Technologie im Depot – Aber wie?

Technologie, ja oder nein?! Langfristig zu investieren ist keine Kunst. Wer meinen Blog hier länger schon verfolgt, weiß, dass ich langfristiges, erfolgreiches und nachhaltiges Investieren für keine Raketenwissenschaft halte. Nicht auf Trends hereinzufallen oder ihnen hinterherzulaufen, gestaltet sich manchmal jedoch auch nicht sonderlich leicht, gerade in der heutigen Zeit der günstigen „Neo-Broker“ und Anlagethemen mit Internet-Hype.

Bei mir war immer eine eher kritische Frage, wie ich denn Technologie in meinem langfristigen Depot abbilden soll. Wann begebe ich mich zu stark auf Spekulationspfade? Wie zukunftsfähig sehe ich eine Technologie bzw. Branche? Kann ich als Privatanleger solche Chancen und Risiken überhaupt seriös einschätzen?

Heute soll es also um das Thema „Tech im Depot“ gehen und wie ich diese Thematik für mich persönlich bewerte und umsetze.

Grundsatzfrage: Tech-Aktien ja oder nein?

Grundsätzlich würde ich mich eher als einen zukunftsoptimistischen und fortschrittsgläubigen Investor bezeichnen. Ich denke, dass kluge Technologie viele unserer zukünftigen globalen Probleme zu lösen vermag.

Seien es Fragen des Klimaschutzes (Geo-Engineering, regenerative Energien, emissionsarme Mobilität), einer nachhaltigen menschlichen Existenz (biologisch abbaubares Plastik, gesundes Fleisch ohne Tiere töten zu müssen, „Back to Nature“, nachhaltige Wirtschaft ohne Fiat-Geld-Inflations- und Leistungsdruck), der Einsparung natürlicher Ressourcen (ein Gerät mit vielen Funktionen ersetzt mehrere Geräte) oder das Kurieren von schweren Krankheiten wie Krebs. Ich habe hier also großes Vertrauen in Forscher, Programmierer, Erfinder, Ingenieure und Naturwissenschaftler.

Bereits im letzten Artikel habe ich herausgearbeitet, dass zum Beispiel Kapitalismus und Klimaschutz für mich deshalb auch absolut keine Widersprüche darstellen, im Gegenteil.

Grundsätzlich möchte ich also, dass sich meine persönliche Überzeugung auch in meinem Depot widerspiegelt. Tech-Aktien müssen also mit rein. Doch wie kann man so etwas smart umsetzen?

Tech-Aktien bergen hohe Risiken

Anfangen möchte ich heute mit einem Grundsatz, den ich mir aus dem Buch „Finanzberatung? Nein danke!„* abgeschaut habe:

Grundsatz: Technologie-Einzelaktien meiden! Zumindest beim langfristigen investieren (15 Jahre plus).

In dem Buch war die Sprache von unverhältnismäßig hohen Risiken, die mit einem langfristigen Investment in Einzelaktien aus dem Technologiebereich einhergehen sollen. Zu schnelllebig sei die Zeit, große Trends können sich von Heute auf Morgen ändern. Ehemalige Marktführer werden abgelöst und verlieren im Wettbewerb – im Extremfall bis zur Pleite. Andere Branchen im Gegenzug werden immer gebraucht und seien daher vorzuziehen (Konsumgüter, Nahrungsmittel und Hygieneartikel etc.).

Im Sprachjargon bei Tech-Aktien spricht man auch gerne vom „The-Winner-takes-it-all-Prinzip“. Demnach wird ein Markt selten unter mehreren Firmen aufgeteilt, sondern von einzelnen Wenigen dominiert. Bis hin zur Bildung von Monopolen.

Wenn ich nun als Privatperson langfristig für einen Zeitraum 15-30 Jahre fürs Alter vorsorgen möchte, scheint eine solche Prognose in der Tat schwierig zu sein. Wenn jemand anno 1985 in Kodak investiert hätte, wäre er heute vermutlich nahezu Pleite. Ähnliches bei der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Auch hier setzten viele Privatanleger auf Firmen, die es heute zum Teil schon gar nicht mehr gibt. Auch hier waren Totalverluste nichts Ungewöhnliches. Im besten Fall dümpeln solche Aktien Dekaden nur so vor sich hin, ohne Rendite zu machen.

Wenn hier die Opportunitätskosten berücksichtigt werden (wieviel Rendite wäre stattdessen in der Zeit möglich gewesen?), tut auch dies weh und kann die Vermögensbildung langfristig zerstören.

Ich gebe dem Buch daher im Grundsatz durchaus Recht und kann die Argumente sehr gut nachvollziehen.

Neuartige Nischen-ETFs

Auf einen anderen aktuellen Trend blicke ich daher auch relativ skeptisch: Neuerdings sind bei manchen Anlegern (auch gerne bei jüngeren) gewisse Technologie-Trend-ETFs ziemlich begehrt. Egal ob Themen wie „Global Clean Energy„, „Electric Vehicles„, „Wasserstoff“ oder „Kommende Mega-Trends„. Verschiedene ETF-Anbieter bieten hier zahlreiche ETFs an, für die dann gerne auf Youtube, in Foren oder anderen Medien fleißig die Werbetrommel gerührt wird.

Einige dieser Trend-ETFs haben aber beim letzten Rücksetzer der Tech-Werte ziemlich gelitten, mehr noch als ein breiter Technologie-Index. Teilweise brachen diese ETFs um 30 Prozent ein, die erstmal wieder aufgeholt werden wollen.

Ich persönlich halte davon aktuell nichts. Zum einen weil Technologie an sich schon eine Sektorwette darstellt. Wenn man dann noch einzelne Trends abzubilden versucht, wird aus der Sektorwette zusätzlich noch eine Branchenwette (z.B. Wasserstoff). Für meine Strategie ist das aktuell einfach nicht passend.

Anders sehe ich Krypto-Währungen, weshalb ich auch in diese mit Maß und Ziel gerne investiere. Meine Strategie hierzu kannst du hier und hier nachlesen. Aber auch hier würde ich mich nie festlegen, welche Währung bzw. welchen Coin es in 10-20 Jahren noch gibt.

Crash der Tech-Aktien?

Auch scheint der Rückgang der Kurse bzw. die Stagnation der Technologie-Aktien in den letzten Monaten Skeptikern der Sektorwette „Technologie“ hier Recht zu geben. Die einen sprechen von ganz normaler Sektor-Rotation, also weg von Tech und hin zu Value. Andere machen die Gefahr von steigenden Zinsen für den Einbruch der Tech-Werte verantwortlich. Auch die drohende Ablösung der USA durch China Als Weltmacht Nr. 1 sorgt hier für reichlich Spekulationsstoff.

Letztendlich: Mir als Privatinvestor können die Gründe egal sein, entscheidend ist die Rendite langfristig und die Gesamtperformance des Depots.

Hier muss man ganz klar festhalten, dass jede Strategie, die vollständig auf Technologie verzichtete in den letzten 15 Jahren klar unterlegen war. Ohne Tech-Werte hätte man als Investor auf einen Großteil der Börsenrally verzichtet und hätte dadurch sein Vermögen wesentlich weniger effizient vermehrt.

Somit war auch unter dem Gesichtspunkt Performance Technologie essentiell.

Tech-Index vs. Welt-Index

Die klare Outperformance von Tech gegenüber dem breiten Markt wird besonders deutlich, wenn man die entsprechenden Leit-Indices einmal miteinander vergleicht. Dies fällt wieder am leichtesten mit der Gegenüberstellung von den jeweiligen ETFs:

So performte ein ETF auf den NASDAQ 100 (thesaurierend) in den letzten 5 Jahren mit 25,39% p.a. (auf EURO-Basis). Ein vergleichbarer ETF auf den ACWI (thesaurierend) brachte es hier auf „nur“ 12,59% p.a. (auf EURO-Basis).

Vergleich ETF MSCI ACWI und ETF NASDAQ 100
Quelle: Fondsweb.com, Stand: 05.05.2021

Den NASDAQ 100 habe ich für den Vergleich als Index gewählt, weil er der bedeutendste Technologie-Index weltweit ist. Zwar sind überwiegend US-Unternehmen darin gelistet, bedeutende ausländische Player (z.B. aus China oder Israel) finden sich aber auch darin. Der ACWI-Index wiederum ist der global nahezu am breitesten gestreute, sodass sich hier ganz gut „der Gesamtmarkt“ ablesen lässt.

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Achtung: Verzerrungen durch Tech!

Hier muss aber eine Sache deutlich betont werden: Die Technologie-Werte dominieren derzeit auch die weltweiten Indices. Wer den ACWI oder MSCI-World für seine Vermögensbildung wählt, ist auch hier schon ziemlich stark in Technologie-Werte investiert. Das muss man sich stets bewusstmachen.

Siehe die ersten 10 Top-Positionen des ACWI (Quelle, Stand: 05.05.2021) und ihren Anteil am Gesamtindex:

  1. Apple (3,36%)
  2. Microsoft (2,74%)
  3. Amazon (2,13%)
  4. Facebook (1,14%)
  5. Alphabet A (1,00%)
  6. Alphabet B (0,99%)
  7. Taiwan Semiconductor (0,82%)    
  8. Tesla (0,82%)
  9. JP Morgan Chase (0,75%)
  10. Tencent (0,73%)

Somit sind 9 von 10 Unternehmen der Top 10 des ACWI im Technologiebereich anzusiedeln. Insgesamt machen die oben genannten Firmen also eine Gewichtung von 14,49% des gesamten ACWI aus!

Ohne Tech geht also theoretisch gar nichts. Sollten Tech-Werte stark einbrechen, würden sie somit Stand heute auch die globalen Indices mit in den Abgrund reißen. Zumindest bis neue Unternehmen aus anderen Branchen in den Index nachrücken und die Apples, Microsofts und Amazons ablösen. Dann sollte sich auch der Index wieder berappeln.

Du siehst also: Auch wenn du für deine Altersvorsorge die Ein-ETF-Strategie fährst, bist du schon nicht unerheblich in Tech investiert.

Wie in Technologie investieren?

Also Butter bei die Fische, wie mache ich es?

Ich persönlich unterscheide auch hier wieder in kurz-/ mittelfristig (eher spekulativ) und in langfristig (Altersvorsorge/Vermögensaufbau). Mittelfristig investiere ich durchaus in einzelne Firmen wie Amazon, JD.com oder Tencent. Hier besteht für mich auch kein Widerspruch zu der oben genannten Grundregel des Buches. Hier verfolge ich die Firmen aber sehr aufmerksam und bin dann auch bereit, mich bei einem Umkippen der Stimmung von den Unternehmen zu trennen.

Anders bei meiner langfristigen Strategie für die Altersvorsorge (15+ Jahre): Hier nutze ich tatsächlich einen ETF auf den NASDAQ 100 als Ergänzung in meinem Welt-Portfolio.

Meine Grundannahme hier: Auch in den nächsten Jahrzehnten wird Technologie ein Treiber des Fortschrittes und des wirtschaftlichen Aufschwunges der Welt sein. Zudem werden sich einige Tech-Werte heute in die Value-Werte von morgen verwandeln. Eine Übergewichtung des Tech-Sektors im Vergleich zum normalen Markt spiele ich also ganz bewusst.

Hier sehe ich durchaus Chancen, dass der NASDAQ 100-Anteil die Gesamtperformance des Depots langfristig über die ACWI-Performance pusht. Quasi als kleiner Turbo im Depot.

Risiken von Branchenpleiten oder die zeitraubende Analyse von Tech-Konzernen spare ich mir hier gerne. Wie ich schon oft festgestellt habe: Eine einzelne Firma kann sterben, ein Aktienindex jedoch nicht.

Gefahr steigender Zinsen

Freilich kann niemand vorhersagen, ob es so kommt oder ob das kommende Jahrzehnt gar zu einem Fiasko für Tech-Werte wird. Zum Beispiel falls je tatsächlich die Zinsen weltweit ansteigen sollten, worunter dann die Wachstums- und Tech-Werte besonders leiden dürften. Immerhin schickte alleine schon das Flüstern von Inflation und Zinsanhebung die Tech-Aktien auf Talfahrt.

Dieses Risiko gehe ich dann aber auch bewusst ein. Ich bleibe hier zuversichtlich, dass ohne Technologie die Probleme der Gegenwart und Zukunft nicht zu lösen sind, weshalb ich auch hier langfristig für den NASDAQ 100 sehr optimistisch bin.

Hier gleich einen langfristigen ETF-Sparplan auf den NASDAQ 100 eröffnen:

Fazit:

Als persönliches Fazit bleibt mir nur festzuhalten, dass ich ganz bewusst den Tech-Sektor in der langfristigen Geldanlage leicht übergewichten möchte. Es lässt sich in etwa damit vergleichen, wie wenn man zusätzlich zu einem ACWI-ETF noch einen Emerging Markets-ETF wählt. Theoretisch ist auch im ACWI schon genügend EM drin. Aber auch hier sage ich: In den EM spielt zukünftig die Musik, weshalb ich auch hier eine leichte Übergewichtung für mich passend finde.

Ich kann mir aber beim besten Willen keine Zukunft ohne Technologie und Tech-Unternehmen vorstellen. Daher gehe ich davon aus, dass ein Investment in den NASDAQ 100 mittels ETF keine übermäßigen Risiken langfristig in sich bergen und die Chancen für eine Outperformance des ACWI oder FTSE All-World dadurch ganz gut stehen.

Wie es dann tatsächlich kommt, wird die Zukunft zeigen.

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