Meine Prognosen für das Börsenjahr 2021 – Stelle ich mein Depot um?

Viel liest man derzeit über Prognosen zur Entwicklung für das Börsenjahr 2021 und die Folgejahre. In manchen Beiträgen und Videos werde ich mit Schlagworten wie „Sektorrotation“, quasi die Wiederbelebung von „Value“-Werten, oder Unworten wie „Hyperinflation“ konfrontiert. Einige sind extrem bullisch, andere wiederum sehen den Crash (diesmal endlich!) kommen.

Auch Tech-Werte seien eher zu meiden, weil sie ihre Hochpunkte bereits gesehen hätten und Blasen gebildet hätten. Wieder Andere sprechen im Worst Case von einer „verlorenen Dekade“ für Wertpapiere bis 2030 allgemein. Dies würde angeblich vor allem die jungen „Traderepublic-Trader“ hart treffen. Seitdem diese am Markt aktiv sind, kennen sie nämlich nur eine Richtung: Aufwärts.

Aber gibt es zwischen dem ganzen Marktlärm nicht vielleicht doch auch Handlungsbedarf?

Wie wird das Börsenjahr 2021?

Ich habe es schon vorweggenommen: Vieles ist für mich in erster Linie Marktlärm. Daher gebe ich nicht viel darauf. Hinter den meisten Prognosen für das Börsenjahr 2021 verstecken sich in erster Linie die Interessen derer, die sie verfassen. Börsenbriefe, Youtube-Channels und Bücher funktionieren mit Negativnachrichten und Angst nunmal traditionell besser, als mit stoisch ruhigen Nachrichten wie:

„Bleib einfach beim MSCI (AC)World investiert und mach die Augen zu.“

Was also 2021 bringt, ist in meinen Augen seriös nicht zu prognostizieren. Dennoch kann man für Vieles Argumente finden, die sich auch gut begründen lassen. Nachfolgend möchte ich dir kurz darstellen, wie ich mein Portfolio anpasse und welchen oben genannten Entwicklungen ich keinerlei Beachtung schenke.

Diese Prognosen halte ich für realistisch

Insbesondere folgende Entwicklungen bzw. Prognosen halte ich 2021 durchaus für realistisch und bin gespannt wie es am Ende des Börsenjahres 2021 mit meinen Prognosen aussieht:

  • Inflationäre Schockwelle, sobald der Konsum nach Corona wieder anzieht
  • Dadurch: Eventuell kurzfristige Zinserhöhung durch die Notenbank, um die Folgen der Inflation abzudämpfen (was sich derzeit schon an steigenden Zinsen für Immobilienkrediten abzeichnet)
  • Mittelstarke Korrektur an den Aktienmärkten im 1. Quartal. Einschätzung: Gute Nachkaufgelegenheit
  • Starke Korrektur beim Bitcoin im 1. Quartal. Einschätzung: Gute Nachkaufgelegenheit langfristig (Wert am 19.01.2021: 37.256 US-Dollar)
  • Tech-Werte bleiben attraktiv, wachsen aber nicht mehr so dynamisch wie in der Vergangenheit und korrigieren auf realistische Niveaus
  • Gold steigt wieder (Wert am 19.01.2021: 1838 US-Dollar)
  • Silber steigt wieder (Wert am 19.01.2021: 25,12 US-Dollar)
  • Der systemische Crash bleibt (wiedermal) aus
  • Insgesamt steht uns ein gutes Börsenjahr 2021 bevor

Das ist im Wesentlichen mein Blick in die Kristallkugel für 2021. Ende des Jahres werde ich diesen Beitrag nochmals aufgreifen und quasi als Faktencheck nachschauen, ob und wo meine Prognosen zugetroffen haben.

Kommt die Inflation 2021? – Kaffeesatzleserei vom Feinsten

Meine Prognosen treffe ich natürlich mit einem gewissen Lächeln, da ich normalerweise Kaffeesatzlesereien nicht viel abgewinnen kann. Als Experiment für dieses Börsenjahr möchte ich es dennoch mal spaßeshalber ausprobieren.

Einige Einwände von Crash-Propheten, genau wie Argumente mancher Perma-Bullen habe ich hierbei berücksichtigt. Manche Aussagen könntest du daher von anderen Blogs oder Youtubern bereits kennen, wieder andere vielleicht weniger.

Basierend auf meinen Prognosen: Was habe ich nun also bei meinem Depot geändert / ergänzt / umgestellt? Welche Änderungen sehe ich tatsächlich am Horizont? Welche Gefahren drohen und welche Bereiche werden sich eher positiv entwickeln?

Depotänderungen für 2021 und die Folgejahre

Kurz vorab: Geändert habe ich nicht viel. Mein Ziel war es schon immer und ist es noch, einen gewissen defensiven Teil in meinem Depot zu haben und generell eine langfristige Strategie zu fahren. Von daher besteht bei meiner Risikoneigung wenig Handlungsbedarf.

Dennoch habe ich ein paar kleine Änderungen und Eingriffe vorgenommen, die ich dir gerne kurz darstellen und auch kurz begründen möchte:

  • Umstellung meiner langfristig besparten ETFs auf die Ertragsverwendung „thesaurierend“. Dies betrifft insbesondere meine ETF-Sparpläne: Mein Vanguard ist nun thesaurierend, genauso wie mein MSCI Emerging Markets ETF. Wieso die Änderung? Kurzum: Steuerliche Gründe und Bequemlichkeit. Da ich den Freibetrag jährlich von 801 Euro bei weitem überschreite, möchte ich die latenten Steuerstundungs- und Zinseszinsvorteile eines Thesaurierers gerne mitnehmen. Beide ETFs sollen 10 Jahre plus laufen, daher kann ich mit der automatischen Wideranlage auf Fondsebene sehr gut leben. Zudem entfällt dann das manuelle Reinvestieren, was mir wiederum Zeit und Kosten einspart. Einzig mein Emerging Markets Bond ETF bleibt ausschüttend, schlicht weil es diesen nicht thesaurierend gibt und ich ihn auch langfristig als „Cashcow“ im Depot nutzen möchte zusammen mit den Dividenden meiner Einzelaktien. Diese Dividenden aus Aktien und ETF werden nach wie vor manuell für Nachkäufe genutzt (für den Zinseszinseffekt).
  • Verkauf eines Teils meiner Kryptos: Verkauf Bitcoin bei einem Kurs von 31.663,84 Euro (am 14.01.2021), Verkauf Ethereum bei einem Kurs von 955,50 Euro (am 14.01.2021). Bei Beiden warte ich eine deutliche Korrektur ab und steige dann mit der gleichen Summe wieder günstiger ein. Einen kleinen Teil lasse ich natürlich weiterlaufen, ich bin also in beiden dennoch weiter investiert. Dieses Vorgehen hat sich besonders beim Ethereum ausgezahlt, wo ich schon wieder deutliche Gewinne seit dem Verkauf habe – trotz Teilausstieges. Zielmarken für meinen Wiedereinstieg: Bitcoin zwischen 22.000-26.000 Euro; Ethereum zwischen 600-800 Euro. Dies sind aber nur meine Gedanken, das will ich nicht als Anlageempfehlung verstanden wissen. Sollten beide Kaufzonen 2021 nicht mehr erreicht werden, habe ich halt Pech gehabt. Bei den derzeitigen Kursen werde ich aber zunächst nicht mehr in größerem Stil einsteigen. Zu groß ist für mich das Risiko einer Blase.

Ausbau nichtzyklischer Aktien

  • Ausbau meiner eher defensiveren Einzelaktien: Damit meine ich Value-Aktien, z.B. im nichtzyklischen Konsumbereich. Wenn man den Prognosen Glauben schenken darf, werden diese Aktien durch eine eventuell anstehende Korrektur weniger stark in Mitleidenschaft gezogen. Zudem sollten sie von einer eventuellen Sektorrotation –so es sie überhaupt geben wird – profitieren. Beispiele aus meinem Depot sind hier Unternehmen wie Procter & Gamble, PepsiCo und Unilever. Also eher die zuverlässigen Langweiler mit nahezu unverwüstlichem Geschäftsmodell bzw. „Burggraben„.
  • Ich bleibe bei meinem NASDAQ 100-ETF an Bord und werde hier keine Teilverkäufe der erheblichen Gewinne vornehmen. Ähnlich wie bei meinen großen ETFs (All-World / EM) plane ich hier, die nächsten 10 Jahre investiert zu bleiben. Ich glaube nicht an einen brutalen Einbruch der Tech-Werte, eher an eine Stagnation durch Regulierung, die China-Problematik mit der NASDAQ und (Teil-)Zerschlagungen. Und selbst wenn der NASDAQ 100 um z.B. 20 Prozent korrigieren würde, wäre dies eher ein guter Zeitpunkt zum Nachkaufen bzw. zeitweise die Sparpläne zu erhöhen. Diese Korrektur werde ich voller Vorsatz mitmachen. Da ich mir stets die Tipps aus diesem Buch* zu Herzen genommen habe, investiere ich nämlich im Tech-Bereich langfristig nie über Einzelwerte. Kurz- und mittelfristige Spekulationen gehe ich hingegen schon mal ein.
  • Weiterer Ausbau meiner Gold– und Silber-ETCs. Hier natürlich der Hintergedanke „Inflation“ und eventuelle Flucht in Sachwerte. Diese Positionen sind aber ebenfalls langfristig ausgerichtet, sodass ich diese stur weiterlaufen lasse ohne aktuelle Änderung.
  • Weiteres Abschmelzen und Herunterfahren meiner Investments in Mintos.

Depot-Performance im grünen Bereich

Hinsichtlich der Performance meiner Core-Satellite-Strategie bin ich mehr als zufrieden. Die genaue Performance bekomme ich in nächster Zeit von meiner Depotbank als detailliertere Auswertung: So viel aber schonmal für die Neugierigen unter euch: Alleine die realisierten Verkäufe und laufenden Erträge im Depot (ohne physische Kryptos!) zusammen beliefen sich schon auf einen Gewinn von knapp 13 Prozent, gemessen am investierten Gesamtbetrag zu Jahrebeginn.

Nicht mitgerechnet sind hier die Wertsteigerungen von Gold/Silber, der Einzelaktien und der ETFs die im Plus notieren, genau wie die physischen Kryptos. Hier warte ich auf die Auswertung und schenke mir die umständlichen Erfassungen mittels Portfolio-Performance oder anderen Programmen.

Grundsätzlich bin ich also ziemlich zufrieden und kann mit Stolz sagen, trotz Corona den MSCI World im Börsenjahr 2020 geschlagen zu haben. Würde mir dies nämlich nicht langfristig gelingen, könnte und müsste ich dann konsequenterweise nämlich auf einen einzigen Welt-ETF umstellen und ausschließlich diesen füttern und mir das Stock-Picking von Einzelaktien schenken.

Wie sieht deine Rendite im Jahr 2020 aus? Was sagt dir der Blick in die Glaskugel für das Börsenjahr 2021?

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