Bausparvertrag – Sinn oder Unsinn?

Der Bausparvertrag, der Deutschen liebstes Kind. Fast jeder Deutsche bespart ihn, die wenigsten wissen aber, wie er genau funktioniert. Zusammen mit der Kapitallebensversicherung gehört der Bausparvertrag zu den beliebtesten Sparprodukten der Deutschen. Grund genug, sich einmal das Konstrukt Bausparvertrag und seine Sinnhaftigkeit genauer anzusehen.


So funktioniert ein Bausparvertrag

Kurz zusammengefasst funktioniert ein Bausparvertrag folgendermaßen:

    • Du schließst ihn bei einer Bausparkasse über eine bestimmte Bausparsumme ab, zum Beispiel 30.000 Euro.
    • Nun wählst du beim Vertragsschluss auch die Verzinsung und die Höhe der folgenden Darlehenszinsen, auch wenn das eigentliche Bauvorhaben erst Jahre später folgt
    • Man selbst spart nun die Hälfte davon an, also im Beispielsfall 15.000 Euro und bekommt für die Sparleistung jährlich auch Zinsen auf sein angespartes Guthaben. Früher haben die Zinsen gut und gerne mal 3,5 Prozent p.a. eingebracht, wohl gemerkt zu Zeiten vor der aktuellen Niedrigzinsphase
    • Hat man die 15.000 Euro voll gespart, kann man die Zuteilung eines Kredites über die noch ausstehenden 15.000 Euro beantragen. Diese bekommt man also als Darlehen und zahlt die Zinsen darauf (ähnlich einem Bankdarlehen) an die Bausparkasse bzw. die Gesamtheit der Bausparer zurück
    • Alternativ dazu kann man die Sparphase auch weiterlaufen lassen, dadurch bekommst du weitere Zinsen und hilfst anderen Bausparern, schneller ihr Vorhaben zu realisieren
    • Lässt du dir das Darlehen auszahlen, dann MUSST du das Geld für wohnwirtschaftliche Zwecke verwenden. Also für den Kauf einer Immobilie, die Renovierung einer Immobilie oder auch für die Innenausstattung. Eine andere Nutzung (z.B. für Konsum / Urlaub) ist per se ausgeschlossen
    • Weiter gibt es noch staatliche Förderungen, die mitgenommen werden wollen, die aber oftmals auch an Konditionen geknüpft sind





Macht ein Bausparvertrag heutzutage noch Sinn?

Das ist wie auch der Kauf einer Immobilie absolute Glaubenssache. Rein wirtschaftlich betrachtet dürfte ein Bausparvertrag in den heutigen Niedrigzinszeiten keinen Sinn mehr machen. Altverträge mit z.B. 3,5 Prozent Zinsen weiterlaufen zu lassen, ist ebenfalls nicht immer sinnvoll, da die Verwaltungsgebühren bzw. Abschlusskosten bereits negativ zu Buche geschlagen haben. Man müsste also die Zuteilung immer weiter hinauszögern, bis sich die Abschlusskosten amortisiert haben und man dann tatsächlich im Plus ist. In der Zwischenzeit hätte man mit dem Kapital anderweitig bessere Renditen (z.B. mit Aktien) erzielt.


Gängige Praxis der Bausparkassen ist derzeit aber, so hoch verzinste Altverträge bei Nicht-Inanspruchnahme zu kündigen. Mittlerweile gibt es auch Gerichtsentscheidungen, die das als grundsätzlich rechtens betrachten, zumindest dann, wenn der Vertrag wirklich nur noch zu Sparzwecken und nicht mehr zum späteren Immobilienerwerb gehalten wird.

Zudem sind die Zinsen derzeit historisch gering, sodass man in jedem Falle bei einem Bankkredit in Verbindung mit Eigenkapital vermutlich besser fahren würde, als mit einem Bausparvertrag. Man hätte auch eher Zugriff auf sein Geld und muss nicht erst warten, bis der Vertrag zuteilungsreif ist, was bei Bausparverträgen in manchen Fällen durchaus 10 Jahre dauern kann.

Wie in allen Geldangelegenheiten gilt aber auch bei Bausparverträgen grundsätzlich: Informiere dich, bevor du einen solchen Mehrjahresvertrag abschließt!!! Fachliteratur* gibt es wie Sand am Meer. Einmal etwas Zeit investieren und jahrelang davon profitieren ist auch hier die Devise. Also lieber erstmal bilden und dann investieren.

Meine Meinung

Ich selbst hatte vor Jahren auch einen Bausparvertrag in Verbindung mit allen staatlichen Förderungen. Je mehr ich mich aber selbst mit meinen FInanzen befasst habe, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, für einen Immobilienerwerb keinen Bausparvertrag zu brauchen. Ich habe ihn also mit leichtem Verlust gekündigt. Das angesparte Kapital habe ich an der Börse investiert und dadurch lukrativer vermehrt. Meinen Immobilienkauf habe ich über eine Direktbank in Verbindung mit guter Bonität verwirklicht. Es war für mich der attraktivere Weg.

Wenn ich Geld vermehren möchte, dann macht Bausparen in meinen Augen definitiv keinen Sinn. Er ist einfach zu anderen Zwecken bestimmt. Zudem sehe ich es so: Wieso zugunsten einer vermeintlichen Sicherheit hohe Abschlusskosten in Kauf nehmen und mir parallel höhere Gewinne durch Aktien ohne große Abschlusskosten entgehen lassen?! Man stelle sich nur mal vor, man hätte das Geld 10 Jahre statt in einen Bausparvertrag in Qualitätsaktien mit Dividenden gesteckt. Dann hätte man eine wesentlich höhere Summe angespart und wäre gleichzeitig noch frei, mit dem Vermögen zu tun was man möchte. Zum Beispiel, falls man sich dann doch gegen eine Immobilie entscheidet ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Vorteil des Bausparens

Ein Bausparvertrag hat für mich lediglich einen gravierenden Vorteil: Man kann sich heute schon einen Darlehenszinssatz für z.B. in 10 Jahren sichern. Wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen wieder steigen werden (was sie früher oder später wohl wieder tun), dann ist dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass man tatsächlich eine Immobilie kaufen möchte. Dass das in der Regel eine wirtschaftlich schlechte Entscheidung ist, kannst du hier nochmal nachlesen.

Auf Youtube habe ich abschließend noch ein ganz interessantes und kompaktes Video² gefunden, welches nochmal anschaulich und leicht verständlich den Bausparvertrag erklärt:

²Wie immer bei den geteilten Videos gilt, dass ich in keinster Weise davon profitiere, dass du sie dir anschaust. Sie dienen lediglich dem Thema finanzieller Bildung.

Wie ist deine Einstellung zum Thema Bausparen? Besparst du einen Bausparvertrag, und warum?

3 Kommentare

  1. Hallo,

    wie Du ja schon schreibst, sind Bausparverträge zum reinen Sparen nicht geeignet. Da muss man auch nicht lange für rechnen. Als Vorteil nennst Du die Zinsbindung in der Zukunft. Ich habe das kürzlich ausgerechnet (siehe Link zu meinem Blog) und bin darauf gekommen, dass der Zins in der Zukunft bei über 10% liegen müsste, damit sich der Bausparvertrag rechnet. So viel verliert man nämlich durch Zins und Zinseszins über eine Ansparphase von (zugegeben langen) 15 Jahren gegenüber dem Aktiensparen.

    Was Bausparverträge aber können, ist langfristige Zinsbindung, wenn ich also jetzt sofort einen Kredit möchte, dann kann ich einen Bausparvertrag nehmen um die Zinsbindung zu verlängern in Kombination mit einem Tilgungsaussetzungsdarlehen.

    Viele Grüße vom kleinen Hai!

  2. Ich stimme dir zu: ein Bausparvertrag sollte nicht als Universalmittel zum Hauskauf verwendet werden, dafür passen Konditionen und Format nicht mehr zusammen. Unter anderen Umständen kann es sich aber lohnen. So sollten Akteure, die wissen, dass sie ungern Verträge wechseln vielleicht doch zu einem Bausparvertrag greifen, wenn sie sich sicher sind, dass sie mit dem Geld während der Laufzeit nichts anderes getan hätten. Ein entscheidendes Argument ist jedoch die aktuelle Zinslage – hier sollte man definitiv auf bessere Zeiten warten bevor jegliche Art von Kredit abgeschlossen wird.

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