Welche Kreditarten gibt es?

Kredite und die verschiedenen Kreditarten – ein mehr als unliebsames Thema bei Verbrauchern. Auf der einen Seite sind sie in den Augen Vieler Gift, auf der anderen Seite führt teilweise kein Weg daran vorbei, beispielsweise bei der Verwirklichung von Immobilien-Wünschen, wo schlicht das Eigenkapital nicht ausreicht. Auch persönliche Schicksale können die Inanspruchnahme eines Kredits erforderlich machen.

Andere Kredite* wiederum sind mit Vorsicht zu genießen, vor allem Konsumentenkredite verschiedenster Couleur.

Nachfolgend bekommst du einen kleinen Überblick über die wichtigsten bzw. gängigsten Kreditarten. Natürlich gibt es noch viele weitere, aber wenn du die nachfolgenden kennst, bist du meiner Ansicht nach schon bestens gerüstet.

Kredite – der Zweck entscheidet

Bei Krediten wird zunächst grundsätzlich unterschieden in Kredite

  1. Mit Zweckbindung oder
  2. Ohne Zweckbindung

Bei Krediten mit Zweckbindung MUSST du die Gelder exakt für den beantragten Zweck verwenden und das ggf. auch dem Kreditgeber (Bank etc.) nachweisen. Andere Kredite lassen dir als Konsument freie Hand in der Verwendung, diese sind dann folgerichtig ohne Zweckbindung.

Beginnen wir zunächst mit den gebräuchlichsten Krediten ohne Zweckbindung:

Kredite ohne Zweckbindung

Dispositionskredit („Dispokredit“)

Diese Kreditart dürfte jeder zumindest aus der Theorie kennen: Beim Dispositionskredit, gerne auch liebevoll „Dispo“ genannt, gewährt dir die Bank bei deinem Girokonto einen gewissen Überziehungsrahmen. Das heißt vereinfacht, dass du mehr Geld ausgeben kannst, als überhaupt auf deinem Konto liegt. Dein Kreditinstitut bzw. deine Bank räumt dir ein, dass du mit deinem Konto „ins Minus“ gehen kannst.

Dies erfolgt natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe wie du dir sicher vorstellen kannst. Der Dispo ist vergleichsweise teuer und die Bank verlangt von dir meistens hohe Zinsen. Daher ist meiner Meinung nach von der Inanspruchnahme des Dispos außer für kurze Zeit (Überbrückung bis zum nächsten Gehalt) grundsätzlich Abstand zu nehmen.

Vor- und Nachteile:

+ schnell verfügbar

+ Wird mit Eröffnung des Girokontos festgelegt

+ Sehr flexibel und ohne große Probleme tilgbar

– Sehr teuer, teilweise 8-12 % Zinsen, je nach Marktlage

Rahmenkredit

Eine meiner Meinung nach hoch interessante Alternative zum teuren Dispokredit bildet ein sogenannter Rahmenkredit. Dieser ist schon an höhere Anforderungen geknüpft, beispielsweise musst du dem Kreditinstitut gegenüber deinen Beruf, deine Wohnsituation und deine Gehaltseingänge der letzten 3 Monate nachweisen. Hier ist es also nicht damit getan, „nur“ ein Girokonto zu haben.

Nach erfolgreicher Prüfung stellt dir die Bank dann einen Rahmen zur Verfügung (z.B. 10.000 Euro). Auf dieses Geld kannst du regelmäßig kurzfristig zugreifen und es auf dein Girokonto überweisen. Meistens ist das Geld nach Anforderung schon am nächsten Werktag auf deinem Konto. In der Regel zahlst du erst ab dem Moment Zinsen, wenn du den Kredit auch tatsächlich in Anspruch nimmst. Ansonsten liegt er einfach bei der Bank und kostet dich nichts.

Tilgung keine Pflicht

Zusätzlich zahlst du je nach Anbieter nur deine Zinsen zurück. Eine Tilgung kann zusätzlich vereinbart werden, ein MUSS ist sie aber nicht. Dies macht den Rahmenkredit zum einen sehr attraktiv, zum anderen aber auch nicht ungefährlich. Du kannst ihn im Prinzip beliebig weiterlaufen lassen und musst immer „nur“ die Zinsen zahlen.

Die Zinsen ins aber in der Regel wesentlich günstiger als bei einem Dispo. Aber Achtung: Bei Rahmenkrediten sind die Zinsen oft variabel, sprich sie können sich zu deinen Gunsten oder Ungunsten entwickeln.

Vor- und Nachteile:

+ keine Zweckbindung

+ schnell verfügbar nach erfolgreicher Prüfung

+ Niedrigere Zinsen als beim Dispo

+ Je nach Anbieter jederzeit voll oder teilweise tilgbar, somit keine Laufzeit

+ Kein Tilgungszwang

– kein Tilgungszwang à bei unzureichender finanzieller Erfahrung steigt die Gefahr eines dauerhaften „Schuldenklotzes am Bein“

– variable Zinsen

Ratenkredit

Wer gerne noch niedrigere Zinsen haben möchte, der sollte sich gegebenenfalls mal einen Ratenkredit näher anschauen. Diese Kreditart (oft auch Privatkredit oder Konsumentenkredit genannt) funktioniert ähnlich wie der Rahmenkredit. Hier bekommst du aber sofort die gewünschte Summe ausbezahlt und musst sofort auch Zinsen und Tilgung in Raten zurückzahlen, daher der Name.

Zudem gibt es meistens einen festen Tilgungsplan und meistens auch eine vertragsmäßige Laufzeit (z.B. 6 bis 96 Monate). Dadurch besteht eine gewisse Planbarkeit. Zudem sind die Zinsen meistens für die gesamte Laufzeit festgeschrieben und nicht variabel wie beim Rahmenkredit (s.o.).

Wer sich zur Rückzahlung zwingen möchte und meistens niedrigere Zinsen als beim Rahmenkredit haben möchte, kann sich den Raten-/Konsumentenkredit gerne näher anschauen.

Vor- und Nachteile:

+ keine Zweckbindung (Konsum)

+ zinsgünstig, i.d.R. niedrigere Zinsen als beim Rahmenkredit

+ i.d.R. sind Sondertilgungen und vorzeitige Komplettrückzahlung möglich, je nach Anbieter

+ Tilgungszwang durch Ratenplan

– feste Laufzeit

– feste Zins- und Tilgungsraten, daher nicht ganz so flexibel wie ein Rahmenkredit

Kredite mit Zweckbindung

Immobilienkredit

Wer ein Eigenheim erwerben möchte und im Alter mietfrei wohnen möchte, kommt in den seltensten Fällen an einem Immobilienkredit bzw. Immobiliendarlehen vorbei. Bei allen Krediten halte ich einen Immobilienkredit noch für am meisten vertretbar. Wer kann schon 200.000 Eurobis 500.000 Euro für ein Eigenheim aus eigener Tasche bezahlen? Sicherlich die Wenigsten. Hierzu braucht es vermutlich eine Fremdfinanzierung.

Daher macht es Sinn, bei der jeweiligen Bank des Vertrauens mal ein Immobiliendarlehen anzufragen. Selbstredend gewährt die Bank den Kredit nur für den tatsächlichen Fall eines Kaufes oder Baus einer Immobilie. Hier wären wir auch schon bei dem größten Nachteil dieser Kreditform: Die Bank verlangt im Gegenzug als Sicherheit einen Eintrag im Grundbuch der Immobilie. Wenn du also deinen Kredit nicht mehr bedienen kannst, dann wird die Bank dir deine Immobilie im Extremfall wegnehmen bzw. pfänden.

Niedrigere Zinsen fürs Haus

Vorteil eines Immobilienkredites wiederum sind die niedrigen Zinsen. Von allen vorgestellten Krediten ist es in der derzeitigen Niedrigzinsphase am wahrscheinlichsten, hier noch Kreditzinsen von unter 2 % zu bekommen, für Laufzeiten von 10-15 Jahren. Sobald die EZB die Zinsen in 2019 aber wieder anhebt, dürften auch die Immobilienkredite wieder teurer werden. Zum Vergleich: Damals z.B. in den 70er Jahren waren Kreditzinsen von 7-9 Prozent normal.

Teilweise bestehen die Banken auf Sicherheiten in Form von Risikolebensversicherungen oder anderen Ausfallsicherungen.

Immobilienkredite gibt es mit oder ohne Eigenkapital, also eine sogenannte 100%-Finanzierung. Teilweise gibt es auch Angebote, die zusätzlich die Makler- und Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notargebühren…) mit abdecken können, sogenannte 120 %- Finanzierungen.

Vor- und Nachteile:

+ Sehr niedrige Zinsen

+ Zwang zur Tilgung

+ Sofortige Nutzung der Immobilie, auch wenn der Kredit noch nicht getilgt ist

+ Teilweise 100-120 %-Finanzierungen verfügbar (bei guter Bonität)

– Zweckbindung an Immobilie (logisch)

– Vergleichsweise komplexer Antrag und langfristiges Verfahren (Notar, Grundbuch etc.)

– teilweise Kopplung an Risiko-Lebensversicherungen zur Risikominimierung für die Bank

Autokredit

Wer hätte es gedacht, dieser Kredit dient der Finanzierung eines fahrbaren Untersatzes. Auch hier MUSS der Kredit für einen zuvor mit der Bank abgestimmten Erwerb eines Fahrzeuges abgeschlossen werden. Von dem Geld eine neue Küche zu kaufen, ist somit nicht möglich. Meistens haben die großen Automobilfirmen eine eigene Finanzierungsbank, über die dann die Autokredite abgewickelt werden.

Wer sich gerne ein kostenintensives Fahrzeug kaufen möchte, kann über einen Autokredit nachdenken. Auch hier sind die Zinsen in der Regel günstiger als bei einem normalen Privat- bzw. Ratenkredit. Als Sicherheit für die Bank dient das erworbene Fahrzeug. Teilweise wird der Fahrzeugbrief bis zur vollständigen Tilgung durch die Bank einbehalten.

Teilweise verlangen die Kreditgeber auch eine gesalzene Eigenleistung. Wer notorisch knapp bei Kasse ist und wenige Rücklagen hat, für den dürften die Anzahlungen manchmal ein Problem darstellen.

Da ich kein großer Fan teurer Autos bin, halte ich persönlich wenig von solchen Krediten. Im Einzelfall können sie aber Sinn machen (z.B. bei gewerblichen Pkw) oder notwendig sein (nicht genug Eigenkapital, Auto wird aber zwingend benötigt).

Vor- und Nachteile:

+ niedrige Zinsen

+ Zwang zur Tilgung

+ Sofortige Nutzung des Pkw, auch wenn Kredit noch nicht getilgt ist

– Zweckbindung an Pkw-Erwerb

Ausbildungs- / Studienkredit

Hier ein Kredit, der meiner Meinung nach ebenfalls Sinn machen kann. Dieser Kredit ist ebenfalls zweckgebunden und ermöglicht die Finanzierung einer gewünschten Ausbildung oder eines Studiums. Auch in den USA ist diese Art von Krediten sehr weit verbreitet, gerade wenn junge Menschen an den begehrtesten Unis der Staaten studieren möchten. Teilweise werden die Kredite noch über Jahre nach dem Abschluss zurückgezahlt. Auch hier besteht natürlich die Gefahr, dass man sich über Gebühr finanziell bindet, und das über Jahre.

Vor- und Nachteile:

+ Direkte Investition ins eigene Humankapital

+ Ermöglicht Abschlüsse und Ausbildungen, die normalerweise außerhalb der eigenen sozialen „Klasse“ liegen

– Zweckgebunden an Ausbildung / Studium

– Muss nach erfolgreichem Abschluss zurückgezahlt werden, oft jahrelang

Effektenlombardkredit bzw. Wertpapierkredit

Diese Kreditart könnte für alle Aktionäre und Inhaber von Wertpapierdepots interessant sein. Bei einem Effektenlombardkredit dient das eigene Wertpapierdepot als Sicherheit für die Bank. Die Höhe des eingeräumten Kredites richtet sich nach der Beleihbarkeit des Wertpapierdepots. Diese wiederum berechnet sich aus den verwendeten Assets im Depot. So haben z.B. „sichere“ Wertpapiere wie Bundesschatzbriefe eine höhere Beleihungsgrenze als z.B. Zertifikate oder andere Derivate.

Der Kredit ist in der Regel zweckgebunden für den Erwerb weiterer Wertpapiere, daher wird er auch oft Wertpapierkredit genannt. Durch den geschickten Einsatz eines Effektenlombardkredits lassen sich Hebeleffekte erzielen, die das eigene Vermögen entsprechend stark erhöhen oder aber auch vermindern können.

Hierin liegt nämlich auch die Gefahr dieser Art von Krediten: Sinkt der Wert der eigenen, als Sicherheit hinterlegten, Wertpapiere stark, so kann die Bank bei Unterschreitung einer gewissen Grenze (Margin) eine Aufstockung durch weiteres Geld verlangen oder im schlimmsten Fall den Verkauf einiger Wertpapiere durchsetzen.

Gerade in turbulenten Zeiten wie im Herbst 2018 verkaufen zu müssen, dürfte dabei keinen Investor erfreuen. Daher ist Vorsicht geboten.

Vor- und Nachteile:

+ Vergleichsweise niedrige Zinsen

+ Hebeleffekt durch Kauf weiterer Wertpapiere mit Fremdkapital

+ Flexibel zurückzahlbar; steigt der Wert des Depots, erhöht sich der Spielraum weiter

– Gefahr bei fallenden Kursen; Verkaufsdruck von Wertpapieren oder Nachschusspflicht von Cash droht

– Wertpapierdepot dient als Sicherheit für die Bank

Gewerbekredit

Die Inanspruchnahme eines Gewerbekredites ist ebenfalls an gewisse Konditionen geknüpft. Vor allem muss natürlich ein Gewerbe vorliegen. Die Bank räumt dann dem Gewerbetreibenden einen normalerweise höheren Kreditrahmen ein, als es bei einer Privatperson der Fall ist. Zudem sind die Zinskonditionen flexibler, es bestehen zudem großzügigere Regelungen bezüglich Sondertilgungen.

Dennoch achtet auch hier die Bank darauf, keine allzu hohen Risiken einzugehen, gerade weil viele Unternehmen bereits in den ersten Jahren Pleite gehen.

Gewerbekredite können sowohl für Existenzgründungen oder auch in laufenden Betrieben beantragt werden.

Vor- und Nachteile:

+ niedrigere Zinsen

+ hoher Kreditrahmen

+ Für Existenzgründer geeignet

– an Gewerbebetrieb gebunden

Fazit:

Wie man es dreht und wendet: Die Inanspruchnahme eines Kredites sollte immer gut überlegt sein. Manche Kredite halte ich persönlich für sinnvoll, andere wiederum für überflüssig, wenn nicht sogar gefährlich. Letztendendes liegt es jedoch im Verantwortungsbereich eines Jeden, selbst zu überlegen, ob man Fremdkapital in Anspruch nehmen möchte oder doch irgendwie einen Weg findet, die Finanzierung aus eigenen Mitteln zu stemmen.

Wenn es schon ein Kredit sein MUSS, dann plädiere ich für die Raten- und Rahmenkredite, als geringste Übel für Privatpersonen. Beim Thema Immobilien dürfte zudem kein Weg an einem entsprechenden Immobilienkredit vorbeiführen.

Was sich hingegen tatsächlich lohnt, ist, wenn man auf der anderen Seite der Kredite steht. Sprich als Kreditgeber und nicht als Kreditnehmer. Das ist zwischenzeitlich über zahlreiche Portale wie z.B. Mintos* möglich. Über die Plattform Mintos habe ich in anderen Artikeln bereits berichtet und bin dort auch selbst investiert. Hier ist aber Vorsicht geboten, da das Risiko nicht gerade gering ist. Aber wo gibt es schon Zinsen von aktuell 10-13 % p.a. ohne Risiko?! Eben. Alles Wissenswerte über Mintos und P2P-Kredite gibt’s hier.

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Hier kannst du nun die verschiedenen Kreditangebote der Anbieter vergleichen und den für dich perfekt passenden Kredit heraussuchen:

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