ETF-Sparplan vs. Aktien-Sparplan

ETF-Sparplan vs. Aktien-Sparplan – was ist besser? Soll ich mein Geld lieber in einen ETF-Sparplan investieren oder besser Einzelaktien mittels Sparplan besparen? Indexsparplan oder Einzelaktien, das ist bei vielen eine reine Glaubensfrage. Beide Lager sind auch hoffnungslos verstritten, beide führen gute Argumente für die jeweils andere Sichtweise auf.

ETF-Sparplan vs. Aktien-Sparplan – Die Kämpfer betreten den Ring

Beispiel: Du willst jeden Monat z.B. 100 Euro langfristig investieren. Entscheidest du dich für einen (oder mehrere) ETF oder für (eine oder mehrere) Einzelaktien?

Fakt ist: Als ETF-Investor nimmst du am Auf- und Ab des Gesamtmarktes teil, während du als Einzelaktien-Investor nur an den jeweiligen Firmen beteiligt bist, deren Aktien du auch hältst, ist ja logisch.

Der Vorteil bei Einzelaktien ist, dass die Firmen unter Umständen besser als der Markt abschneiden könnten und du den Markt (z.B. Dax oder den S&P 500) also schlägst.

Der Nachteil: Auch das Gegenteil kann der Fall sein, was man derzeit an dem miserablen Aktienkurs der Deutschen Bank anschaulich vorgeführt bekommt. Seit Jahrebeginn hätte man dort sein Kapital um sage und schreibe 40 Prozent verringert, während der DAX beispielsweise sogar derzeit aufs Jahr gesehen im Plus liegt.

Studien belegen aber, dass die wenigsten Firmen dauerhaft den Gesamtmarkt outperformen. Letztendlich kommt es aber bei einer langfristigen Anlage auch genau auf die langfristige Entwicklung an. Dies spricht eigentlich schon alleine für die ETF-Variante.
Über die Gesamtperformance der Investition entscheidet aber auch die Höhe der Dividenden der Einzelaktien. Im Schnitt liegen diese derzeit bei 3-5 Prozent bei Einzelaktien aus dem DAX.

Wie steht es um die ETF-Sparplan-Gebühren?

Einen ganz wichtigen Punkt stellen wie immer bei der langfristigen Geldanlage die einmaligen und laufenden Gebühren dar. Allgemein hängt das natürlich auch von deinem ausgewählten Broker ab. ETF-Sparpläne sind oftmals komplett kostenlos besparbar (je nach ETF), Gebühren fallen nur für den zugrundeliegenden ETF und dessen Verwaltung an (Total Expense Ratio – kurz TER). Diese liegen im Schnitt zwischen 0,09 und 0,7 Prozent p.a. bei ETFs. Ausgabeaufschläge gibt es bei ETFs ebenfalls nicht.

Die jeweiligen Kosten siehst du im Verkaufsprospekt des Fonds bzw. auf einschlägigen Finanzportalen wenn du die WKN des ETF in der Suche eingibst. Wohl gemerkt das sind laufende Kosten, die jedes Jahr deinen Ertrag schmälern und automatisch von der Fondsgesellschaft vom Fondsvermögen abgezogen werden. Du kannst dagegen rein gar nichts tun.

Beispiel: Bei einer angelegten Summe von 100.000 Euro und einem ETF mit einer TER von 0,25 %, kostet dich alleine das Investiert-Sein in den ETF 250 Euro Gebühren pro Jahr, welches dir von deinen Gewinnen automatisch auf ETF-Ebene abgezogen wird. Immerhin wird dein Giro- oder Verrechnungskonto mit der Summe nicht belastet, es fällt lediglich dein Gewinn automatisch geringer aus. Achtung: Durch das Investmentsteuerreformgesetz gab es hierbei 2018 eine Änderung!

Die Auswirkungen der Reform auf thesaurierende oder ausschüttende ETFs kannst du hier nachlesen.

Zum Vergleich: Bei aktiv gemanagten Fonds fallen gut und gerne Verwaltungsgebühren von 1-2 % an, was bei 100.000 Euro Anlagekapital laufenden Kosten von 1000-2000 Euro pro Jahr entspricht.

Sparplan-Gebühren bei Einzelaktien

Bei Einzelaktien kommt es in Hinsicht auf die Gebühren ebenfalls darauf an: Hier entstehen keine laufenden Kosten durch den Aktienbestand im Depot an sich. Allerdings verlangt der Broker in der Regel eine gewisse prozentuale Kaufgebühr (z.B. 1,5% der investierten Summe) und teilweise noch eine Eintragungsgebühr ins Aktienregister bei deutschen (Namens-)Aktien (z.B. 1,95 Euro), je nach Broker.

Beim Kauf einer Aktie zu 100 Euro per Sparplan bedeutet das:

  • 1,50 Euro Sparplangebühr
  • [1,95 Euro Eintragungsgebühr ins Namensregister]

Macht somit 3,45 Euro Gesamtkosten pro monatlichem Kauf. Von deinen 100 Euro werden also nur 96,55 Euro tatsächlich in das jeweilige Unternehmen investiert. Ist ja auch ok so, der Broker muss ja auch sein Geld verdienen. Das bedeutet für dich aber:

Die Einzelaktie muss also erst 3,45 Prozent an Wert gewinnen, damit die Kosten wieder drin sind. Die erste Dividendenzahlung geht also alleine dafür schonmal drauf, dass du die Aktien gekauft hast (eventuelle Kurswertsteigerungen blende ich hier mal aus, diese können die Rechnung natürlich positiv beeinflussen…oder halt negativ). Du siehst also wieso sich manche Menschen auch arm traden können. Hin-und-Her macht Taschen leer, schonmal gehört?!

Kaufkosten als Renditebremse

Sind die Kaufkosten aber erstmal drin, gibt es dann aber keine weiteren laufenden Kosten durch die Einzelaktien. Ganz im Gegensatz zu den jährlich weiter laufenden Kosten eines ETF.

Kauft man die eine Aktie für 100 Euro übrigens ohne den Sparplan als Einmalanlage, zahlt man teilweise sogar ganze 5-10 Euro Transaktionsgebühren für den Kauf. Auch hier gilt: Die Aktie muss erst einmal 5-10 Prozent an Wert gewinnen, ehe du Null auf Null bist. Das sind schonmal 2-3 Dividendenzahlungen im Schnitt, du musst die Aktie also erstmal 3 Jahre halten.

Wenn du die Verkaufskosten dazu rechnest, wären das ganze 6 Jahre. Daher ist man meiner Ansicht nach sogar bei geringen Summen mit einem Sparplan (den du ja je nach Belieben auch pausieren kannst) definitiv besser bedient.

Ich habe ausgerechnet: Will man mehr als 700 Euro investieren, sollte man aus Transaktionskostensicht per manuellem Einmalkauf die jeweilige Aktie kaufen, unterhalb von 700 Euro kann sich der Kauf mittels Sparplan rechnen. Die Rechnung hängt natürlich auch immer vom Kaufkurs ab, über diesen hast du beim Einmalkauf natürlich die bessere Kontrolle, aber natürlich auch mehr Arbeit.

Du siehst: Liegen die Aktien aber erstmal im Depot, verursachen sie keinerlei weitere Kosten im Gegensatz zu den ETFs. Das ist natürlich ein gutes Argument für die Einzelaktien.



Stückelung der Aktien

Wenn du Aktien per Sparplan kaufst, hast du logischerweise keine ganzen Stücke im Depot liegen, sondern zum Beispiel 1,468 Stück einer Amazon-Aktie. Wie wirkt sich dies aus? Nunja in erster Linie gar nicht. Du bekommst dann auch die Kurssteigerungen für die exakte Anzahl deiner Aktien, genau wie eine prozentuale Beteiligung an den Dividenden. Hier hast du dadurch keine Nachteile, im Gegenteil, deine Dividende ist bei 23,355 Stück höher als bei 23 Stück.

Einziger Unterschied ist die Abrechnung bei der Bank. Die vollen Aktien gehören dir, die Bruchstücke der Aktien bei Sparplänen sind in einem gesonderten Sparplan-Topf des Brokers. Dies hatte bislang noch keinerlei negative Auswirkungen. Abwarten wie das im Falle einer Pleite des Brokers aussehen wird bei einer kommenden Finanzkrise?! Verfallen dir dann die Bruchstücke? Wer weiß.

Die ganzen Stücke deiner Aktien sind ohnehin geschützt vor der Pleite des Brokers.

Was spricht gegen Einzelaktien?

Wie oben bereits beschrieben, gelingt es nur den wenigsten Firmen, dauerhaft mehr Gewinn zu machen als ein breit gefasster Index. Der index hat also in der Regel eine bessere Performance. Zudem bist du mit Einzelaktien vom Schicksal der Unternehmen abhängig. Das Risiko ist also um einiges höher als bei ETFs, Stichwort: Diversifizierung. Geht das Unternehmen pleite, ist dein gesamtes Geld futsch.

Wenn du nur deutsche Einzelaktien kaufst, hast du zusätzlich noch das Problem, nur in einem Land investiert zu sein (sog. Home-Bias). Mit einem ETF hast du teilweise die ganze Welt in einem ETF gebündelt.

Weiterer Nachteil von Einzelaktien ist natürlich, dass du viele Aktien gar nicht mit einem Sparplan besparen kannst. Bei den größten Aktien des DAX ist das natürlich kein Problem. Möchtest du aber auch amerikanische Top-Aktien oder spekulative Titel aus den Emerging Markets per Sparplan besparen, guckst du vielleicht in die Röhre. Sie werden schlicht nicht als Sparplan angeboten.

Du musst diese Aktien also als Einmalanlage ins Depot legen, was unter Umständen angesichts der Transaktionskosten ziemlich ins Geld gehen kann, wenn du dir z.B. deinen eigenen Fonds „bauen“ willst. Das lohnt sich eigentlich nur bei größeren Summen pro Aktie. Ich persönlich befürworte eine Größe für Einzelpositionen von mindestens 2000 Euro pro Einzelaktie.

ETF sind Finanzprodukte

Was man auch nicht vergessen darf: ETF genauso wie aktive Fonds gehören zur Kategorie der Finanzprodukte. Sprich es sind Paketlösungen der Finanzindustrie. Zwar sind ETFs und Fonds ziemlich stark reguliert, jedoch sind die internen Abläufe der Fonds teilweise intransparent.

Einzelaktien hingegen sind Investitionen in die direkten Basiswerte der Wirtschaft, ohne „Mittelsmann“ in Form eines Finanzproduktes.

Für mich persönlich ist das nun nicht wirklich ein Vor- bzw. Nachteil. Auch Finanzprodukte haben ihre Berechtigung und die ETFs gehören meiner Meinung nach noch zu den risikoärmsten und transparentesten Lösungen der Branche. Von daher hätte ich als Anleger keine Bauchschmerzen, mein Geld in Fonds oder ETFs zu stecken.

Wer sich hingegen an Finanzprodukten generell stört, ist quasi gezwungen direkt in die Unternehmen in Form von Einzelaktien zu investieren.

Wie mache ich es?

Die Zwitter-Lösung

Ich persönlich kombiniere beide Modelle miteinander. Ich investiere überwiegend in weltweite ETFs (siehe Link) mittels ETF-Sparplan und dann noch in ausgewählte Einzelaktien. Sparpläne machen hierbei für mich bei Aktien Sinn, die sehr teuer sind oder stark schwanken. Diese bespare ich dann per Sparplan (da günstigere Gebühren wie oben vorgerechnet).

Dadurch kombiniere ich die Stärken und die Schwächen beider Anlageklassen (Finanzprodukt ETF und Einzelaktie) und kann notfalls immernoch Feinabstimmungen vornehmen, falls eine Aktie underperformt. Die Chancen, dass meine Einzelaktien auch mal überdurchschnittlich performen nehme ich so ebenfalls mit, genau wie die regelmäßige jährliche Dividende der Unternehmen.

Update: Im Zuge einer jüngeren Strategie-Anpassung habe ich meine Einzelaktien-Sparpläne allesamt gestoppt und auf manuelle Einzelkäufe bei den Aktien umgestellt. Was meine Gründe hierfür sind und wieso ich die neue Strategie für lukrativer und angenehmer erachte, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

Nutzt du einen ETF-Sparplan für deinen Vermögensaufbau*?



2 Kommentare

  1. Hi,

    darf ich mal fragen wieviel Einzelaktien du momentan besitzt? Ist dein Portfolio Weltweit in unterschiedliche Branchen gestreut? Ich investiere momentan in 3 x ETFs, bin aber am überlegen auch in Einzelaktien zu investieren. Bei der momentanen wirtschaftlichen Lage ist hier die Frage, ob man nicht besser damit wartet, bevor die Krise/Markkorrektur kommt. Was denkst du?

    Grüsse

    Marco

    1. Hallo!

      Derzeit habe ich 27 Einzelaktien im Portfolio. Ich versuche, die Anzahl unter 30 zu halten, da andernfalls die Chancen sinken, den Index zu schlagen.

      Meine ETFs laufen strikt als Altersvorsorge, mit den Einzelaktien spekuliere ich auch mal von Zeit zu Zeit. Primär aber Buy and Hold and Check.

      Diversifiziert bin ich bei den Einzelaktien über Länder, Branchen, Wachstumsaktien und Dividendenaktien.
      Ich denke man kann auch heute noch Positionen aufbauen, aber vielleicht nicht gerade All-in. Immerhin sprechen manche schon seit 2012 von Krise und warten ab. Sie haben dadurch sehr viel Performance liegen lassen.

      Man weiß schlicht nicht ob und wann es krachen wird. Wäre schön zu wissen 😉

      Gruß

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