Privatkredit in Zeiten niedriger Zinsen

Einen Privatkredit aufnehmen? Leider nicht immer eine gute Idee. Wie schon mehrfach auf dieser Seite erwähnt, besteht eine große Verlockung, sich mit Privatkrediten zu verschulden. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen, locken diverse Banken, Versicherungsunternehmen und Privatfirmen mit sensationell niedrigen Zinsen auf solche Kredite. Kein Geld für Urlaub zurückgelegt? Kein Problem, es gibt Privatkredite. Das Auto kaputt? Kein Problem dank Privatkrediten.

Dass man hierdurch leider oft langfristige Verbindlichkeiten eingeht, wird den meisten Kreditnehmern erst im Nachhinein bewusst. Bei manchen führt ein zu großer Schuldenhebel zur Privatinsolvenz. Ein Alptraum, den ich mir nur vage vorstellen kann.

Wenn die EZB die Zinsen abschafft…

Besonders als deutscher Sparer dürftest du inzwischen mitbekommen haben, dass die EZB in den letzten Jahren die Zinsen quasi abgeschafft hat. Ok, fairerweise muss man sagen, dass sich gleichzeitig auch die Inflation mit ihren 1-2 Prozent in den letzten Jahren in Grenzen hielt.
Dennoch waren vor nicht allzu vielen Jahren Guthabenzinsen von 3-4 Prozent aufs Tagesgeldkonto durchaus gebräuchlich. Ich persönlich gehe davon aus, dass diese Zeiten definitiv vorbei sind. Ob wir überhaupt nochmals steigende Zinsen erleben werden, würde ich mit einem großen Fragezeichen versehen.

Persönlich gehe ich eher davon aus, dass die EZB ihren aktuellen geldsozialistischen Ansatz weiter fährt und den Euro dadurch langfristig weiter entwertet oder der Gefahr einer Hyperinflation aussetzt.

Nicht umsonst plädiere ich bereits seit Jahren für ein Umdenken des deutschen Sparers, weg vom Sparbuch, hin zu Sachwerten wie Aktien. Leider lässt die deutsche Aktienkultur immernoch sehr zu wünschen übrig. Das dumme Sparen geht wohl noch absehbare Zeit so weiter, bis eben der Letzte merkt, dass er aktuell sein Vermögen durch die Inflation vernichtet.

Bleiben wir also bei den derzeit leicht verfügbaren Privatkrediten und ihren Risiken.

Privatkredit: Gefahr der Überschuldung

Gerade diese leichte Verfügbarkeit stellt auch gleichzeitig eine ernsthafte Gefahr für den eigenen Geldbeutel dar. Wenn man einen solchen Kredit beantragt, landet das Geld in der Regel wenige Tage später auf dem eigenen Bankkonto. Aber gerade diese Unkompliziertheit ist für angehende Schuldner natürlich gerade so verlockend.
Zudem unterschätzen Menschen die für sie negativen Auswirkungen des Zinseszinseffekts bei Schulden. Durch die Zinszahlungen bleibt es nämlich nicht beim ursprünglichen Betrag. Es kommen Zinsen dazu.

Auch wenn diese aktuell sehr niedrig sind, läppern sie sich dann doch über die Zeit ordentlich, wenn der Kreditbetrag nicht entsprechend getilgt wird.
Dies sollte man also dringend vorher mal ausrechnen, ehe man sich für die Aufnahme eines Privatkredites entscheidet.

Wann lohnt sich ein Privatkredit?

Es gibt jedoch auch Fälle, wo die Aufnahme eines Privatkredites zu den aktuell niedrigen Konditionen durchaus Sinn machen kann. Generell verteufeln möchte ich solche Kredite somit nicht. Unterschiedliche Lebenssituationen erfordern eben manchmal auch unterschiedliche Maßnahmen. Ein Privatkredit kann hier dazu gehören, um noch schlimmere Ereignisse im Leben abzuwehren.

Gerade in solchen Gesundheitskrisen, wie der Corona-Krise 2020, kann schnell mal ein Bedarf an mehr Liquidität entstehen. Wenn aber gerade das eigene Geschäft geschlossen ist oder der Arbeitgeber Kurzarbeit angeordnet hat, dann kann es finanziell durchaus auch mal eng werden.

Hier kann es dann durchaus legitim sein, auch mal über die Aufnahme eines Privatkredites nachzudenken, eben um schlimmere Folgen wie den Verlust der Wohnung etc. zu verhindern.

Persönliche Krisen

Andere Menschen werden geschieden oder verlieren ihren Job. Es sind menschliche Tragödien, die teilweise auch einfach im Lebensentwurf nicht einplanbar sind. Wiederum ist es zum Beispiel in den USA üblich, einen Studienkredit aufzunehmen, der dann nach Abschluss des Studiums teilweise noch über Jahre zurückgezahlt werden muss. Wobei ich hier behaupten würde, dass ein Studienkredit noch eine halbwegs sinnvolle Art der Kreditaufnahme darstellt. Immerhin investieren hier die jungen Leute in erster Linie in sich selbst und ihr Humankapital. Genau dieses Humankapital ist wiederum der Schlüssel zu Erfolg im Leben, was wiederum einen noch stärkeren Kapitalhebel darstellt. Zumindest langfristig.

Kommen wir also nun zu weiteren Fällen, wo ein Privatkredit tatsächlich Sinn machen kann. Betonung hier auf „kann“, weil ich nichtsdestotrotz der Auffassung bin, dass man sich nicht verschulden sollte, sondern sich lieber einen Notgroschen rechtzeitig aufbaut.

Die folgende Aufzählung ist dabei nur beispielhaft und sicher nicht abschließend:

a) Privatkredit statt Dispo

Du bist beispielsweise schon mit deinem Girokonto dauerhaft im roten Bereich? Dann kann sich ein Privatkredit tatsächlich für dich lohnen. Ein Dispo kostet in der Regel zwischen 8-12 Prozent Zinsen, je nach Bank. Ein Privatkredit je nach Bonität aktuell zwischen 2-5 Prozent. Es kann dann durchaus Sinn machen, wenn du einen Privatkredit über die Summe aufnimmst, mit der du auf dem Girokonto in den Miesen bist, um höhere Zinskosten zu vermeiden.

Logischerweise sollte dieser Negativbetrag dann aber nicht weiter steigen, weil sonst ein neuer Privatkredit benötigt würde.

b) Privatkredit für Investitionen

Du hast eine Geschäftsidee, möchtest an der Börse investieren oder hast einen heißen „Tipp“ bekommen, den du nun umsetzen möchtest? Auch dann kann sich ein Privatkredit lohnen. Du bekommst beispielsweise einen Privatkredit zu einem Zins von 2 Prozent. Dieses Geld investierst du nun aber sofort wieder in ein Unterfangen, welches dir deutlich mehr Erträge liefert.
So kannst du theoretisch unterm Strich Gewinn machen, weil deine Zinseinnahmen die Zinskosten übersteigen.

Hierzu muss aber gewährleistet sein, dass deine Investition auch tatsächlich einen dauerhaft höheren Ertrag für dich abwirft. Dauerhaft heißt, mindestens bis zum Ende deiner Kreditlaufzeit. Zudem darfst du das Geld dann auch nicht anderweitig ausgeben oder verkonsumieren.

Ziel ist es also, risikoarm einen dauerhaft höheren Ertrag zu erhalten. Dank der Niedrigzinsen scheidet daher ein Tagesgeldkonto schonmal aus. Der Aktienmarkt oder p2p-Kredite können hier vielleicht Chancen bieten, aber auch hier sind die Zinsen bzw. Dividendenerträge natürlich alles andere als „sicher“.

Unter Umständen reicht bereits eine Krise und das Kartenhaus bricht zusammen, da die Dividenden gestrichen werden oder P2P-Plattformen pleitegehen.

c) Umschulden zu einem günstigeren Privatkredit

Die letzte Möglichkeit wäre dann noch, einen bestehenden Privatkredit gegen einen günstigeren abzulösen. Du hast beispielsweise in Zeiten höherer Zinsen bereits einen Kredit abgeschlossen und würdest nun aber wesentlich bessere Zinskonditionen bekommen.

Dann kannst du dir überlegen, ob du deinen teuren Kredit nicht durch einen günstigeren Kredit ersetzt. Bei Immobilienkrediten ist dies zum Beispiel nach Ablauf von 10 Jahren Wartefrist Gang und Gäbe. Entweder bist du dadurch dann schneller schuldenfrei oder du hast eine geringere monatliche Belastung, je nach Kreditvertrag. Diese Art des Kreditabschlusses macht in meinen Augen am meisten Sinn. Entsprechende Kreditrechner können dir hierbei helfen.

Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten: Vor einem Wechsel solltest du dich genau über deine aktuellen Konditionen informieren. Viele Kreditgeber verlangen im Falle einer Umschuldung ggf. Zinsausfallgebühren oder andere „Strafen“. Daher unbedingt vorher selbst durchrechnen, ob es auch mit diesen „Strafen“ Sinn macht zu wechseln.

Von Privatkrediten profitieren

Wie schon in einem anderen Artikel geschrieben, kann es sich auch lohnen, als Privatanleger selbst Kredite an andere Privatpersonen zu vergeben. Ich habe hier in der Vergangenheit schon das Beispiel Mintos* erwähnt. Vorher sollte man sich aber ausgiebig mit der Materie beschäftigen, um kein allzu großes Risiko einzugehen. Bei Interesse helfen dir vielleicht die folgenden Bücher (durch einen Klick auf die Bilder gelangst du zur jeweiligen Angebotsseite):

Mittlerweile gibt es aber auch deutsche Alternativen, wie z.B. Smava und Auxmoney. Gerade in Zeiten von Niedrigzinsen sind mit p2p-Krediten noch immer hohe Renditen drin, zu kalkulierbaren Risiken. So gibt z.B. Auxmoney an, dass die Ausfallquoten bei lediglich 3% liegen.

Meine Erfahrungen beschränken sich momentan ausschließlich auf Mintos. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, zukünftig auch in die deutschen Alternativen zu investieren. Ich verweise alleine auf die Rendite von durchschnittlich über 7 Prozent. So soll es z.B. bei Smava einen Mechanismus geben, durch den das Kreditausfallrisiko nahezu ausgelöscht wird. Sollte ich dort selbst investieren, werde ich analog zu Mintos über meine Erfahrungen berichten.

Privatkredit aufnehmen? Mein Fazit

Grundsätzlich sollte man wie oben beschrieben in erster Linie die Aufnahme sämtlicher Privatkredite vermeiden, wenn man selbst dadurch zum (jahrelangen) Schuldner wird.
Besser ist in jedem Falle, seine eigenen Finanzen zu optimieren und organisieren.
Es kann aber wie an den Beispielen ersichtlich trotzdem auch mal Sinn machen, einen Privatkredit abzuschließen. Wichtig hierbei: Unbedingt vorher die Kreditangebote vergleichen (z.B. über Smava oder unseren Kreditrechner).

Besonders wichtig sind die Klauseln über Sondertilgungen. Kann man den Kredit jederzeit zurückzahlen? Wie oft und wie hoch darf man sondertilgen? Ein Kredit kann z.B. einen günstigen Zins haben, aber wenn man nie sondertilgen darf, dann summiert sich auch dieser günstige Zins über die Jahre zu einem nicht mehr ganz so günstigen Zins.

Wie ich in meiner Artikelserie bereits erwähnt habe, investiere ich gleichzeitig auch in Mintos. Dort kannst du bereits ab 10 Euro Renditen von 10-12 Prozent p.a. erreichen (worin dabei auch die Gefahr liegt, kannst du bei Interesse hier nachlesen).

Wie stehst du zu Privatkrediten und hast du damit schonmal Erfahrungen gemacht?

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