz kann es Sinn machen, bei Erreichen einer Schwelle von 25-50 Euro per Einmalkauf im Rahmen des Sparplans schon eine Position aufzustocken. Vorteil: Das Geld arbeitet sofort für dich, du investierst die komplette Summe fast centgenau und du kannst sofort die nächste Kurssteigerung nach Oben mitnehmen. Außerdem ist auch dein 25-Euro-Mini-Bruchteil an der Aktiengesellschaft bereits bei der nächsten Zahlungsrunde dividendenberechtigt. Mit der Reinvestition zu warten, kann somit auch renditemäßig betrachtet Nachteile mit sich bringen.

So mache ich es: Dividende reinvestieren

Da ich sehr viele Aktiensparpläne laufen habe, verfahre ich wie folgt: Ich lasse die Dividende ansammeln, bis ich die Schwelle von mindestens 25-600 Euro erreicht habe. Dann schaue ich, welcher Wert besonders stark korrigiert hat oder ob sich bei einem Wert eine gute Gelegenheit gibt, nachzukaufen. Diesen Nachkauf führe ich dann per Einmalkauf im Sparplan zum 1. oder 15. des Monats aus. Hierbei muss ich dann meiner Depotbank leider den Zeitpunkt des Kaufes und die Börse überlassen. Dafür zahle ich bei kleinen Summen nur 1,5 % der zu investierenden Summe an Transaktionsgebühren. Ab ca. 600 Euro Summe führe ich dann manuelle Einzelkäufe durch, da hier der Einmalkauf ohne Sparplan von den Gebühren her günstiger ist, als der Einmalkauf mit Sparplan. In der Regel kostet mich eine Transaktion 9,95 Euro bei meinem Online-Broker.




So verfahre ich erstmal, bis meine Dividenden-Zahlungen pro Monat eine gewisse Größe erreicht haben. Wenn irgendwann regelmäßig monatlich eine gewisse höhere Summe eingeht, dann wird der gesamte Mechanismus langfristig umgestellt und eine Geldmaschine im Autopilot eingerichtet. Wie mache ich das dann?

Grundgedanke: Die Dividenden tragen die Sparquote vollständig

Das wäre mein persönlicher Idealfall. Was meine ich damit? Sagen wir du investierst monatlich 500-1000 Euro in dein Depot. Das Geld lässt du in der Regel von deinem Girokonto per Lastschrift einziehen. Wenn du es aber schaffst, 500-1000 Euro monatlich an Dividende einzunehmen, dann kannst du diese Summe im Prinzip direkt von deinem Verrechnungskonto deines Depots abbuchen lassen. Dein Depot speist sich quasi von sich selbst und du musst dich theoretisch um nichts mehr kümmern.

Ich für meinen Teil plane dann aber noch einen Puffer von mehreren Monaten mit ein, da die Dividenden auch mal schwanken oder ganz ausfallen können. Also warte ich dann erstmal bis z.B. 3000 Euro auf dem Verrechnungskonto an Dividenden zusammengelaufen sind. Bei einer Sparquote von 500 Euro hast du dadurch ein halbes Jahr Puffer, bei 1000 Euro Sparquote immerhin 3 Monate. Und selbst wenn einmal kein Geld auf dem Verrechnungskonto sein sollte, werden die Sparpläne im schlimmsten Fall einfach nicht ausgeführt. Ins Minus gehen kann das Verrechnungskonto durch die Sparpläne zum Glück nicht.

Automatische Geldmaschine

Ab diesem Zeitpunkt könnte sich dein Depot in der Theorie absolut automatisch vermehren, ohne dass du laufenden Abzug von deinem Girokonto hättest. Eine irgendwie sehr verlockende Idee wie ich finde. Immerhin weiß ja Niemand, ob du das Geld auf dem Girokonto später für deinen Nachwuchs und dein Leben dringend benötigst (Jobverlust, Krankheit etc.) oder du deine Sparquote verringern musst.

Und das Beste: Selbst wenn ich auch weiterhin die 500-1000 pro Monat vom Girokonto weiterzahlen kann, dann könnte ich meine Sparquote sogar verdoppeln. Zu den 500-1000 vom Girokonto kommen nochmal 500-1000 Euro vom Verrechnungskonto hinzu. Du kannst dir wohl vorstellen, was für einen Schub Richtung finanzieller Freiheit so etwas bedeuten würde.

Naja träumen wird ja wohl erlaubt sein. Wobei, so ganz unmöglich ist dieses Szenario langfristig ja nicht… 😉

Wie gehst du mit deinen erhaltenen Dividenden um? Investierst auch du sie weiter?

5 Kommentare

  1. Also ich lasse mir meine Dollardividenden auf mein USD Konto zahlen. Wenn ein bestimmter Betrag erreicht ist investiere ich diesen wieder in USD Titel. So kann mir der Wechselkurs egal sein. Wie siehst du das ?

    1. moin, hatte ich auch vor. Dollars gewechselt mit 1% Gebühren bei comdirect.
      Aktien gekauft an der NYSE. ABER ! die condirectbank schreibt mir die
      Dividenden in Euro gut. Auf Nachfrage , ja ist halt so ! 🙁

  2. Hi, da ich weitestgehend in Eonzeltitel investiere kopple ich die Dividendenzahlungen mit der Sparrate. So kann regelmässig investiert werden. Aber das Zielinvestment muss meine Investitionsparameter einhalten…. Bekanntlich liegt der Gewinn im Einkauf.

    1. Ja so mache ich es auch. Ist manchmal nur ein Fitzelgeschäft, wenn man das Einzugskonto einmalig im Sparplan ändern muss. Wird ja sonst vom Girokonto abgebucht, die Dividende liegt aber aufm Verrechnungskonto.

      Gruß

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